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Reiseziel Ägypten im Winter: Zwischen künstlicher Ferienwelt und Tauchsafari durchs Korallenriff

Sharm el Sheikh ist vor allem durch politische Gipfeltreffen bekannt. Zuletzt war Donald Trump dort. Touristisch ist die Region in Ägypten bislang eher ein Ziel für Briten, Holländer und Osteuropäer. Mit einer neuen Flugverbindung ab Deutschland will die Tui das ändern.

Sharm el Sheik.

Feuerwehren auf der Rollbahn. Der erste offizielle Tui-Flieger aus Deutschland nach vielen Jahren wird auf dem Flughafen von Sharm el Sheikh mit einer Wasserdusche empfangen. Tui-Chef Benjamin Jacobi hatte es sich nicht nehmen lassen, an diesem 13. November persönlich mitzufliegen. Ein Zeichen, wie wichtig dem Unternehmen die neue Verbindung nach Ägypten ist.

Sharm el Sheikh, früher ein kleines Fischerdorf, hat sich in den 1980er-Jahren in Rekordzeit zu einer Touristenhochburg gemausert und trägt heute den Beinamen „Stadt des Friedens“. Neben dem Tourismus floriert das Konferenzgeschäft. 2022 fand die Weltklima-Konferenz in Sharm el Sheikh statt, erst im Oktober war US-Präsident Donald Trump zu Gast, um über die Zukunft von Gaza zu verhandeln. Das liegt an der Infrastruktur mit Hunderten Hotels. Ein Palast ist prunkvoller als der nächste. Bei der Fahrt auf den breiten Straßen hat man das Gefühl, dass die Anlagen mit ihren pompösen Eingängen um die Wette funkeln.

Wassergymnastik im „Magic Life“.
Wassergymnastik im „Magic Life“. Bild: Christian Mathea

Warum entscheidet sich der deutsche Touristik-Konzern für diese Destination auf der Sinai-Halbinsel am Roten Meer? Ägypten werde als Winterziel mit Sonnengarantie immer beliebter, sagt Benjamin Jacobi. Und Sharm el Sheikh biete dafür eine gute Hotellerie und ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis.

Kurz vor dem Deutschland-Start hat Tui eine Klubanlage übernommen, saniert und unter der Eigenmarke „Magic Life“ wiedereröffnet – ähnlich wie „Robinson“ ein All-inclusive-Konzept, typisch für viele Hotels am Roten Meer. Es gibt über 500 Zimmer, vier Restaurants, acht Bars, fünf Pools und 1400 Palmen, die ihre grünen Blätter wie Frisuren im Wind schütteln.

Das „Magic Life“ ist wie ein Ferienlager für Erwachsene. Irgendwo ist immer was los. Wer sich bewegen will, steigt zum Aerobic-Kurs in den Pool, wer Ruhe mag, geht in den Spa. Und wer Ruhe vor den Kindern möchte, gibt sie bei der Kinderbetreuung ab. Essen gehen ist wie Shoppen, der Teller wird einfach an unzähligen Stationen vollgepackt. Abends findet man sich zum Kulturprogramm an der Hauptbühne zusammen.

Dabei scheint es schon etwas skurril, dass direkt neben dieser künstlichen Ferienwelt ein einzigartiges Naturwunder beheimatet ist: Korallenriffe, zu denen man direkt vom Hotelzimmer aus über einen langen Holzsteg nur hinspazieren braucht. Schwimmbrille auf, Treppe runter – und schon befindet man sich mitten in der bunten Unterwasserwelt voller Fische und Korallen. Nahezu jedes Hotel hat so ein „Hausriff“, nur bei Wind und hohem Wellengang sind diese gesperrt.

Wer tiefer in das Rote Meer eintauchen will, der kann einen Bootsausflug in den Ras Mohammed Nationalpark buchen. Die Riffe hier an der Südspitze der Sinai-Halbinsel sollen zu den schönsten weltweit zählen, sagt Tauchlehrer Ahmed Haredy. Auf seinen Bootstouren legt der 26-Jährige mehrere Stopps ein, wo seine Gäste an der Wasseroberfläche staunend entlangschnorcheln.

Scheinbar haben die Touristen der Artenvielfalt noch nicht zugesetzt. Während es an der Ostsee ein Wunder ist, wenn sich überhaupt mal ein Fisch in Strandnähe blicken lässt, gucken einen die Fische im Roten Meer mit ihren runden Augen direkt in die Taucherbrille. Papageienfische, Doktorfische, Mantelrochen und Seeschildkröten. Selbst der Clownfisch „Nemo“ hat sich hierher verirrt.

Zurück in die künstliche Ferienwelt von Sharm el Sheikh, wo 140 Hotels für Urlauber aus Deutschland buchbar sind. Mohamed Eryan ist Manager im Tui-Blue-Hotel „Coral See“. Wenn seine Gäste mögen, können sie direkt aus dem Bett in einen Swim-up Pool fallen, für den Strandtag stehen Himmelbetten mit TV-Bildschirmen am Strand. Das Fünf-Sterne-Haus hat natürlich ebenfalls ein Hausriff.

Bisher waren es vor allem Engländer, Süd- und Osteuropäer, die das Hotel besuchten – alle mit unterschiedlichen Vorlieben. Engländer lieben Partys und liegen gern am Pool mit einer Bar in der Nähe. Das Meer sei weniger wichtig, so Eryan. Ganz anders die Italiener, sie lieben den Strand, gehen weniger an den Pool. Und Arabern lieben vor allem das Essen.

Schön leise: Kopfhörer-Disco am Abend.
Schön leise: Kopfhörer-Disco am Abend. Bild: Christian Mathea

Und die Deutschen, die in Zukunft auch in seinem Hotel Ruhe finden sollen? Er wisse, dass Deutsche ein gutes Frühstück mögen. „Sie lieben das Meer, aber auch eine ruhige Ecke am Pool, um ihr Buch zu lesen“, sagt der Hotelmanager. Eine weitere Besonderheit: „Sie sind sehr kulturinteressiert.“

Um dieses Bedürfnis zu stillen, zog es Deutsche in Ägypten bisher vor allem auf Kreuzfahrtschiffe auf den Nil, nach Kairo zu den Pyramiden oder nach Luxor in das Tal der Könige. Am Roten Meer sind Bundesbürger bisher vor allem in Hurghada und Marsa Alam zu finden.

Wie kann Sharm el Sheikh den kulturreisenden Deutschen überzeugen? Es gibt eine quirlige Altstadt mit vielen Geschäften, die einerseits ägyptische Handwerkskunst, andererseits täuschend echte Fälschungen von Gucci-Taschen und Rolex-Uhren anbieten. Neben der Al Sahaba Moschee mit ihren pittoresken Türmen gibt es mit der Himmels-Kathedrale eine sehenswerte koptische Kirche mit unzähligen Ikonen, die erst im Jahr 2010 eröffnet wurde. Wer tiefer in das alte Ägypten eintauchen will, der muss in den Hotels Tagesausflüge mit dem Flugzeug zu den Pyramiden nach Kairo oder nach Luxor buchen.

Dennoch gibt es auch traditionelle Kultur in der Region Sharm el Sheikh. Während Beduinen in vielen Regionen Ägyptens mittlerweile in den Städten leben, pflegen sie in der Sinai-Wüste noch ihre alten Traditionen.

Die Sinai-Wüste liegt hinter einer 36 Kilometer langen Mauer. Sie wurde 2021 um die Stadt gebaut, um den Tourismus vor dem Terrorismus zu schützen. Denn nicht immer war Sharm el Sheikh die „Stadt des Friedens“. So holten Islamisten vor über zehn Jahren eine russische Passagiermaschine vom Himmel. Heute heißt es auf der Seite des Auswärtigen Amtes, dass die Sicherheitslage zwar stabil sei, allerdings wird von unbegleiteten Fahrten in die Sinai abgeraten.

Wüsten-Safari in karger Berglandschaft.
Wüsten-Safari in karger Berglandschaft. Bild: Gerd Krauskopf

Wer dennoch in die weite Wüstenwelt eintauchen will, kann beispielsweise geführte Bustouren zum 2285 Meter hohen Berg Sinia buchen, an dem Moses von Gott die zehn Gebote erhalten haben soll. Davor steht das Katharinenkloster, das älteste bewohnte christliche Kloster der Welt.

Oder man geht einfach auf Jeep- oder Quad-Safari. Nach einer Einweisung an den Quads bekommt man als Staubschutz ein Tuch um den Kopf gewickelt und einen Helm aufgesetzt. Danach arbeitet man sich mit den dicken Reifen durch den Wüstensand vor. Das hat durchaus Erlebnisfaktor. Mit der Wüstensonne und der kargen Bergwelt am Horizont und den staubaufwirbelnden Karren direkt vor den Augen fühlt sich das Ganze an, als würde man mitten durch eine Szene im Science-Fiction-Film „Mad Max“ fahren.

Das Geknatter der Maschinen scheint die Beduinen und deren Kamele nicht weiter zu stören. Stoisch beobachten die erhabenen Tiere das Treiben in der Wüstenlandschaft. Die Stämme hier leben von Viehzucht, viele Beduinen wie Ahmed vom Mesina-Stamm auch vom Tourismus. Für seine Gäste veranstaltet er traditionelle Zarb-Barbecues. Dafür hat er ein Loch in den Wüstensand gegraben und mit heißen Steinen ausgekleidet. Unter dem Sand wird in Töpfen Ziegen- und Lammfleisch mit Gemüse gedämpft. Vier bis fünf Stunden lang, sagt Ahmed. Schmeckt zwar etwas zäher als das Fleisch aus der All-inclusive-Küche im Hotel, ist aber unter dem klaren Sternenhimmel der Wüste ein besonderes Erlebnis.

Kamele bleiben immer gelassen.
Kamele bleiben immer gelassen. Bild: Christian Mathea

Tagestouren ins alte Ägypten

Flug: Tuifly fliegt direkt von Frankfurt zweimal wöchentlich nach Sharm el Sheik. Ab Februar folgen zusätzliche Flüge von Düsseldorf. Von Berlin fliegt Easyjet.

Kosten: Eine Woche im Tui „Magic Life Redsina“ Sharm el-Sheikh kostet mit Tuifly-Flug ab Frankfurt, Transfer und All Inclusive ab 849 Euro pro Person im Doppelzimmer. Weitere 140 Hotels stehen in der Region für deutsche Urlauber zur Verfügung.

Tagestouren: Kairo mit Pyramiden via Flug ab Sharm el Sheikh für 299 Euro, Luxor mit Flug 330 Euro, Bootsfahrt zum Ras Mohammed Nationalpark 64 Euro, Quad- oder Buggy-Safari 37 Euro, Jeep-Safari mit Abendessen 55 Euro.

Geld: 1 Ägyptisches Pfund entspricht 0,018 Euro. In Geschäften auf dem Old Market in der Altstadt wird meist Euro akzeptiert. Handeln nicht vergessen. Insider sagen, dass gekonnte Händler den Preis durchaus um die Hälfte drücken können.

Visa: Für Touristen am sichersten ist vorab ein E-Visum im Internet für 23 Euro zu beantragen, ansonsten gibt es Visa auch bei Ankunft am Flughafen (Visa on Arrival).

Wetter: In Sharm el Sheikh regnet es so gut wie nie. Im Winter liegen die Temperaturen zwischen 20 bis 25 Grad, das Meer ist noch angenehm warm. Im Sommer können die Außentemperaturen bis zu 40 Grad heiß werden. Für Freunde von Surfen und Kiten weht oft ein starker Wind.

Die Reise wurde unterstützt von Tui Deutschland.

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