Caravan-Urlaub für Anfänger

Reisen im Wohnwagen oder Wohnmobil werden immer beliebter. Die "Freie Presse" hat es dort ausprobiert, wo es im Sommer auch viele Sachsen hinzieht - im Norden von Kroatien.

Urlaub im Caravan - geht das auch ohne jegliche Erfahrung? Die "Freie Presse" wagte den Selbstversuch mit einem 13 Meter langen Gespann auf den Straßen Istriens und Campingplätzen an der Adria.

Tag 1: Selten war ich so froh, eine Reise nicht allein antreten zu müssen. Denn die Aufgabe besteht darin, einen über 38.000 Euro teuren Wohnwagen drei Tage lang unfallfrei durch Slowenien und Kroatien zu kutschieren. Journalistenkollege Thomas, der für ein Fachmagazin schreibt und auch privat seit Jahrzehnten Campingurlaub macht, übernimmt die Rolle des Instruktors. "Bist du schon mal Gespann gefahren?", fragt er. Als ich den Kopf schüttle, ist die Sache für ihn klar: "Schau es dir erst mal als Beifahrer an. Später wechseln wir."

Erleichtert sehe ich zu, wie er den BMW zurücksetzt und die Anhängerkupplung präzise unter der Deichsel des Wohnwagens platziert. Jetzt Feststellbremse lösen, Stützrad hochkurbeln und und das Kabel für die Stromversorgung einstöpseln. Zusatzspiegel am Auto sollen für bessere Sicht nach hinten sorgen. "Funktionsprobe!", ruft Thomas. Beflissen eile ich nach hinten, um zu sehen, ob es am Wohnwagen blinkt und leuchtet, wenn er vorn Tasten, Hebel und Bremspedal betätigt.

Um von unserem Startpunkt im italienischen Muggia zum 45 Kilometer entfernten Campingpark Umag in Istrien zu kommen, müssen wir zunächst Slowenien durchqueren. Eigentlich kein Ding, würden wir auf der E751 fahren. Doch Thomas plant anders: "Lass uns einen Abstecher nach Portorož machen." Der malerisch gelegene Küstenort gebe gute Fotomotive her. Je näher wir Portorož kommen, desto mehr bezweifle ich, dass dieser Umweg eine gute Idee war. Unsere 13-Meter-Fuhre ist zu lang für die Serpentinenstraße. In einer schlecht einsehbaren Linkskurve passiert es: Ein Bus kommt uns entgegen, bremst und bleibt so ungünstig im Scheitelpunkt der Kurve stehen, dass wir nicht mehr aneinander vorbeikommen. Es hilft nichts: Wir müssen zurückstoßen, um weiter ausholen zu können. Ich springe raus und versuche mich als Einweiser. Der erste Versuch misslingt: Fast touchiert der Caravan den Bus. Der Fahrer hupt, macht aber sonst keine Anstalten, sich an der Lösung des Problems zu beteiligen. Erst beim zweiten Mal klappt es. Schwitzend steige ich wieder ins Auto.

Normalerweise würde ihm so etwas nicht passieren, sagt Thomas beim Weiterfahren. Denn da habe er ein Camper-Navi dabei. Füttert man solche Geräte mit den Maßen und Gewichtsangaben für das jeweilige Gefährt, spuckt es nur noch jene Routen aus, auf denen es keine zu engen Straßen oder zu niedrige Brückendurchfahrten gibt. Gut, dass wir den Rest der Strecke ohne solche Hilfe auskommen. Eine halbe Stunde später erreichen wir den Campingpark Umag, der direkt an der Adria liegt. Thomas erklärt mir, was zu tun ist: Wagenstützen runterkurbeln, Kabeltrommel komplett abrollen, Stromversorgung herstellen. Ein Surren verrät, dass die Klimaanlage läuft. Ich ziehe die Schuhe aus und lasse mich auf das Doppelbett im Bug fallen. Endlich Zeit, mich mal in dieser rollenden Einzimmerwohnung umzusehen. Der erste Eindruck: Hier hätte auch eine vierköpfige Familie Platz.

Tag 2: Die Autokennzeichen verraten es: Deutsche Camper mögen Kroatien. Laut Tourismuszentrale kommen die meisten Gäste aus Bayern und Baden-Württemberg, Sachsen liegt aber schon auf Platz fünf des Rankings. Überhaupt scheint der Osten Deutschlands gut vertreten zu sein. Auf der Nachbarparzelle parkt ein Wohnmobil mit Thüringer Nummernschild. "Wir waren schon vier oder fünf Mal im Land", sagt Ralf-Thorsten Hausdorff aus Apolda, der noch am Frühstückstisch sitzt. Diesmal seien er und seine Frau in Umag gelandet, "weil wir ein paar Hundert Kilometer sparen wollten". Also nicht 1400 wie bis nach Dubvronik, sondern "nur" 900. Es ist trotzdem eine Strecke, für die sich die Hausdorffs zwei Tage Zeit nehmen. Gründe für Kroatien gebe es genug, schwärmt Ramona Hausdorff: "Das Meer. Das gute Essen. Das Gefühl von Freiheit."

Ich hingegen fühle mich an diesem Morgen vor allem angespannt. Immerhin soll ich das Gespann zum ersten Mal selbst bewegen. "Denke auch daran, dass das Heck des Wohnwagens ausschwenkt", mahnt Thomas, als wir losrollen. Die ersten Kilometer gehen gut: Durch ständige Kontrollblicke in den rechten Außenspiegel vergewissere ich mich, dass der Wohnwagen dem Fahrbahnrand nicht zu nahe kommt. Allerdings hat unser rollendes Feriendomizil eine Breite von 2,50 Metern. Damit rollt dessen linke Seite knapp jenseits der Mittellinie, wenn die Straße zu schmal wird. "Im Zweifelsfall hältst du an. Dann bist du nicht schuld, wenn dir jemand reinfährt", rät Thomas. Gut, dass die Spiegel Orientierung geben. Passe ich mit denen an einer Engstelle durch, klappt's auch mit dem Wohnwagen.

Vorbei geht es an Feldern mit roter Erde, Olivenbäumen und Weinbergen. Obwohl ich außerorts das Tempolimit nicht ausreize, fühlt es sich hin und wieder an, als schlingere die Fuhre. Bin ich immer noch zu schnell? Nach einem Zwischenstopp in dem Künstlerstädtchen Grožnjan zuckeln wir ins 15 Kilometer östlich gelegene Livade. Dort sind wir zum Mittagessen verabredet. Die Region ist bekannt für ihre edlen Pilze - spätestens seit 1999, als Gutsbesitzer Giancarlo Zigante einen rund 1,3 Kilo schweren Weißen Trüffel fand. 20.000 D-Mark seien ihm für den Rekordfund geboten worden, der sogar im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet ist, erzählt der Gastronom. Er habe abgelehnt und die Delikatesse gemeinsam mit Freunden und Bekannten verspeist. Auf unsere Pasta hobelt der Kellner preiswertere Schwarze Trüffel. Die kosten laut Karte immerhin noch acht Kuna pro Gramm, umgerechnet 1,08 Euro.

Nicht ganz billig ist auch der Campingplatz, auf dem wir am späten Nachmittag einchecken. Im Istra Premium Camping Resort unweit von Porec kostet eine günstige Parzelle in der Hauptsaison rund 66 Euro pro Nacht. Vorausgesetzt, man bleibt für eine Woche und ist nur zu zweit. Allerdings sieht die 37 Hektar große Anlage nicht nur aus wie neu, sie ist es auch. Erst Ende Juni hat die Valamar-Kette Eröffnung gefeiert.

Leider sind die Parzellenzufahrten auch hier ziemlich eng geraten. "Dann nehmen wir eben den Mover", beschließt Thomas. Der Wohnwagen verfügt über einen Hilfsantrieb, der den abgekoppelten Einachser an die gewünschte Parkposition bugsieren kann - bedient wird er per Fernbedienung. Das Problem ist nur: Auf die Schnelle ist nicht herauszukriegen, wie sich das System aktivieren lässt. Während wir beratschlagen, steht plötzlich ein junger Mann mit nacktem Oberkörper neben uns. "Do you need help?" Ja, brauchen wir. Zu dritt schieben wir den wuchtigen Hänger über den Kies, bis er so steht, wie er stehen soll. Wie sich herausstellt, kommt unser Helfer aus Norwegen und wohnt nebenan. Das angebotene Dosenbier schlage ich freundlich aus. Später vielleicht.

Tag 3: Schon acht Uhr morgens brütet die Hitze über Funtana. Da reicht das Hochkurbeln der Scherenstützen am Wohnwagen, um ins Schwitzen zu kommen. Erfahrene Camper hätten für diese Arbeit einen Akkuschrauber parat, hat man mir gestern erzählt. Jetzt verstehe ich, warum. Für heute steht nur noch eine 40-Kilometer-Etappe an. Und es wird touristisch reizvoll: Wir besuchen die Hafenstadt Rovinj. Die auf einem Hügel erbaute Altstadt gehöre zu den am häufigsten fotografierten Silhouetten weltweit, erklärt Stadtführer Renato Orbanic stolz. Tatsächlich habe ich diese Ansammlung von bunten Häuserfassaden und den venezianisch anmutenden Kirchturm dahinter schon mal auf Instagram gesehen.

Am Nachmittag erreichen wir unser Ziel, das "Marina Camping Vestar" südlich von Rovinj. Noch einmal gilt es, den Wohnwagen per Muskelkraft auf die Parzelle zu bugsieren. Jetzt fällt die Anspannung fällt mir ab: Weder Auto noch Hänger haben Schaden genommen. Doch ohne meinen Instruktor hätte ich das nie geschafft. Bevor ich das erste Mal selbst mit einem Leihcaravan in den Urlaub fahre, werde ich das Gespann-Fahren noch mal üben. Und wenn es dann los geht, definitiv ein Camper-Navi mitnehmen.

Diese Recherche wurde unterstützt vom CIVD und der Messe Düsseldorf.

Die Leitmesse der Branche, der "Caravan Salon", findet vom 31.08. bis 8.09. in Düsseldorf statt. Zwei-Tages-Tickets kosten 15 Euro (ermäßigt 11 Euro). www.caravan-salon.de


1. Kastenwagen

Die kleinste Variante dieser Fahrzeugkategorie ist der Campingbus. Das sind alltagstaugliche Autos wie der VW T6 oder die V-Klasse von Mercedes, mit denen man spontan campen fahren kann. Die Sitze lassen sich umklappen und so zur Schlafgelegenheit umfunktionieren. Dazu gibt es eine kleine, manchmal auch herausnehmbare Küchenzeile, oft ein Aufstelldach. Campingbusse haben selten ein Bad. Der klassische Kastenwagen dagegen schon, weil er etwas größer ist. Ideal für zwei Personen, Preis: ab ca. 30.000 Euro.


2. Teilintegriert

Ganzjahrestaugliches, gut isoliertes Reisemobil mit kompletter Küchenzeile, Kühlschrank, Bett, Sitzbank, drehbaren Vordersitzen und Nasszelle (Dusche & Toilette in einem). Der Name rührt daher, dass das Fahrerhaus zum Teil in den Wohnraum integriert ist. Man erkennt also, dass die Basis für dieses Wohnmobil beispielsweise ein Fiat Ducato oder Mercedes Sprinter ist. Bei den Zulassungszahlen in Deutschland liegen Teilintegrierte noch vor den Kastenwagen. Ideal für zwei bis vier Personen, Preis: ab ca. 40.000 Euro.


3. Alkoven

Dieses liebevoll als "Nasenbär" titulierte Wohnmobil gehört eigentlich zur Familie der Teilintegrierten und bietet am meisten Platz. Solche Gefährte eignen sich vor allem für Familien. Es gibt Schlafplätze über dem Fahrerhaus und im Heck, teilweise lässt sich auch noch die Sitzgruppe zu einer Schlafstatt umfunktionieren. Die Ausstattung ist vergleichbar mit der eines normalen teilintegrierten Wohnmobils. Nachteil: Alkovenmobile sind ziemlich hoch. Ideal für zwei bis sechs Personen, Preis: ab ca. 40.000 Euro.


4. Vollintegriert

Noch mehr Komfort und die beste Isolierung: Anders als teilintegrierte bekommen vollintegrierte Mobile einen komplett neuen Aufbau inklusive Fahrerhaus mit Panoramascheibe. Der Vorteil liegt im größeren Platzangebot, das sich zum Beispiel in der Größe der Küche und mehr Stauraum niederschlägt. Üblicherweise gibt es eine Toilette plus eine separate Duschkabine. Wer seinen Führerschein nach 1999 gemacht hat, braucht eine zusätzliche Fahrerlaubnis. Ideal für zwei bis vier Personen, Preis: ab 50.000 Euro.


5. Liner

Eigentümer dieser Dickschiffe machen "Glamping", was so viel bedeuten soll wie "glamouröses Camping". Als Basis für das Luxusmobil dient oft ein Lkw-Chassis. Manche Hersteller bauen sogar ausfahrbare Erker ein, mit denen sich der ohnehin üppige Wohnraum noch weiter vergrößern lässt. Viele Liner werden komplett nach Kundenwunsch geplant, gebaut und eingerichtet. Das macht sie extrem teuer. Top-Modelle erreichen siebenstellige Preise. Ideal für zwei bis vier Personen, Preis: ab ca. 120.000 Euro.


6. Caravan

Caravans eignen sich weniger gut, wenn man jede Nacht woanders schlafen möchte. Das übliche Nutzungsszenario: Man steuert einen Campingplatz an, parkt den Anhänger dort und unternimmt mit dem Pkw Tagesausflüge. Die kleinsten Caravans wiegen zwischen 800 und 1200 Kilo und können schon von Kompaktwagen gezogen werden. Ideal für zwei bis sechs Personen, Preis: Kompakt- und Touring-Caravans ab 8000 Euro, Mittelklasse-Caravans ab 12.000 Euro, Großraumcaravans ab 25.000 Euro. (Quelle für alle Preisangaben: CIVD)

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