Es muss kribbeln im Bauch

Als Kind fuhr unser Autor das erste Mal mit einer Achterbahn in Florida. Jahrzehnte später war er wieder dort - und erneut ganz schwer begeistert.

Ein Ruck, und der Wagen setzt sich in Bewegung. Linkskurve, leichter Anstieg. Hinter mir die ersten Schreie. Dann geht es auf einer langen Geraden gen Himmel. "Oh, my God", ruft jemand. Rechts, links, Talfahrt. Insgesamt dreimal werden wir binnen weniger Sekunden in die Höhe katapultiert, um anschließend mit fast hundert Sachen wieder in die Tiefe zu rauschen. Fast so schnell wie die Geparde, die unmittelbar daneben in einem Gehege leben. Nicht ganz zufällig, denn die Anlage heißt "Cheetah Hunt", also Gepardenjagd, und ist ohne Zweifel die größte Attraktion im Vergnügungspark Busch Gardens in Tampa. Zumindest für alle, die solchen Nervenkitzel mögen. Also auch für mich.

Ich war neun, als mich das Achterbahn-Fieber packte. Gemeinsam mit meinen Eltern durfte ich Onkel und Tante in Naples besuchen. Diese Stadt im Süden Floridas wurde dabei zum Ausgangspunkt diverser Ausflüge; einer führte uns zur Walt Disney World, wo wir einen ganzen Tag verbringen durften. Wir mussten ein Coupon-Heftchen erwerben und die Gutscheine am Einlass zu den verschiedenen Attraktionen abgeben. Dabei geschah etwas Unvorhergesehenes. Meine Mutter wollte mit einem Bähnchen fahren, dass langsam über das gesamte Tomorrowland tuckerte.

Aufgrund mangelnder Englischkenntnisse meines Vaters landeten wir aber im Space-Mountain, einer Achterbahn im Dunkeln. Ehe uns richtig klar wurde, wo wir sind, ging die Rakete schon los. Meine Mutter war sehr geschockt und den Abend über nicht mehr ansprechbar. Ich dagegen hatte Feuer gefangen und schwor mir, eines Tages fliege ich wieder nach Florida und fahre den ganzen Tag nur Rollercoaster. Weil Florida nicht gerade um die Ecke liegt, dauerte das eine Weile. Unterdessen eroberte ich die Parks in und um Deutschland. Jedes Jahr einen anderen. Die Sehnsucht nach Florida konnten sie nicht stillen.

Jahrzehnte später sitze ich mit meiner Lebensgefährtin im Flugzeug nach Orlando. Hotel und Mietwagen haben wir vorgebucht. Hilfreich ist auch, wenn man sich schon mal zu Hause einen Überblick verschafft. Es gibt in und um Orlando mehr als zehn verschiedene Freizeitparks - in einer Woche ein unmögliches Unterfangen, bei zwei Wochen äußerst ambitioniert - und auf keinen Fall zu empfehlen.

Allein im Walt Disney World Resort könnte man gut und gern den ganzen Urlaub verbringen. Auf gut 100 Quadratkilometern gibt es vier Themen- und zwei Wasserparks. Der bekannteste ist zweifellos Magic Kingdom mit dem Cinderella-Schloss. Er wurde nach dem Vorbild des kalifornischen Disneylands erbaut und 1971 eröffnet. Damit ist er der älteste Freizeitpark in Florida, aber dank ständiger Erweiterungen immer noch der wichtigste Anziehungspunkt. 2015 zählte Magic Kingdom über 20 Millionen Besucher - so viele wie kein anderer Park weltweit. Zum Vergleich: Der Europapark im deutschen Rust kam im selben Jahr auf 5,5 Mio. Besucher.

Natürlich will ich den Ort wiedersehen, wo meine Leidenschaft für Achterbahnen geweckt wurde. Aber die Perspektive hat sich geändert. Die Disney-Parks, so wird mir klar, stehen eher für das Familienerlebnis - auch, wenn jeder Park mit mindestens einer schnellen Bahn aufwarten kann. Und genau deshalb bin ich ja hier. Ich liebe das Abenteuer. Es kann nicht verrückt genug zugehen. Es muss kribbeln, nicht nur im Bauch.

An verrückten Attraktionen herrscht in Orlando kein Mangel. Nächtelang hatte ich mich zu Hause durchs Internet geklickt, Videos geguckt, Kommentare gelesen. So bin ich schließlich auf Busch Gardens gestoßen. Der Park gehört zu SeaWorld und befindet sich in Tampa. Ein kostenloser Shuttlebus bringt die Besucher in einer Stunde von Orlando hin und zurück. Sechs Achterbahnen, zwei Wildwasserraftings - da bleibt niemand trocken.

Und irgendwann steige ich in den Wagen von "Cheetah Hunt". Es ist der helle Wahnsinn. Drei Minuten sind viel zu kurz. Ich stürze mich noch mal ins Vergnügen. Meine Freundin hat schon aufgegeben.

Freitag ist ein guter Tag

Anreise: Flüge nach Orlando bietet Lufthansa ab Dresden ü. Frankfurt/M.

Reisezeit: Das beste Wetter herrscht im Winter, allerdings sind die Parks dann extrem überlaufen und manchmal sogar wegen Überfüllung geschlossen. Besser ist die Zeit vor den Sommerferien. Der wenigste Andrang herrscht gewöhnlich freitags.

Tickets kann man bereits in Deutschland über die offiziellen Internet-Seiten der Parks kaufen. Dabei spart man teilweise über 20 Euro und das Anstellen an der Kasse.

Die Recherche wurde unterstützt von Visit Orlando.

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