Tritt ein in die Felsenkirche in Äthiopien

Viele Besucher kommen vor allem wegen der berühmten Felskirchen von Lalibela nach Äthiopien. Das Land im Osten Afrikas hat aber auch wilde Seiten.

Aus einiger Entfernung sieht man zunächst nur das Dach - ein riesiges, steinernes Kreuz, das sich vom rötlichen Fels ringsum abhebt. Doch mit jedem Schritt näher scheint das Gebäude aus dem Boden herauszuwachsen. Und schließlich schaut der Besucher auf die Fassade der Georgskirche. Davor geht es zehn Meter senkrecht in die Tiefe. Es gibt weder eine Absperrung noch Warnschilder. Die Georgskirche ist das berühmteste Gotteshaus in Lalibela. Zum Eingang gelangt man über einen schmalen Weg, der allmählich immer weiter abwärts führt. Vor dem Kirchenportal heißt es: Schuhe ausziehen! Eine überraschende Parallele zum Islam, der das Betreten einer Moschee nur barfuß oder mit Strümpfen erlaubt. Die steinernen Stufen am Portal sind nicht nur ungleichmäßig hoch, sondern auch glatt - ausgetreten in hunderten Jahren von ungezählten Pilgern und Touristen. Strohmatten und einfache Teppiche bedecken den Steinboden im Inneren. An den Decken hängen Lampen und Leuchtstoffröhren, die mattes Licht auf die Wände werfen. Doch das genügt, um uralte Fresken zu erkennen.

Die Georgskirche besitzt den Status eines Weltwunders. Wie die anderen zehn Felsenkirchen von Lalibela ist auch sie ein Monolith - vor mehr als 800 Jahren herausgeschlagen aus dem Fels. Angeblich dauerte es nur 26 Jahre, um die Gotteshäuser zu schaffen. Glaubt man der Legende, hat König Lalibela das Wunder allein vollbracht - allerdings mit himmlischem Beistand. Engel sollen ihm geholfen haben. Moderne Berechnungen haben hingegen ergeben, dass für den Bau bis zu 40.000 Arbeiter nötig waren.

Der Monarch machte Lalibela zum wichtigsten Wallfahrtsort des äthiopischen Christentums, das seit der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts Staatsreligion ist - ähnlich lange wie in Armenien und Georgien.

Nachdenken lässt sich darüber bei einer belebenden Tasse Kaffee. Die Äthiopier machen das zu einer Zeremonie, die keine Eile verträgt. Die Zubereitung beginnt mit dem Rösten der Bohnen in einem Pfännchen über offenem Feuer. Beim Mahlen mit einem Stößel entsteht ein grobes Pulver, das in einer Tonkanne, der Jabana, mehrmals aufgekocht wird. Milch gehört aber nicht hinein, sondern nur Zucker. Fertig ist die Spezialität Äthiopiens.

Während man den Kaffee in aller Ruhe genießt, wächst die Vorfreude aufs nächste Abenteuer. Es sind nicht nur die Zeugen der alten christlichen Kultur, die Äthiopien zu einem außergewöhnlichen Reiseziel machen. Was viele in das Land am Horn von Afrika zieht, ist die Natur. Äthiopien vereint Savannen und Flusslandschaften, Hochgebirge und eine reiche Tierwelt.

Für Wanderer bietet das äthiopische Hochland reizvolle Touren - wie in den Semien-Bergen. Wege schlängeln sich entlang der Felskante. Von dort gibt es atemberaubende Ausblicke in tiefe Schluchten und auf mächtige Felsmassive, die sich auf Höhen von mehr als 3500 Metern erheben. Die eigenen Wanderstöcke vergessen? Kein Problem! Junge Männer bieten solide, aus Pinienholz zurechtgeschnittene Gehhilfen an - pro Stück für 20 Birr (etwa 60 Cent). Eine Geschäftsidee, die wenig Aufwand erfordert. Denn die Wanderer lassen ihre Stöcke am Wegesrand zurück, wenn sie das Gebiet wieder verlassen. Danach werden sie erneut verkauft.

Ratsam ist es, auf die Dienste eines ortskundigen Guides zu vertrauen. Bantihun Wondimun ist einer von ihnen. Er ist in der Gegend geboren. Er kennt die Plätze, an denen sich Blutbrustpaviane am liebsten tummeln. Diese Art gibt es nur hier. Um sie zu entdecken, braucht Bantihun kein Fernglas, sondern allein den geübten Blick. Bei Tieren wie dem Abessinischen Wolf oder dem Äthiopischen Steinbock hilft allerdings nicht mal der. Um eines der seltenen Exemplare zu sehen, braucht man einfach vor allem jede Menge Glück - oder himmlischen Beistand.

Sieben Stunden Flug

Anreise: Lufthansa und Ethiopian Airlines bieten Direktflüge von Frankfurt/Main nach Addis Abeba an. Der Flug dauert etwa sieben Stunden.

Einreise: Deutsche Staatsbürger brauchen ein Visum, das bei der Einreise am Flughafen ausgestellt wird. Um längere Wartezeiten zu vermeiden, ist es ratsam, sich vorab ein e-Visum zu besorgen (zurzeit 52 US-Dollar): www.evisa.gov.et

Klima: Die beste Reisezeit liegt in den Monaten Oktober bis Mai. Die Hauptregenzeit beginnt im Juni und endet im September. Große Teile des Landes liegen auf einer Höhe zwischen 1500 und 2000 Metern.

Geld: Die Landeswährung heißt Birr. Für einen Euro gibt es ca. 32 Birr.

Angebote: Äthiopien-Rundreisen gibt es in Programmen aller großen Veranstalter - eine 12-Tages-Tour zum Beispiel bei Marco Polo ab 1899Eu- ro.www.tourimsusethiopia.org

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