Das Flughafen-Chaos von München - die Aufarbeitung läuft

Turbulente Tage liegen hinter Reisenden, Mitarbeitern und Helfern, die am Wochenende am Münchner Flughafen waren. Nach dem Chaos beginnt nun die Aufarbeitung. Können betroffene Fluggäste mit einer Entschädigung rechnen?

München (dpa) - 330 ausgefallene Flüge, etliche stark verspätete Flüge, mehr als 30.000 betroffene Passagiere: Eine folgenschwere Panne an einer Sicherheitsschleuse hat den Flughafen München am Wochenende in schieres Chaos gestürzt. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie sah die Situation am Flughafen am Montag aus?

Der Betrieb lief im betroffenen Terminal 2 und dem dazugehörigen sogenannten Satelliten-Terminal weitgehend normal. Nach Angaben von Flughafenchef Michael Kerkloh fielen bis zum Nachmittag lediglich zwei Flüge wegen des Chaos' aus. Verspätungen habe es kaum gegeben. Die Nacht verbrachten noch rund 250 Reisende am Airport - viele von ihnen schliefen auf vom Flughafen bereitgestellten Feldbetten. Von Samstag auf Sonntag hatten mindestens 2000 Menschen auf Feldbetten, Bänken oder in Lounges übernachtet.

Wer ist für die Sicherheitskontrollen am Flughafen zuständig?

Jeder Reisende wird vor seinem Flug von Mitarbeitern der Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München (SGM) kontrolliert. Diese gehört dem Freistaat Bayern und untersteht der Regierung von Oberbayern. An vielen anderen Flughäfen in Deutschland übernehmen diese Aufgabe private Unternehmen.

Wer war für die Panne verantwortlich?

Einer Kontrollkraft des Sicherheitsunternehmen unterlief den Angaben zufolge ein folgenschwerer Fehler. Sie war nach Angaben der Bezirksregierung durch ein Gespräch mit Kollegen abgelenkt. In diesem Moment sei eine 40-jährige Passagierin unkontrolliert durch die Schleuse gegangen. Eine andere Sicherheitskraft habe den Fauxpas bemerkt und Kollegen gebeten, die Reisende zurückzuholen. Weil diese aber nicht mehr auffindbar gewesen sei, informierte der Sicherheitsdienst eine Viertelstunde später einen Vorgesetzten. Dieser wiederum alarmierte den Angaben zufolge die Bezirksregierung. Die Behörde habe dann der Bundespolizei Bescheid gegeben.

Welche Schuld trifft die Passagierin?

Wohl keine. Die Bezirksregierung sieht bisher keinen Grund, gegen die 40-Jährige strafrechtlich vorzugehen. Von dem großen Chaos hat die Frau zunächst gar nichts mitbekommen. Denn nach Angaben der Behörde saß sie bei der Räumung schon in einem Flugzeug. Mehr Informationen über die Passagierin und ihr Reiseziel verschwieg die Bezirksregierung - zum Schutz der Frau, wie es hieß.

War die Räumung der Abflughallen überhaupt nötig?

Ja, sagt Christian Köglmeier von der Bundespolizeiinspektion am Flughafen. Über die Luftsicherheitsgesetze gebe es einheitliche Vorgaben für alle europäischen Flughäfen. Demnach muss ein Bereich geräumt und abgesucht werden, wenn eine Gefahr für die Luftsicherheit nicht ausgeschlossen werden kann.

Bekommen Fluggäste eine Entschädigung von ihrer Airline?

Darauf können Passagiere nach Einschätzung des Reiserechtsexperten Ernst Führich aus Kempten nicht hoffen. «Sie werden keine Ausgleichszahlung bekommen.» Die Sicherheitskontrolle am Flughafen falle nicht in den organisatorischen Bereich der Airline, sondern sei Staatsaufgabe. Sie gehöre daher auch nicht zum Betriebsrisiko einer Fluggesellschaft. «Maßnahmen im Sicherheitsbereich sind außergewöhnliche Umstände», so Führich. Und in einem solchen Fall sind Airlines von der Zahlungspflicht befreit.

Wie hoch ist der Schaden? Der Schaden geht in die Millionen. Auf den Flughafen dürften nach Schätzungen von Chef Kerkloh Kosten in Höhe zwischen einer und vier Millionen Euro zukommen. Während des stundenlangen Stillstands am Terminal konnte die Gesellschaft keine Gebühren für Starts und Landungen der Flugzeuge kassieren. Außerdem fehlen dem Flughafen Einnahmen durch die Abfertigung von Fliegern. Einbußen gab es zudem bei vielen Geschäften im geräumten Sicherheitsbereich.

Gab es schon ähnliche Vorfälle?

Ja. Vor zwei Jahren war eine Frau in den Sicherheitsbereich des Frankfurter Flughafens gekommen, obwohl ihre Kontrolle noch nicht abgeschlossen war. Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes verloren sie aus den Augen, ein Terminal wurde teilweise geräumt. Der Flughafenbetreiber Fraport machte das Fehlverhalten eines Beschäftigten der Tochterfirma FraSec verantwortlich. Im selben Jahr wurden gleich mehrfach Terminals am Flughafen Köln/Bonn geräumt, weil Menschen unkontrolliert in den Abflugbereich kamen. Und auch am Münchner Flughafen sind Vorfälle dieser Art nichts Neues, deswegen wurden etwa 2010 Teile des Terminals 2 evakuiert.

Diese Regeln gelten für Flüssigkeiten im Handgepäck

Die Sicherheitskontrolle an Flughäfen verzögert sich immer wieder, weil Passagiere nicht wissen, welche Flüssigkeiten sie auf welche Weise im Handgepäck mitnehmen dürfen. Die Bundespolizei erklärt auf ihrer Webseite: Flüssigkeiten müssen in Behältnissen mit einem Volumen von jeweils maximal 100 Millilitern in einem durchsichtigen, wieder verschließbaren Ein-Liter-Kunststoffbeutel verpackt sein. Jeder Passagier darf nur einen Beutel mitnehmen. Ausgenommen sind versiegelte Duty-free-Einkäufe, notwendige flüssige Medikamente für die Reise und Spezialnahrung für Babys. Alle anderen Flüssigkeiten müssen mit dem Gepäck aufgegeben werden.

Die Regel betrifft alle Flüssigkeiten, Gele und Aerosole, deren Konsistenz flüssig, zähflüssig, gelartig oder cremig ist. Es geht also um alle Pasten, Lotionen, Mischungen von Flüssigkeiten und Feststoffen, Zahnpasta, Haargel, Sirup, Parfüm und Rasierschaum - und sogar um Suppen sowie Streichkäse und -wurst. Im Zweifelsfall entscheidet das Personal der Sicherheitskontrolle.

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