England ganz weit oben

Ab Mitte Juni könnten Auslandsreisen wieder möglich sein - auch nach England. Dort lockt ein Ziel, das bei Wanderern immer beliebter wird: der Hadrianswall.

Römischer Kaiser mit sieben Buchstaben? Das dürfte englischen Schulkindern leicht fallen: Hadrian ist zumindest in Nordengland ausgesprochen populär. Das liegt an der Mauer, die er im zweiten Jahrhundert nach Christus bauen ließ, rund 120 Kilometer lang von Bowness-on-Solway im Westen bis nach Newcastle upon Tyne im Osten. Nach Wallsend, in den Vorort der nördlichsten englischen Großstadt, kommen jedes Jahr Tausende Menschen.

Der Ort ist Schlusspunkt des Hadrian's Wall Path, eines Wanderwegs von Küste zu Küste, der alles bietet, was Menschen mögen, die Landschaften gerne zu Fuß erkunden, aber mehr sehen möchten als Felsbrocken und Trampelpfade. Und das ist am Hadrianswall garantiert.

Erbaut wurde der Wall von Osten nach Westen, aber fürs Wandern ist die Gegenrichtung mindestens genauso gut. Der westlichste Punkt des zum Weltkulturerbe zählenden Hadrianswalls liegt noch ein Stück hinter der Kleinstadt Carlisle am Meeresarm Solway Firth, der Schottland von England trennt. Wer viel Zeit hat, startet hier. Aber auch Carlisle oder Haltwhistle kommen dafür infrage. Der Abschnitt von dort bis nach Corbridge gilt als der interessanteste. Wer keinen Zeitdruck hat, läuft bis Newcastle weiter und kauft sich dort nach der Tour von drei bis fünf Tagen ein Shirt mit dem Schriftzug: "I walked the Wall" ("Ich bin am Wall entlanggelaufen").

Beim Wandern entlang des Hadrianswall in der hügeligen Landschaft ein Stück südlich der heutigen Grenze zwischen Schottland und England dominiert die Farbe Grün. Autobahnen, Fabriken, Windräder, Schornsteine mit Industrieabgasen - Fehlanzeige.

Haltwhistle liegt ungefähr auf der Hälfte der Strecke des Wanderwegs von Küste zu Küste. Am Marktplatz startet der Haltwhistle Burn Footpath zum Hadrianswall. Gleich hinter dem Ort geht es durch einen Wald voller hoch aufragender Buchen, mit Butterblumen am Rand des Weges. Die wenigen Kilometer sind schnell bewältigt. Es ist weniger ein Wall als eine heute meist nur noch hüfthohe Mauer, die in der Antike durch Gräben ergänzt und nicht durchgehend aus Stein war.

Zum Wandern ist der Hadrianswall ideal, die Streckenführung ist eindeutig. Immer wieder gibt es etwas zu sehen. Schon die Mauer selbst ist ein Hingucker mit ihren fleckigen, moosbewachsenen grauen Steinen. Eine Reihe von Ausgrabungsstätten sind in unmittelbarer Nähe, gleich drei zwischen Haltwhistle und Heddon-on-the-Wall. Am spannendsten ist der Besuch von Vindolanda, ein römisches Fort etwas südlich des Hadrianswall. In der Antike lebten hier bis zu 3000 Menschen, nur der kleinere Teil davon Soldaten. Heute gibt es hier ein modernes Museum mit Originalfunden von dem Gelände zu sehen.

Vindolanda ist ein Paradies für Archäologen. Seit einem halben Jahrhundert sind sie dort beschäftigt, und es gibt noch mehr als genug zu tun. In dem Museum sind zahlreiche Münzen zu sehen, ein Holzschwert für Kinder und ein hölzerner Toilettensitz, Geschirr, das in der Antike aus Frankreich importiert wurde, zudem Broschen, Ketten, Armreifen und ein Babyschuh. Zu den Top-Funden gehören Schreibtafeln, die ins Britische Museum in London gekommen sind. Offiziere tauschten damit Nachrichten aus und klagten über schlechte Straßen und schlechtes Wetter.

In Chesters Roman Fort war eine römische Reitertruppe stationiert, drei Soldaten und drei Pferde teilten sich einen Raum. Fundamente der Gebäude lassen erahnen, wie das Fort einmal ausgesehen hat.

Ganz im Osten führt der Hadrian's Wall Path in die Großstadt: Als die Römer in Nordengland waren, gab es Newcastle noch nicht. Und je größer es wurde, umso mehr geriet das römische Kastell Segedunum in Wallsend in Vergessenheit. Inzwischen haben Archäologen es freigelegt. Ein Stück des Hadrianswall ist rekonstruiert worden, direkt neben den Fundamenten des Originals.

Aktuelle Lage 

Das Auswärtige Amt verweist auf die allgemeine Reisewarnung, die noch bis zum 14. Juni gültig ist. Danach könnten touristische Reisen in der EU wieder möglich sein.

Seit dem 1. Februar 2020 ist das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland nicht mehr Mitglied der Europäischen Union. Aufgrund des Austrittsabkommens ändert sich für Reisende bis zum 31. Dezember 2020 aber erst mal nichts.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.