Tirol im Herbst - Goldige Aussichten

Besonders schön ist Tirol im Herbst, wenn das Laub der Wälder gelb, orange und rot leuchtet. Neben den Blättern funkeln hier bald auch WM-Medaillen.

Angst vor nassen Füßen hat Heinz Zak nicht. Zentimeter um Zentimeter pirscht er sich an die kalte, tosende Isar heran - auf der Suche nach dem perfekten Bild. Vorn das rauschende Flusswasser, im Hintergrund die schroffen, grauen Gipfel des Karwendels, deren Spitzen weiß bepudert sind. An diesem sonnigen Herbsttag führt Zak eine Besuchergruppe durchs Hinterautal unweit seines Wohnorts Scharnitz. Eine Weisheit teilt er der Gruppe bei seinem Fotoworkshop gleich zu Beginn mit: "Immer noch einen Schritt weitergehen!" Auch wenn die Füße vielleicht nass werden.

Dabei steht Zaks Name vor allem für Extremklettern. Nicht nur in seiner Tiroler Heimat stürmt der 59-Jährige die Gipfel. Mit oft waghalsigen Klettertouren, etwa in den italienischen Dolomiten oder im südamerikanischen Patagonien, hat er sich weltweit einen Namen gemacht. Vergangenes Jahr balancierte Zak über eine fünfzig Meter lange Slackline auf der Festung Königstein. Mit Rundum-Blick auf die Gipfel der Sächsischen Schweiz - und 240 Metern nichts als Luft unter seinen Füßen.

Zaks Extremtouren führen ihn auch bei Gewitter oder strengem Frost auf die Gipfel: zu einzigartigen Stimmungen, die er per Kamera festhält. "Fotografie ist meine zweite Leidenschaft", sagt er. Eine, die sich perfekt mit dem Klettern verbinden lässt und die Zak in Workshops mit anderen teilt. Dabei schleppt er einen kiloschweren Rucksack mit mehreren Kameras und Objektiven durch seine Tiroler Heimat, gibt Tipps bei der Motivsuche und verrät, wie man jenseits des Automatikmodus mehr aus seinen Geräten herausholt. Das kommt an: Seine nächsten Fotoworkshops sind allesamt ausgebucht.

Doch die vielen Urlauber, die in die Region rund ums beschauliche Seefeld reisen, sind nicht nur auf der Suche nach dem perfekten Motiv. Sie wollen vor allem aktiv sein: beim Wandern, Mountainbiken, Wintersport. "Bei uns ist praktisch das ganze Jahr Saison", sagt Lisa Krenkel vom Tourismusverband Olympiaregion Seefeld. Während Wanderer zu jeder Jahreszeit die Plateaus und Gipfel erlaufen, kommen von Frühjahr bis Herbst auch Radfahrer in die Region. Ausgewiesene Routen, E-Bike-Verleihe und immer mehr Aufladestationen machen das Radeln auch für ältere Urlauber attraktiv.

Allein im Naturschutzgebiet Wildmoos oder im Alpenpark Karwendel finden Wanderer über 600Kilometer markierte Wege vor, zählt Lisa Krenkel auf. Radfahrer können ebenso aus Dutzenden Touren wählen. Rund 60 bewirtete Almen und Hütten sorgen dafür, dass niemand hungern muss.

Vor allem dank großer Sportereignisse hat sich Seefeld einen Namen gemacht. Regelmäßig reisen die Nordischen Kombinierer zu ihrem Weltcup an, springen von der Schanze und spurten im Anschluss über die Loipen. 1964 und 1976 wurden in Seefeld sogar Olympia-Medaillen vergeben, als Innsbruck die Winterspiele austrug. Das erhoffte Triple bleibt aber vorerst aus: Bei einer Volksabstimmung im Oktober 2017 votierte eine knappe Mehrheit der Tiroler gegen eine Olympia-Bewerbung Innsbrucks für die Spiele 2026. Lisa Krenkel bedauert das, denn auch in Seefeld hätten wieder Sportler um die Medaillen gekämpft. "Das waren leider keine guten Nachrichten", sagt sie zum Ergebnis. Immerhin sprach sich in Seefeld eine Mehrheit von über 65Prozent für die Winterspiele aus.

Trotz des Neins zu Olympia wird die Sportwelt 2019 auf Seefeld blicken. Dann trägt der Ort im Februar und März die Nordische Ski-WM im Langlauf, Skispringen und in der Nordischen Kombination aus. Die Veranstalter erwarten neben 700Athleten aus 60 Nationen auch Zehntausende Zuschauer vor Ort - und Millionen an den Bildschirmen. Nachhaltigkeit steht dabei ganz oben, betont Krenkel. "Es soll eine WM der kurzen Wege werden."

Bis auf die Skisprung-Wettbewerbe von der Großschanze, die in Innsbruck stattfinden, ist Seefeld alleiniger Schauplatz der Weltmeisterschaft. Schon heute künden Banner und Werbeschilder überall im Ort von dem Großereignis. Seefeld will sich von seiner besten Seite zeigen - und hübsch machen: Von den Investitionen, etwa in das Loipennetz, die Fußgängerzone oder den Bahnhof, haben nicht zuletzt auch die Anwohner etwas.

Allein in die Sanierung des Bahnhofs werden derzeit 23 Millionen Euro investiert. Noch ist das Tor zur Olympiaregion, wie der Bahnhof von örtlichen Touristikern genannt wird, eine Großbaustelle. Doch die Arbeiten befinden sich in der finalen Phase, vor allem an der neuen Fußgängerzone wird gebaut. Ende Oktober soll die Sanierung fertig sein und ab Dezember ein ICE bis Norddeutschland durchfahren.

Wer dem sportlichen Trubel entgehen will, kann abseits des Ortes trotz der WM Ruhe finden - zum Beispiel bei einer Wanderung zum Isarursprung im Hinterautal. Dorthin hat sich inzwischen auch Heinz Zak mit seinen Workshop-Teilnehmern begeben. Ihnen zeigt er nun, wie sie die Quelle des Flusses am besten mit der Kamera festhalten. Schuhe und Socken hat Zak ausgezogen, nun stapft er durch das kalte Wasser. Nasse Füße - auch das ist manchmal der Preis für ein gelungenes Foto.

"Ein gutes Auge kann man lernen"

Wenn Extremsportler Heinz Zak in die Berge zieht, hat er neben Klettersachen auch die Kamera dabei. Er lehrt in Kursen den Blick für gute Motive.

Herr Zak, in Zeiten von sozialen Netzwerken wie Instagram nimmt die Flut an Fotos zu. kann ich mit meinem Smartphone ein gutes Foto machen?

Für ein gutes Foto braucht man ein gutes Motiv - und ein gutes Auge. Um wirklich alle Möglichkeiten abzudecken und meine Kreativität auszuleben, benötige ich aber das richtige Objektiv und eine gute Kamera. Zumindest, wenn ich ein Foto will, das ich nicht nur auf dem Display des Smartphones anschaue und schnell per WhatsApp verschicke. Ich will Bilder für die Ewigkeit. Und dafür muss man auch mal an die Schmerzgrenze.

Dann dürften Sie immer Rückenschmerzen haben - bei dem ganzen Gepäck, das Sie stets dabeihaben.

Ich decke alle Brennweiten ab - vom Weitwinkel bis zum Teleobjektiv. In der Regel sind das vier Objektive. Dazu kommen noch mehrere Stative und meine Kletterausrüstung: Seile, Steigeisen und so weiter. Da schleppt man schon 20 bis 30 Kilo herum.

Ist das "gute Auge" etwas, was man hat oder nicht? Oder kann man das lernen?

Ein "gutes Auge" kann man weitgehend erlernen. Ich erlebe es bei meinen Fotokursen, dass die Leute zuerst eher unachtsam durch die Gegend laufen. Sie sehen die Landschaft vor sich, aber sie sehen nicht das Bild. Dafür muss man sich auch mal hinlegen, mal näher herangehen. Man kann es üben, am besten gemeinsam.

Muss man das auch bei Kameraeinstellungen? Oder kann man sich auf die Kamera-Modi verlassen? Zum Beispiel für Landschaften, Portraits, Nachtaufnahmen.

Die heutigen Kameras können schon viel selbst.Früher war die Belichtung eines der größten Themen bei der Fotografie. Das wird einem heute weitestgehend abgenommen - zumal man das Bild direkt danach auf dem Display sieht und zur Not auch gut nachbearbeiten kann. Deshalb ist Fotografieren viel leichter geworden. Für jemanden, der sich nicht damit beschäftigen will, sind diese Modi sicherlich gut. Letztlich wäre es aber schlauer, sich einmal mit Blende, Verschlusszeit und Iso-Werten auseinanderzusetzen. Denn so ein Modus muss nicht immer der Weisheit letzter Schluss sein.

Ist das auch Bestandteil der Fotokurse, die Sie anbieten?

Klar, da geht's um alles: Kamera- und Objektivtypen, Einstellungen, Motivsuche. Die Teilnehmer sollen auch eigene Bilder mitbringen, die wir dann gemeinsam besprechen. Dabei lernt man auch viel. www.heinzzak.com

Von Alm zu Alm

Anreise: Mit dem Auto sind es von Chemnitz über die A93, München und Garmisch-Partenkirchen etwas über 500 Kilometer. Per Flugzeug zum Beispiel von Leipzig-Halle direkt nach Innsbruck - oder über Frankfurt am Main.

Übernachten: Zum Beispiel im Vier-Sterne-Wellness-Hotel Seespitz Zeit. Eine Nacht im Doppelzimmer mit Halbpension ab 100 Euro.

Wandern: Der Adlerweg, Tirols bekannteste Wanderroute, ist in 33Etappen gegliedert - mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden.

Rasten: Zum Beispiel in der Gaistal-alm mit Sonnenterrasse und Akkuwechsel-Station für E-Bikes. Auch zu empfehlen ist die Hämmermoosalm am Ganghofer Weg.

Dinieren: Im historischen Almrestaurant Kracherlemoos werden Wirtshausschmankerl und internationale Gerichte serviert.

Bei Regen: In Leutasch zeigt ein Museum das Leben des Schriftstellers Ludwig Ganghofer. Geöffnet: Dienstag und Mittwoch 10-12 Uhr, Donnerstag und Freitag 16-18 Uhr.

Die Recherche wurde unterstützt von der Olympiaregion Seefeld. www.seefeld.com

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