Prunkvolle Überraschung

Seine Ostereier machten den Goldschmied Carl Fabergé weltberühmt - und Dresden war dabei nicht ganz unbeteiligt. Die größte Sammlung kann man in St. Petersburg bewundern.

Es war einmal ein großer Herrscher, der herrschte über das große Russische Reich. Als Zar wollte Alexander III. seinen Liebsten zum Osterfest nicht länger nur bunte Hühnereier oder nach russischer Sitte kunstvoll bemalte Holzimitate schenken. Für seine Gemahlin, eine frühere dänische Prinzessin, ließ er sich etwas Exquisites einfallen: Er beauftragte den talentierten Goldschmied Carl Fabergé, ihm ein ganz besonderes Ei zu zaubern, das in seinem Inneren eine Überraschung bereithalten sollte. Die Anregung dazu hatte er beim Besuch einer Ausstellung in Kopenhagen einige Jahre zuvor bekommen. Und Carl Fabergé erinnerte sich gewiss, dass er als Kind ein ähnliches Ei im Grünen Gewölbe in Dresden gesehen hatte.

Also schenkte Zar Alexander seiner Gattin zu Ostern 1885 das erste Fabergé-Ei. Flüchtig betrachtet sah es aus wie ein ganz normales weißes Hühnerei. Aber wenn man die emaillierte Schale öffnete, kam ein goldenes Dotter zum Vorschein, das wiederum eine goldene Henne mit rubinroten Augen in sich barg. Das erste imperiale Überraschungsei war geboren.

Fortan durfte der talentierte Goldschmied jedes Jahr zu Ostern immer neue, noch nie dagewesene Prunkeier an den Zaren liefern, mit dem Alexander III. und später sein Sohn, der nächste Zar Nikolaus II., dessen Gemahlin oder die Zarenmutter beglückte. Fabergé sprühte nur so vor Ideen, kreierte immer neue und immer prunkvollere Eier, vergrößerte seine Werkstatt, stellte neue Goldschmiede ein, wurde reich und weltberühmt, weil auch andere Herrscher und wohlhabende Personen bei ihm Eier bestellten. Sie waren jedes Mal entzückt von den kunstvollen Juwelierarbeiten und den teils raffinierten feinmechanischen Spielereien, die oft eine verborgene Überraschung zutage förderten.

Julia erzählt diese Geschichten immer wieder gern und könnte zu jedem einzelnen Ei abendfüllende Vorträge halten. Als Kunsthistorikerin weiß sie natürlich alles über die Eier und über deren Schicksal. Zum Beispiel über das ursprünglich teuerste aller Fabergé-Eier, das Winter-Ei, für das Zar Nikolaus 1913 immerhin 24.700 Rubel bezahlt hat, und das inzwischen für zehn Millionen US-Dollar in der Schatzkammer des Emirs von Katar verschwunden ist. Oder die zwei Eier mit filigranen Schiffsmodellen. Oder über die Unterbrechungen während des Russisch-Japanischen Krieges 1904/05 und die eingeschränkten Arbeitsbedingungen während des Ersten Weltkrieges, als sogar die Ostereier militärische Züge bekamen. Oder über die sechs verschollenen Zaren-Eier, die wahrscheinlich in privaten Sammlungen gelandet sind.

Julia bedauert, dass die 54 imperialen Fabergé-Eier in aller Welt verstreut sind. Nach der Oktoberrevolution hatte Lenin mit dem Verkauf der dekadenten Luxusartikel wohl die Staatskasse auffüllen müssen. Zwölf von ihnen sind jedoch inzwischen an ihren Geburtsort zurückgekehrt und können in St. Petersburg besichtigt werden: eines in der Eremitage und elf im Fabergé-Museum am Fontanka-Kanal.

"Zu verdanken haben wir das alles dem russischen Geschäftsmann und Kunstsammler Wiktor Wekselberg", sagt Julia, die die Besucher durch das Petersburger Fabergé-Museum führt, das 2013 in den kunstvoll renovierten ehemaligen Schuwalow-Palast eingezogen ist. Der Oligarch hatte die Schmuckstücke aus Privatsammlungen in aller Welt zusammengekauft.

Julia freut sich besonders über Gäste aus Dresden. Ihnen erzählt sie dann, dass es die Fabergé-Eier ohne Dresden wahrscheinlich nicht gegeben hätte. Denn der spätere Hofgoldschmied hatte einen Teil seiner Kindheit in der Residenzstadt verbracht, sein Vater ist hier gestorben. Mit ihm hat der kleine Carl sich also gewiss oft im Grünen Gewölbe die Nase an den Vitrinen platt gedrückt, bevor er 1870 nach St. Petersburg zurückkehrte und beschloss, Goldschmied zu werden.

Wem der Weg nach St. Petersburg zu weit ist, der findet das andere Fabergé-Museum in Baden-Baden, wo unter anderem zwei der imperialen Überraschungseier zu sehen sind. Auch das ist einem russischen Oligarchen zu verdanken. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nur mit Visum

Anreise: Flüge von Dresden über Amsterdam (KLM) oder über Moskau (Aeroflot) ab 150 Euro pro Flugrichtung. Oder Direktflug von Berlin-Schönefeld mit Rossija ab 350 Euro hin und zurück.

Einreise: Bei geführten Touren ist kein Visum nötig. Für Individualbesucher bieten diverse Webseiten die Visumbesorgung an (ab 85 Euro), das dauert etwa 14 Tage.

Eintritt: Online-Ticket ab 450 Rubel (ca. 6,20 Euro), ermäßigt 200 Rubel (2,80 €).

www.visitrussia.com

fabergemuseum.ru

 

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