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Weltraum-Reise: "Star Trek: Voyager - Across the Unknown"

70.000 Lichtjahre und viele Entscheidungen. In diesem Spiel werden Sie zum Captain des Raumschiffs Voyager auf seinem Weg nach Hause und haben alle Fäden in der Hand. Wird Tuvix das überleben?

Berlin.

Man sagt, in Deutschland gäbe es zuweilen 80 Millionen Bundestrainer. Fans der Star Trek-Serie "Raumschiff Voyager" aus den 1990er-Jahren werden zwar nicht ganz so zahlreich sein - unter ihnen dürften aber viele sein, die sich einst oder noch heute sagten: "Das hätte ich aber besser gemacht als Captain Janeway!"

Mit "Star Trek: Voyager - Across the Unknown" haben sie nun ihre Chance. Das in Hamburg entwickelte Survival-Spiel von Gamexite und Publisher Daedalic Entertainment lässt Spielerinnen und Spieler Regie in ihrer ganz eigenen Weltraum-Saga führen.

Der Plot in Kürze: Das Raumschiff Voyager wird von einem mächtigen Wesen ans andere Ende der Galaxie transportiert. Auf der unter normalen Umständen 75 Jahre währenden Rückreise muss die Crew zahlreiche Abenteuer bestehen, wichtige Entscheidungen treffen, Alliierte finden, Feinde bekämpfen und ganz viele neue Welten und Zivilisationen erforschen. Ziel bleibt aber immer die Heimreise. In der Serie fürs Fernsehen erreichte die Voyager nach sieben Jahren und 172 Folgen die Erde. 

Und hier wird es spannend: Während die Serie ja nach Drehbuch lief, hat man im Spiel selbst in der Hand, wie, wann und unter welchen Umständen das Raumschiff heimkehrt. Und wie geht das?

Ganz viel Erzählung, und viel Heldenschmieden

"Across the Unknown" vereint viel textbasierte Erzählung mit Charakterentwicklung und Ressourcenmanagement. Actionsequenzen gibt es auch. Die Handlung orientiert sich grob an den Ereignissen der Serie, viele Folgen tauchen als Haupt- und Seitenmissionen im Spiel auf. Einige wird es später als Downloadable Content (DLC) gegen Geld geben. 

Das Gute: Man muss es nicht so machen wie im Fernsehen. Spielerinnen und Spieler können zwischen mehreren Lösungen für ein Problem wählen:

  • Helfe ich einem Raumschiff in Not, oder fliege ich weiter?
  • Suche ich eine friedliche Lösung, oder setze ich auf Konflikt?
  • Löse ich ein Problem mit Wissenschaft oder mit Diplomatie?

Und das sind nur drei von zahlreichen Möglichkeiten. Denn neben den vielen Entscheidungen gibt es auch die Helden. Das sind besondere Crewmitglieder - überwiegend die Hauptfiguren der Serie. Sie kann man Räumen im Schiff zuweisen für Boni, aber man kann sie auch auf Missionen auf Planeten und Raumschiffen schicken. 

Auf Außenmission: Hier können die Eigenschaften der Heldenfiguren beim Bestehen der Mission helfen.
Auf Außenmission: Hier können die Eigenschaften der Heldenfiguren beim Bestehen der Mission helfen. Bild: Daedalic Entertainment/dpa-tmn

Hier treiben sie anhand ihrer jeweiligen Fähigkeiten die Handlung voran. Schickt man beispielsweise den Waffen schwingenden Überlebenskünstler auf eine Mission, wo es eher auf Ingenieure ankommt, stehen ihm einige Handlungsstränge nicht offen. Auch so kann man also den Ausgang des Spiels steuern. Für erfolgreich absolvierte Missionen steigen die Helden auf neue Leistungsstufen auf, bekommen bessere Fähigkeiten - aber Harry Kim bleibt trotz erwiesener Brillanz auch im Spiel immer Fähnrich. 

Geht nicht ohne: Forschung und Ressourcenmanagement

Neben der Story wichtig: Das Raumschiff muss gepflegt werden. Und das ist gar nicht so trivial, denn Ressourcen sind fernab der Heimat rar. Ständig muss man die Energieproduktion im Auge behalten, die Labore, Quartiere oder Waffen des Schiffs weiterentwickeln, Bauteile herstellen, für genug Essen sorgen. Die Liste ist lang. Und jedes Mal, wenn's gerade läuft, wirft einem "Across the Unknown" eine neue Herausforderung vor die Füße. 

Beispiel gefällig? Kein Problem. Nehmen wir das Essen. Sind gerade alle Crewmitglieder mit einem Quartier versorgt, reicht die Energie nicht mehr für Essen aus der Wundermaschine Replikator. Also müssen Planeten nach Essen abgegrast werden - was Zeit und Energie kostet. Oder man baut Nahrung an, was wieder Energie kostet. Das Management der Ressourcen wird besonders im späteren Verlauf des Spiels recht komplex. 

Management im All: So ein Raumschiff braucht allerlei spezialisierte Räume für Forschung, Unterkunft, Energie und mehr.
Management im All: So ein Raumschiff braucht allerlei spezialisierte Räume für Forschung, Unterkunft, Energie und mehr. Bild: Daedalic Entertainment/dpa-tmn

Manchmal malt man sich auch in die Ecke: Etwa, wenn man die Schilde und Waffen nicht weiterentwickelt und plötzlich alle Gegner im Kampf zu stark sind. Dann hilft nur: Zurückspringen und einen neuen Weg suchen. Denn auch das erlaubt das Spiel. Jeder der zwölf Sektoren kann einfach neu gestartet werden - kann ja sein, dass einem die neu geschaffene Voyager-Realität nicht mehr gefällt. 

Das sorgt für eine Unzahl an Möglichkeiten. Und stellt Leute vor Probleme, die buchstabengetreu die Serie nachspielen wollen. Man kommt echt leicht vom Pfad ab - Captain Janeways Job ist eben doch einer der härtesten. 

Ein ambitioniertes Spielkonzept mit richtig viel Kopfkino

Viel Text, viel Management, viel Star Trek. In der Praxis funktioniert das fantastisch. Auch wenn die Handlung meist nicht gezeigt, sondern mit Standbildern und Textboxen erzählt wird, hat man - als Kenner der Serie - immer Kopfkino.

Orte, Personen, Dialoge - dem Spiel gelingt es, das aus dem Gedächtnis hervorzukramen. Dazu tragen auch die von den Schauspielern Tim Russ (Tuvok) und Robert Duncan McNeill (Tom Paris) eingesprochenen Logbucheinträge zu Beginn jedes Spielsektors bei. Ganz ohne aufwendige Grafikexzesse, Videos und Co. ist man mittendrin. 

Die enge Anlehnung an die Serie sorgt auch dafür, dass man für Inspiration einfach den Fernseher anwerfen kann. Beispiel gefällig? Das Tuvix-Dilemma: 

  • Zwei Crewmitglieder werden durch einen Unfall zu einem Wesen namens Tuvix verschmolzen.
  • Töte ich dieses Wesen, um die beiden wichtigen Crewmitglieder zurückzubekommen?
  • Lasse ich Tuvix leben, verliere dafür meine beiden Freunde?

Eine schwere Entscheidung, die nach einem erneuten Schauen der Serien-Episode (Streaming sei Dank) zum Nachteil von Tuvix gelöst wurde. 

"Across the Unknown" lädt dazu ein, diese in den meisten Episoden wirklich gut gealterte Serie noch einmal mit modernen Augen anzusehen. Das erleichtert auch Spielerinnen und Spielern ohne größere Voyager-Kenntnisse den Einstieg. 

Ganz ohne Kampf geht es nicht: Die Actionsequenzen sind einfach zu steuern, dabei aber auch recht schön anzusehen.
Ganz ohne Kampf geht es nicht: Die Actionsequenzen sind einfach zu steuern, dabei aber auch recht schön anzusehen. Bild: Daedalic Entertainment/dpa-tmn

Fazit: Eine gelungene Simulation mit nur kleinen Schwächen

Diplomatie, Moral, Anstand, das Richtige tun - dafür steht die Föderation im Universum von Star Trek. Und als Captain des Raumschiff Voyagers bekommt man schnell zu spüren, wie viel Verantwortung mit großer Macht kommt. Und wie schnell man vom hehren Pfad der Tugend abweichen kann, wenn es die Pragmatik der Situation erfordert. 

Alles in allem macht "Star Trek: Voyager - Across the Unknown" richtig Spaß und ist - zumindest im niedrigen Schwierigkeitsgrad - eine meisterbare Herausforderung. Die Kombination aus Entscheidungen, Heldenpflege, Management und Action funktioniert gut, auch wenn an einigen Stellen noch kleinere technische Probleme und Hänger plagen und es bisweilen viel Geklicke ist. Das Versprechen, die Reise der Voyager auf eigene Art zu gestalten, löst das Spiel mit viel Liebe zum Detail ein. 

"Star Trek: Voyager - Across the Unknown" gibt es für PC (35 Euro und 45 Euro für die Deluxeversion mit zusätzlichen Missionen), und für Nintendo Switch 2, Playstation 5 und Xbox Series X/S (40 Euro und 50 Euro). Die Zusatzinhalte der Deluxeversion gibt es auch einzeln für 13 Euro. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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