Garantiert Handarbeit

Die neue Erlebnisroute "ManufakTour" führt zu 20 außergewöhnlichen Werkstätten. Urlauber dürfen hier reinschauen und mitmachen.

Wismar - Schmuck aus Fischhaut: Gar seltsame Krawatten hängen an Ramona Stelzers Ladenwand. Sie sind kunstvoll gemustert, doch mit Schlipsen haben sie genauso wenig zu tun wie mit herkömmlichem Stoff. Es sind gegerbte und gefärbte Häute von Barschen, Lachsen, Schollen, Aalen, Papageienfischen und Rochen, aus denen Ramona Stelzer Schmuckes anfertigt.

Die Goldschmiedin und Designerin kombiniert das reißfeste und strapazierfähige Material mit Edelmetallen und fabriziert daraus Ringe, Ohrstecker, Anhänger und Taschen, die auch gefragt sind als Unikat-Souvenirs. Für Ringe etwa nimmt die junge Frau am liebsten Rochenleder. Dieses enthält harte Hornkügelchen, die geschliffen und poliert einen besonders edlen Glanz entwickeln - "das wirkt wie tausend kleine Edelsteinchen auf der Haut". Ihr Favorit für die Männerkollektion hingegen ist Leder vom Stör, "weil das fast so markant ist wie bei Reptilien und jeder Fisch eine individuelle Musterung auf der Haut hat." Wichtigster Lieferant ist übrigens ein sibirischer Künstler, der auf der Suche nach seinen indigenen Wurzeln auf die uralte Kunst der Verarbeitung von Fischleder für Zelte und Kleidung stieß. Und sie neu erlernte. Auch das erfährt man in Ramonas Fischleder-Shop auf Wismars Flaniermeile.

www.ramonastelzerdesign.com

 

Ludwigslust - Pappe statt Marmor: Wenn Norbert und Iris Leithold das Palais Bülow für Gäste öffnen, wird Geschichte lebendig und amüsant. Zum einen die des klassizistischen Juwels, das der Historiker und Restaurator mit seiner Frau 2011 vor dem Verfall bewahrte und mit viel Herzblut und Sachverstand zu altem Glanz aufpolierte. Heute bewohnen sie die Beletage, präsentieren Haus, Heim und Garten aber gern auf Führungen und öffnen den Festsaal für Konzerte und Kultur - "weil wir die Schönheit der historischen Architektur zeigen möchten. Aber nicht als Museum, sondern in einem offenen und kunstsinnigen Haus." Zweitens birgt das Palais ganz exquisite Schätze. War es doch neben dem Schloss und der Schlosskirche das einzige Gebäude, dessen kunstvoller Raumschmuck einst aus Pappmaché gefertigt wurde. Mit täuschend echten Imitationen von Gold und Marmor, von Stuck und Schnitzereien, die unendlich viel günstiger waren als all die anderen edlen Materialien. Ein Metier, für das Ludwigslust mal weltberühmt war. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert lieferte die "Carton-Fabrique" bis nach London und Paris; hier entstanden Meisterwerke für die europäischen Salons und sogar Statuen, die in Schlossgärten Wind und Wetter trotzten. Und auch diese Tradition lebte nach 150-jährigem Dornröschenschlaf seit 2013 wieder auf. Im Palais Bülow in Ludwigslust. Bei Norbert und Iris Leithold.

www.palais-buelow.de

 

Schwerin - Taschen fürs Leben: Himmelhoch sind die Ansprüche, die Christian Karius und Stephan Porth stellen. An sich selbst und an ihre Produkte: Rucksäcke, Gürtel- und Fahrradtaschen. Keine Allerweltsdinger allerdings. In ihrer winzigen Red Rebane Manufaktur fabrizieren die Outdoor-Junkies per Hand extrem robuste "Freunde, die uns ein Leben lang begleiten und selbst beim härtesten Abenteuer absolut verlässlich sind." Deshalb verwenden die ausgebufften Tüftler - Rebane ist estnisch und heißt Fuchs - etwa das wasserdichte und abriebfeste Nylongewebe Cordura und vernähen es mit Garn aus dem Segelsport in der kräftigsten verfügbaren Stärke. Besonders wichtig ist beiden der Kontakt zur Zielgruppe - Draußenseiter und Hardcore-Biker wie sie selbst -, die mit ihrem Input zur steten Verbesserung der Produkte beitragen. "Außerdem kann bei uns jede Lasche oder Tasche, jeder Riemen oder Reißverschluss individuell konfiguriert werden", erklärt Stephan. Dass der namensgebende Fuchs dabei nicht nur die Rolle des Schlaumeiers spielt, erzählt Rebane-Erfinder Christian. Dem erschien bei einem schweren Unwetter in den Bergen einst ein tropfnasser, windzerzauster Fuchs vor der Hütte, der den Naturgewalten furchtlos trotzte. Für Christian fortan das Sinnbild für Stärke und Standhaftigkeit. Und als solches das perfekte Symbol. www.red-rebane.de

 

Testorf - Das Papier-Universum: Magisches aus Papier entsteht bei Anke Meixner im äußersten Westen des Bundeslandes am Schaalsee. Hier auf dem Lande bei Zarrentin schöpft die hauptberufliche Spielplatzdesignerin zum einen Kraft und Ideen, zum anderen praktischerweise aber auch gleich den Werkstoff, der sie so begeistert. Weil er so leicht und zart ist, aber auch so fest und stark. Und so vielseitig wie kaum ein zweiter: "Papier kann durch Falten, Formen, Beschreiben und Bemalen sehr einfach und in jedem Alter kreativ gestaltet werden." Im Holländer, einem archaischen Mahl-Ungetüm, verwandelt sie zunächst pflanzliche Rohstoffe zu Faserbrei, den sie anschließend einweicht, abschöpft, abgautscht und presst. Dabei wird bereits die Arbeit mit dem Schöpfsieb zum künstlerischen Akt, wenn sie etwa nach dem Collagen-Prinzip verschiedenfarbige Faserschichten übereinandersetzt. Schablonen auf dem Sieb benutzt und Abdrücke von Figuren entstehen lässt. Papier in warmen Erdtönen zu orientalischen Mauern und Mustern schichtet. Oder abstrakte Formen findet, in die sie Schafwolle einarbeitet oder Rillen prägt. Nicht zu vergessen die plastischen Objekte, die federleicht durch den Raum schweben und Meixners zauberhaftes Papier-Universum komplettieren.

www.kunstraum-testorf.de

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