Mondänes Mehrbettzimmer

Winterurlaub in der Schweiz? Verlockend, aber teuer. Für Familien gibt es aber auch günstige Angebote.

Es ist Nacht. Spitz ragen die Gipfelzacken in den Himmel. Unten im Tal glitzern die Lichter von Crans-Montana. Wir stapfen in Schneeschuhen hinter Anne den Hang hinauf. Schneeschuhe statt Skier sind die erheblich preiswertere Alternative, um das Naturparadies zu erleben - und das in aller Ruhe. Das einzige Geräusch ist der knirschende Schnee. Schneeschuhwandern ist gut für Seele und Geist und je nach Route auch für die Kondition.

Tagsüber geht es durch verschneite Wälder und weite Schneefelder, vorbei an den eindrücklichen Viertausendern. Am Abend sind diese allerdings nur schemenhaft zu erkennen. Ziel ist auch etwas anderes. Nach einer Stunde tauchen im Dunkeln die Maiensässe auf, kleine Hütten, in denen Mensch und Kühe einst gemeinsam schliefen. Gemeinsam bilden sie den Weiler Colombire. Er ist heute ein Öko-Museum, dessen Besuch hilft, das Leben auf der Alp besser zu verstehen und Annes Satz: "1860 ist die Bahn im Wallis angekommen". Wir sollen ihn unbedingt in Erinnerung behalten. Mit der Bahn kam die wirtschaftliche Entwicklung für den sonnigsten Kanton der Schweiz. Plötzlich war Warenaustausch möglich, und nach den Waren kamen die Kurgäste. 1899 wurde in Crans die erste Höhenklinik der Schweiz eröffnet. Der Wandel zum mondänen Urlaubsort begann.

Bewegung ist heute das Schlüsselwort in Crans-Montana. Die Besucher stapfen auf Schneeschuhen durchs Gelände oder fahren Ski. Sie joggen auf dem Laufband oder spielen Golf. Der Ort im Wallis steht für Luxus, und die Vorstellung fällt schwer, dass die Menschen dort noch vor 150 Jahren ein entbehrungsreiches Leben führen mussten. In der Ebene floss die Rhone, das Gebiet war sumpfig, die Menschen mussten ihre Häuser am Hang bauen. Was sie zum Leben brauchten, mussten sie ständig zu Fuß hochtragen und im Mai das Vieh noch höher die Berge hinauf auf die Alp treiben. Auch sie waren also immer in Bewegung. Wanderleiterin Anne Carron-Bender versteht deshalb ihre Angebote auch als eine Rückbesinnung auf den Ursprung.

Skifahrer sind in Crans-Montana übrigens in der Minderzahl. Wer auf die Bretter will, fährt in das eine Autostunde entfernte Nendaz. Dort ist Skifahren bis auf 3300 Metern möglich. Die vier Täler Nendaz, Veysonnaz, Verbier und Thyon haben sich zum Skigebiet "Les 4 de Vallees" zusammengeschlossen, mit 412 Pistenkilometern das größte in der Schweiz. Es bietet alles, was Wintersportler lieben: lange Buckelpisten für die Könner und einen der steilsten Hänge der Schweiz mit 40 Prozent Gefälle, aber auch breite Abfahrten für Anfänger und entspannte Fahrer. Atemberaubend sind die Ausblicke vom Mont Fort auf die Gipfel des Matterhorns oder des Mont Blanc.

Für Crans-Montana spricht, dass es neben den zahlreichen Luxushotels auch durchaus bezahlbare Unterkünfte gibt. Wer einen festen Schlaf hat, dem sei die 2017 eröffnete Jugendherberge "Bella Lui" empfohlen. Das 1930 erbaute Haus steht als Zeitzeuge der Moderne unter Denkmalschutz. Ursprünglich als Luxussanatorium gebaut, diente es später als Kur- und Ferienhotel. Jetzt ist es renoviert und im Retrolook der 1950er-Jahre eingerichtet. Das Bett im Mehrbettzimmer kostet umgerechnet rund 30 Euro.

Für Familien mit Kindern ist ein Winterurlaub in der Schweiz kaum noch erschwinglich. Außer sie mieten sich eine Ferienwohnung in einem der vielen Feriendörfer der Reisekasse Reka. 25 der rund 70 Anlagen stehen allein im Wallis. Einst wurden sie aufgebaut, um sozialschwachen Familien Winterferien zu ermöglichen. Noch heute kommen jedes Jahr 1000 Familien in den Genuss einer Woche Urlaub zum Preis von 200 Schweizer Franken.

Deutsche Touristen müssen einiges mehr zahlen, aber im Vergleich zu den sonst üblichen Kosten ist das Preis-Leistungs-Verhältnis dennoch sehr günstig. Einige Feriendörfer sind zwar schon etwas in die Jahre gekommen wie etwa in Wildhaus in der Ostschweiz, wo wir auf dem Rückweg nach Deutschland noch Station machen. Aber das ist nicht entscheidend, wichtiger ist: Es gibt alles, was Familien brauchen - Brötchenservice, ein Hallenbad mit Kinderplanschbecken und eine kostenlose Kinderbetreuung ab dem frühen Nachmittag, damit die Erwachsenen mal in Ruhe auf die Langläufer können. Im Skigebiet Toggenburg gibt es viele variantenreiche Loipen. Das Rekalino-Gemeinschaftshaus mit Bibliothek und Spielecken kann zum Rettungsanker für Eltern werden, wenn der fünf Jahre alte Nachwuchs sich wütend die Skistiefel von den Füßen reißt und beharrlich weigert, in die Skischule zu gehen, weil er das "komische Deutsch" der Skilehrer nicht versteht.

In Wildhaus verrät die Dekoration im Rekalino, was dort über die Sommermonate hinweg passiert. Im April kommt fahrendes Volk aus Berlin angereist und verwandelt das Feriendorf bis zum Oktober in eine große Zirkuswelt. Täglich werde mit den kleinen Künstlern jongliert, balanciert, musiziert und gezaubert, heißt es auf Nachfrage an der Rezeption. Der Nachwuchs meint gnädig, er wolle wiederkommen, "wenn der Zirkus da ist."

Bequem mit der Bahn

Anreise: Lang, aber bequem ist eine Anreise per Bahn. Mit einem Swiss Travel Pass können Bahn, Bus und Schiff genutzt werden. Auch einige Bergbahnen und über 500 Museen sind inkludiert. Erwachsene zahlen für acht Tage 399 Euro, Kinder unter 16 Jahren fahren umsonst mit.

Unterkunft: Eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit vier Betten kostet in der Nebensaison in Wildhaus umgerechnet 700 Euro.

www.reka.ch

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