Reise
Nachhaltiger Skiurlaub - So soll es gehen

Gletscher schmelzen, Winter werden kürzer. Österreichs Skigebiete sind besonders hart vom Klimawandel betroffen und reagieren mit zahlreichen Maßnahmen. Aber was können Touristen selbst tun?

Wer klimaneutral Skifahren will, der läuft die Piste rauf und fährt dann oben wieder runter. Ansonsten wird es schwieriger für einen nachhaltigen Urlaub mit alpinem Skivergnügen. Die Branche selbst sagt, es geht schlimmer: Laut Österreich Werbung werden pro Skifahrer und Tag 4,2 Kilowattstunden Energie benötigt. Zum Vergleich: Damit kommt ein PKW sechs Kilometer weit. Auch für den großen Maßstab gibt es Vergleiche: Ein Karibikflug (hin und zurück) mit 200 Passagieren braucht rund 1.500.000 Kilowattstunden – das entspricht der Beschneiung von 100 Hektar Piste pro Winter, einer Fläche so groß wie 140 Fußballfelder.

Zahlenvergleiche allein helfen allerdings auch nicht weiter. Denn die Skigebiete trifft die Klimakrise besonders hart. „Der Temperaturanstieg ist im Alpenraum sogar ausgeprägter als im globalen Durchschnitt“, sagt Martin Heggli vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos. Abtauende Gletscher, Lawinen, Veränderungen der Biodiversität und weniger Schnee sind nur einige Folgen. „Klimaszenarien zeigen, dass ohne Klimaschutzmaßnahmen die Nullgradgrenze bis 2050 in Höhenlagen zwischen 1100 und 1300 Metern steigen wird.“

Geoengineering gegen schmelzende Gletscher

Da ein Kühlschrank für die Alpen noch nicht erfunden wurde, müssen kurzfristige Eingriffe helfen, um die Folgen zumindest etwas abzumildern. So wurde getestet, ob man Gletscher in den warmen Monaten mit weißen Tüchern schützen kann. „Man reduziert die Schmelze um etwa 50 bis 70 Prozent im allerbesten Fall“, erklärt der Glaziologe Matthias Huss von der ETH Zürich. Auch die Idee, Gletscher mit Kunstschnee zu beschneien und so dafür zu sorgen, dass weniger abschmilzt, wird erprobt. Zwar bringe künstlicher Schnee etwas und der Gletscher gehe etwas weniger zurück – doch die Kosten lägen beim Vierfachen der Geotextilien, sagt Huss.

Markus Strolz, Geschäftsführer der Energie und Wirtschaftsbetriebe St. Anton am Arlberg, an einem Wasserrad einer Turbine, in der Strom erzeugt wird.
Markus Strolz, Geschäftsführer der Energie und Wirtschaftsbetriebe St. Anton am Arlberg, an einem Wasserrad einer Turbine, in der Strom erzeugt wird. Bild: Christian Mathea

Die Skigebiete selbst setzen auf Energie-Einsparung und neue Energie-Quellen. „Rund 90 Prozent des Energieaufwandes für technischen Schnee stammen aus erneuerbaren Energiequellen“, sagt Lisa Weddig, Geschäftsführerin von Österreich Werbung.

Ohne die Energie für die Bergbahnen im Winter wäre St. Anton am Arlberg bereits seit 2006 energieautark. Ein Großteil des Stromes für die Gemeinde kommt vom Kartellsee. „Dieser Speichersee, zugleich auch Ausflugsziel, fasst rund acht Millionen Kubikmeter Wasser und liefert jährlich rund 33 Millionen Kilowattstunden Strom“, sagt Martin Strolz, Geschäftsführer der Energiewerke. Zudem betreibt St. Anton ein Biomasseheizwerk mit Hackschnitzel, das für bis zu 80 Wohneinheiten angelegt ist.

Der Schweizer Skiort Davos will bis 2030 komplett klimaneutral sein, auch inklusive der Energie für die Bergbahnen. Dafür wurde ebenfalls in Wasserkraft investiert. „Die Leitungen für die Wasserkraftwerke stammen von der Beschneiung. Wir nutzen die bestehende Infrastruktur in der Zeit, in der wir nicht beschneien, um erneuerbare Energie zu produzieren“, sagt Martina Walsoe, Projektleiterin bei den Davos Klosters Bergbahnen. Zuletzt kamen 40 Solaranlagen an Bergstationen dazu.

Was können Touristen beitragen

Die Skitouristen können ebenfalls einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. „Das beginnt bei der Anreise, die einen sehr großen Anteil am gesamten Ressourcenverbrauch beim Skisport hat“, sagt Martin Heggli vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung. Er empfiehlt, mit der Bahn statt mit dem Auto zu fahren und auf Flugreisen für den Skiurlaub zu verzichten.

Vor Ort könne man sich vermehrt vegetarisch oder vegan ernähren, auf Unterkünfte mit energieintensiven Einrichtungen wie Schwimmbäder und Wellnessanlagen verzichten, gibt Heggli weitere Tipps. Zusätzlich könne man auf Skiorte wählen, die gezielt erneuerbare Energien fördern.

In Davos in der Schweiz wird nur am Anfang der Saison beschneit. Aufgrund der Höhe der Pisten reicht danach Naturschnee.
In Davos in der Schweiz wird nur am Anfang der Saison beschneit. Aufgrund der Höhe der Pisten reicht danach Naturschnee. Bild: Christian Mathea

Anreise, Ernährung und Labels

Anreise: Laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) entstehen 75 Prozent des CO2-Verbrauchs einer Skireise bei der An- und Abreise. Viele Skiorte wie St. Anton, Davos und Garmisch-Partenkirchen haben Fernbahn-Anschlüsse. Es gibt Zugtickets, in denen die Liftkarte inkludiert ist wie das Wintersport-Kombiticket für Skigebiete am Arlberg ab 80 Euro (ÖBB) oder das Garmischer Ski-Ticket ab 65 Euro (DB).

Vor Ort: Die Busverbindungen sind in den meisten Skiorten gut ausgebaut. In vielen Regionen wie in Davos ist die Nutzung von ÖPNV im Skiticket dabei. In St. Anton können auch Elektro-Autos gemietet werden.

Übernachtung: Für Hotels gibt es zahlreiche Labels für Nachhaltigkeit. Ernst zu nehmende Labels erklären ihre Kriterien im Internet. International am bekanntesten ist das EU-Ecolabel, das weltweite Umweltzertifikat Green Key oder die Iso-Zertifizierung 14001. Zudem gibt es nationale Zertifizierungen wie das Österreichische Umweltlabel. Auch ganze Regionen werden zertifiziert wie beispielsweise durch die UN mit dem Preis „World‘s Best Tourism Village“.

Freiwillige Abgabe: Einige Hotels bieten bei der Buchung freiwillige Zusatzabgaben. In Davos nennt sich das Projekt „Myclimate“. Der damit finanzierte Klimafonds Davos investiert das Geld in Umweltprojekte.

Die Reise wurde unterstützt von der Initiative „Best of the Alps“, in der zehn Skiregionen in fünf Ländern gemeinsam an Nachhaltigkeitsprojekten arbeiten.

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