Wo Afrika ein Mann ist

Wer sagt denn, dass es im Garten immer blühen muss: Im Taubertal in Baden-Württemberg gibt es zwei Anlagen, die auch ohne Blumenschmuck eine Augenweide sind.

Die Dame trägt ein langes geschlitztes Kleid. Ihre Füße sind nackt, ein Unterschenkel ebenso. "Das ging gerade noch durch", sagt Annemarie Heußlein. Die Statue, von der hier die Rede ist, symbolisiert den Kontinent Asien. Bei Afrika war die Sache heikler, erzählt die Gästeführerin. Nach alter Regel hätte der wilde Kontinent sehr viel freizügiger präsentiert werden müssen. "Aber eine barbusige Frau in einem Männerkloster? Das ging nicht!" Also wurde das Weib durch eine männliche Figur ersetzt.

Es sind nicht zuletzt die Skulpturen des Abteigartens, die den besonderen Reiz der Klosteranlage von Bronnbach ausmachen. Das ehemalige Zisterzienserkloster liegt ziemlich versteckt im unteren Taubertal und auch sonst weit ab vom Schuss. Das war so gewollt. Abgelegene Täler mit Wiesen und kleinen Bächen, die man zu Fischweihern aufstauen konnte, waren nach der introvertierten Lebensweise des Ordens ideale Plätze für Klostergründungen. Nichts lenkte ab von Arbeit und Gebet. Unter allen ehemaligen und noch existierenden Zisterzienserklöstern in Deutschland ist dieses aus dem 12. Jahrhundert mit Sicherheit eines der sehenswertesten.

Drei aparte Gärten sind erhalten geblieben. Vor der um 1775 errichteten Orangerie mit einer der größten Außenfresken nördlich der Alpen liegt der farbenfrohe Kräutergarten. Im Süden der Klosteranlage schließt der Saalgarten an. Der Abteigarten steht direkt vor dem Prälatenbau, die beste Sicht auf ihn hat man vom ersten Stockwerk (wo sich der Wohntrakt des Abtes befand) und aus der zweiten Etage (wo hochrangige Gäste des Klosters untergebracht wurden).

Größter Schatz sind freilich die Skulpturen: All die Verkörperungen von Kontinenten, Jahreszeiten und Tugenden, die zudem die Existenz eines gartenkünstlerischen Gesamtkonzepts unter Beweis stellen. Nicht alle Figuren haben die Zeiten überdauert, aber bei denen, die heute zu bestaunen sind, handelt es sich noch immer um Originale. "Die Figuren waren einst weiß geschlämmt, um den Eindruck von Marmor zu erwecken", erklärt Frau Heußlein.

Ziemlich ähnlich und doch ganz anders präsentiert sich der Garten von Schloss Weikersheim, eine reichliche Autostunde von Bronnbach entfernt. Aus einer Wasserburg entwickelte sich hier eine der schönsten Residenzen. Sie gilt als "Perle der hohenlohischen Schlösser". Drinnen ist ein Elefant zu bewundern. Den vergisst keiner, der ihn einmal gesehen hat. Eindrucksvoll streckt er seinen Rüssel in den 44 Meter langen und neun Meter hohen Rittersaal.

Der Schlossgarten wurde erst in den 1990er-Jahren vom englischen in den ursprünglichen barocken Zustand zurückversetzt. Außergewöhnlich ist der Reichtum an Sandsteinfiguren, die vollständig erhalten sind. Nur der Farbe hat der Zahn der Zeit den Garaus gemacht. Die Skulpturen waren ursprünglich in Weiß und Blau gefasst, wie es Versailles vorgegeben hatte, sagt Michaela Dietz. Sie führt als Witwe Pich durch Schloss und Park und verkörpert dabei jene Frau, die einst mit dem Hofgärtner des Weikersheimer Grafen verheiratet war.

Gestalten der antiken Mythologie bevölkern an allen wichtigen Punkten den Schlossgarten. Im Zentrum der Anlage steht Herkules, das ideale Vorbild eines barocken Herrschers. So wie es August dem Starken gefiel, sich im Zwinger als Herkules Saxonicus darstellen zu lassen, so machte auch der Graf Carl Ludwig von Weikersheim auf Halbgott. Rund um Herkules' Drumherum tummeln sich jene Götter, die zugleich Planeten symbolisieren: Venus, Mars, Jupiter, Merkur, Saturn. Neptun kam erst später dazu - im 18. Jahrhundert war dieser Planet noch nicht entdeckt, bemerkt die Gästeführerin.

Berühmt und eine Seltenheit ist die "Zwergengalerie", eine Gruppe von 16 Gnomen mit übergroßen Köpfen. Sie stellen Angestellte des Hofstaates dar - vom Hofjägermeister über den Kellermeiser (er schwingt den Becher und hält einen veritablen Schinken in der Hand) bis hin zur Hofgärtnerin, deren Knie kokett entblößt ist. Es sei kein Zufall, dass sie direkt am Graben vor dem Schloss platziert wurden, sagt Michaela Dietz. "Ihnen war nämlich der Zutritt zum Garten, wo die Adeligen der Muse und galanten Vergnügungen nachgingen, verwehrt." Heute sind die Zeiten demokratisch, und zum Glück dürfen Hinz und Kunz die Grünanlagen betreten.

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