Versuch's mal mit Gelassenheit

Im griechischen Messenien ticken die Uhren langsamer, und auch sonst ist hier vieles anders als auf den Inseln der Ägäis. Genug Gründe also für eine Stippvisite.

Ein Bummel durch Areopoli ist wie ein Ausflug in eine andere Zeit. Menschenleere Gassen, verschlossene Kirchen. Aus dem Fenster einer Musikschule erklingen die Töne einer Bouzouki, die Bäckerei verbreitet den verführerischen Duft frischen Brotes. Vor einer Kneipe sitzt die Dorfjugend und gibt sich dem Müßiggang hin.

Zeit für eine Kaffeepause. Ohne Kaffee geht in Griechenland wenig. Ob Mokka, Frappé, Café freddo oder Filterkaffee - der Grieche liebt ihn in allen Variationen. Und er genießt ihn allerorten. Zum Beispiel im kafépandopolíon, einer Gemischtwarenhandlung mit Kaffeeausschank. Rasch merkt man: Es gibt keinen besseren Platz, um das Leben im dörflichen Rhythmus zu beobachten. Man kann auch endlos sitzenbleiben, denn kein Kellner zuckt auch nur mit dem Mundwinkel, wenn man seinen Café Frappé wieder und wieder mit Wasser verdünnt und somit den halben Vor- oder Nachmittag bei einem einzigen Glas verbringt.

Ganz anders die Provinzhauptstadt Kalamata. Die zweitgrößte Stadt des Peloponnes ist quirlig, geschäftig, einfach hip. Die Straßen sind eine einzige Abfolge von Restaurants, Eisdielen, Kneipen, Boutiquen, Läden jeder Art. Bei Tageslicht liegt die Schönheit von Kalamata im Auge des Betrachters - das Erdbeben vom 13. September 1986 hat enorme Schäden verursacht. Die Altstadt ist nur noch rudimentär vorhanden. Nachts aber, wenn die Lichter funkeln, dann ist Kalamata durchaus noch immer einiger Charme zu bescheinigen. Angenehme Temperaturen tun ein Übriges, ist die Stadt doch eine der südlichsten Städte Europas. Hier ist es oft noch warm, wenn in Deutschland schon ein Pullover hervorgekramt wird.

Messenien, das noch immer so heißt wie in der Antike, ist gänzlich anders als jene Inseln in der Ägäis, die jedes Jahr im Winter frisch gereinigt und neu gestrichen werden für die Touristen. Hier ist die vorherrschende Farbe fast aller Bauten ein helles Braun, dem des sächsischen Sandsteins nicht unähnlich, nur dass diese Steine deutlich härter sind. Auch die neuen Häuser und nicht zuletzt all die neuen Ferienressorts werden in der Regel aus diesen Steinen erbaut.

Es sind allerdings heute meist Albaner, die die Steine hauen. "Die machen das für weniger Geld als Griechen, aber keinen Deut schlechter", sagt Stavroula Rounta. Sie arbeitet in der neuen Hotelanlage En Plo. Von April bis Oktober hat sie einen Zwölf-Stunden-Tag: "Langweilig wird einem da nicht." Das größte Problem ähnelt dem vieler Touristenzentren: gutes Personal zu finden. "Viele junge Leute arbeiten lieber auf den Inseln in der Ägäis, da sind die Löhne höher - und es ist auch mehr Party angesagt", berichtet Rounta.

So zieht es eher ältere Leute, aber auch Familien und frisch Verliebte nach Messenien - nicht zuletzt wegen der zauberhaften Landschaft. Hier das Blau des Meeres, dort das Schwarz und Grün der Oliven. Messenien ist voll mit Olivenhainen. Prall und schwer hängen sie an den Ästen, grün, violett und schwarz, klein, groß, rund, oval, hart und weich. Und natürlich wird in jeder Ecke der Region behauptet, dass hier die besten aller Oliven wachsen.

Der englische Schriftsteller Bruce Chatwin war von dem Anblick so angetan, dass er sich Anfang der 70er-Jahre ein baufälliges Haus in einem Bergdorf auf dem südlichen Peloponnes kaufte. Er schwärmte von der "berauschenden Aussicht auf mattgrüne Olivenhaine, auf die metallisch glänzende Fläche des Ionischen Meers und die weit geschwungene Küstenlandschaft Messeniens." Chatwin starb 1989 - und wurde wie gewünscht in Messenien begraben.

Anreise: Entfernung Dresden-Kalamata - reine Luftlinie 1693 Kilometer, Aegean Airlines fliegt in Kooperation mit Lufthansa (ab Dresden nur mit Zwischenstopp).www.aegeanair.com

Einreise: Der Personalausweis ist ausreichend.

Ausflugstipp: Die Ruinen von Messene bei der Ortschaft Mavromati, knapp 30 Kilometer von Kalamata entfernt. Gegründet wurde der Ort von den Messeniern nach dem Sieg über Sparta 369 v. Chr. Attraktionen sind ein großes Stadion, Reste des Theaters und die Agora.

Essen: Wer auf einen Schlag möglichst viele landestypische Gerichte probieren will, bestellt eine Vorspeisenauswahl (Mezedes).

Die Reise unterstützte Discover Greece. www.discovergreece.com

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