Multimedia
Xiaomi 17 im Test: Mehr iPhone als Apples iPhone 17?

Es sieht aus, fühlt sich an und verhält sich wie ein iPhone. Mit seinem neuen Flaggschiff scheint Xiaomi fest entschlossen, Apple zu übertrumpfen. Ist das guter Geschmack – oder dreister Diebstahl?

Berlin.

Gäbe es einen Preis für das ungenierte Kopieren von iPhone-Funktionen, würde ihn Xiaomi zweifellos gewinnen. Kein anderer Smartphone-Hersteller hat bislang mehr getan, um das Beste des iPhones in die Android-Welt zu bringen.

Bei dieser Strategie hat das chinesische Technologieunternehmen nun mit dem Xiaomi 17 eine neue Stufe erreicht: Ein Flaggschiff, das dem iPhone so frappierend ähnlich sieht, wie vielleicht noch kein Android-Smartphone zuvor.

Apples charakteristische, abgerundete Ecken, ein glänzender Rahmen und runde Kameras auf der Rückseite finden sich auch beim Xiaomi 17 wieder. Es ist ein Design, das auf den ersten Blick viele glauben lassen könnte, es handele sich um ein iPhone. Doch die Optik ist nur der Anfang von Xiaomis Nachahmung.

Eine "Best of"-iOS-Software

Xiaomi hat sich bereits den Spitznamen "Das Apple Chinas" erworben, teils auch aufgrund offensichtlich kopierter Software-Elemente wie dem iOS-ähnlichen Kontrollzentrum, Anpassungen des Sperrbildschirms sowie Benutzeroberflächen im Kamera- und Einstellungsmenü.

Aber natürlich bietet das Xiaomi nicht alle Apple-Funktionen: Magsafe-Laden oder Satelliten-Notruf sind beispielsweise nicht an Bord.

Doch wenn man sich auf dem Telefon umschaut, findet man mehr und mehr iPhone-Innovationen mit Xiaomis eigenen, kleinen Anpassungen. Es ist, als würde Xiaomi sagen: "Ihr mögt Apple-Funktionen? Hier sind sie auf Android – mit einem kleinen Extra obendrauf."

In diesen Bereichen will Xiaomi Apple übertrumpfen

Xiaomis umstrittene Nachahmungen mögen als Apple-Schmeichelei, guter Geschmack oder dreister Diebstahl angesehen werden, aber klar ist, dass das Unternehmen versucht, das iPhone in mehreren Bereichen zu übertrumpfen:

- Dynamic Island:
2022 führte Apple eine wichtige Software-Funktion ein, mit der Nutzende Updates zu laufenden Aufgaben wie Musik- und Podcast-Wiedergabe, Timern, Ladefortschritt oder Mitteilungen in einem Bereich um die Selfie-Kamera herum sehen konnten. Letztes Jahr brachte Xiaomi seine eigene Version von Apples Dynamic Island heraus: "Hyper Island". Jetzt versucht Xiaomi, Apple zu übertreffen, indem es KI in "Hyper Island" integriert, sodass Nutzer dort Unterhaltungen mit Googles Chatbot Gemini im Blick behalten können.

-Integration:
Die neueste Version von Xiaomis mobilem Betriebssystem, die Android-Variante "HyperOS 3", ermöglicht es, den Bildschirm auf ein iPhone oder iPad zu spiegeln, sodass Android-Apps auf einem Apple-Gerät genutzt werden können. Xiaomi behauptet, dass das 17 somit als Zweitgerät für einige iPhone-Nutzer dienen könnte. Außerdem zeigt das Xiaomi 17 Airpods-Nutzern eine iOS-ähnliche Pop-up-Animation beim Verbinden. Mit "Touch to Share" kopiert Xiaomi Apples Airdrop, sodass Fotos, Videos oder Kontakte durch das Aneinanderhalten zweier kompatibler Geräte geteilt werden können.

- Ökosystem:
In gewisser Weise versucht Xiaomi auch, Apples gut integriertes Produkt-Ökosystem mit einem eigenen, noch größeren Ökosystem zu übertreffen. Wie bei Apple sind Xiaomis Smartphones, Tablets und Smartwatches bereits darauf ausgelegt, nahtlos zusammenzuarbeiten. Doch Xiaomi erweitert sein Sortiment kontinuierlich mit Saugrobotern, Kameras, Heißluftfritteusen, Waschmaschinen oder auch Elektroautos. Intelligente Funktionen für diese Produkte können alle im Xiaomi Smart Hub gesteuert werden.

- Modellbezeichnung:
Um klarzustellen, mit welchen iPhone-Modellen seine Telefone verglichen werden sollen, hat Xiaomi sein Modell-Nummerierungssystem an das von Apple angepasst, indem es nun einfach eine Ziffer übersprungen hat. Letztes Jahr noch mussten Käufer eines Xiaomi 15 dieses mit einem iPhone 16 vergleichen. Nun tritt das Xiaomi 17 gegen das iPhone 17 an.

Die Kamera: dem iPhone einen Schritt voraus

Die vier Kamerakreise auf der Rückseite täuschen, denn das Xiaomi 17 ist tatsächlich nur mit einem Dreifach-Kamera-Setup ausgestattet. Im vierten Kreis befindet sich lediglich der Blitz. Dennoch ist das Xiaomi 17 dem iPhone 17 einen Schritt voraus, dank eines 2,6-fachen Zoomobjektivs zusätzlich zu den Ultraweit- und Standard-Weitwinkelobjektiven, die in Kooperation mit Leica entwickelt worden sind. Alle drei Kameras lösen mit 50 Megapixeln (MP) auf.

Apple verlangt für ein dediziertes Teleobjektiv beim iPhone Pro einen Aufpreis - in Xiaomis Basis-Flaggschiffmodell ist es integriert, was ideal für Porträts und andere Aufnahmen mit Tiefeneffekt ist. Die Auto-Verbesserung für Fotos greift zwei Sekunden nach der Aufnahme ein, sodass sich selbst noch ein verschwommenes, herangezoomtes Foto in ein beeindruckend scharfes Bild verwandeln lässt.

Xiaomis - wie zu erwarten - Apple-ähnliche Kamera-App ermöglicht es in Kombination mit dem Zoomobjektiv, problemlos bis zu zehnfach digital zu zoomen und dennoch ein brauchbares Foto zu machen. Das neueste iPhone ist oft schwer zu übertreffen, wenn es um die Foto- und Videoqualität geht, doch Xiaomi zeigt wieder einmal, dass seine Flaggschiff-Kamera in derselben Liga spielt.

Flaggschiff-Hardware und ein riesiger Akku

Wie das iPhone 17 verfügt das Xiaomi 17 über ein 6,3-Zoll-Display mit LTPO-Technologie, 120-Hertz-Bildwiederholrate sowie einen IP68-Wasser- und Staubschutz. Xiaomis Telefon leuchtet in der Spitze mit 3.500 Nits, das iPhone 17 nur mit 3.000 Nits.

Doch der größte Hardware-Unterschied zum iPhone ist der Akku. Im Xiaomi 17 steckt ein riesiger 6.330-mAh-Akku, der sogar mehr Kapazität bietet als die Batterie des iPhone 17 Pro Max (4.820 mAh).

Die Ladeleistung hat Xiaomi auf 100 Watt am Kabel hochgetrieben, kabellos sind immer noch 50 Watt drin. Zum Vergleich: Das iPhone 17 lädt standardmäßig mit 30 Watt am Kabel und mit 25 Watt kabellos.

Der Startpreis liegt höher als der des iPhone 17

In Europa kostet das Xiaomi 17 zum Start 1.000 Euro mit 12 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher (RAM) und 256 GB Speicher - und damit etwas mehr als Apples iPhone 17, dessen Einstiegspreis bei 950 Euro liegt.

Allerdings dürften die Preise für das Xiaomi 17 im Markt schnell fallen. Der Vorgänger Xiaomi 15 ist inzwischen für deutlich unter 700 Euro zu haben. Für Kamera-Enthusiasten kommt auch noch das Xiaomi 17 Ultra für 1.500 Euro auf den Markt.

iPhone, iPhone - hier schreit alles nach iPhone

Fazit: Alles am Xiaomi 17 schreit nach iPhone. Gefallen Ihnen die zwei kreisrunden Kamera-Augen des iPhone 17 - und die drei bei den iPhone-17-Pro-Modellen vielleicht noch besser? "Hier sind vier davon!", scheint das Xiaomi 17 zu rufen.

Mögen Sie die Dynamic Island? Gut. "Hier ist sie mit KI", sagt das Xiaomi. Und Sie mögen eher kleine Telefone? Perfekt. "Hier ist eines - sogar mit riesigem Akku!" Aber Spaß beiseite. Käuferinnen und Käufer müssen selbst entscheiden, ob dieses Level an iPhone-Nachahmung nützlich oder peinlich ist. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
Das könnte Sie auch interessieren
09:04 Uhr
4 min.
Sprossenzucht im Selbsttest: Was gelingt im Vogtland auf der Fensterbank?
Schraubgläser statt teurer Anzuchtsets: Mit einem einfachen Trick und etwas Küchenkrepp wird die Fensterbank zur sprießenden Oase voller Sprossenvielfalt.
Das liegt im Trend: Mit einfachen Mitteln und etwas Geduld entsteht auf der Fensterbank ein kleines Gartenparadies. Doch nicht immer verläuft alles nach Plan. Die Redaktion hat den Test gemacht.
Daniela Hommel-Kreißl
20:55 Uhr
4 min.
„Ich habe für meine Jugendliebe bitter bezahlen müssen“: Erzgebirgerin kämpft gegen das Vergessen
Annemarie Krause in ihrem Sessel in Thum. In der Hand hält sie ein Buch, welches ihre Geschichte erzählt.
Eine hohe Auszeichnung hat es für Annemarie Krause aus Thum und ihre Geschichte gegeben. Für ihren Einsatz zur Aufarbeitung stalinistischen Unrechts erhielt sie den Verdienstorden der Bundesrepublik.
Robby Schubert
09:22 Uhr
2 min.
Was das iPhone 17e besser macht – und wo Apple spart
Neue Farbe: Neben Schwarz und Weiß gibt es das iPhone 17e jetzt auch in Blassrosa.
Mehr Speicher, Magsafe und ein schnellerer Chip: Das neue iPhone 17e für 699 Euro klotzt, wo der Vorgänger noch kleckerte. Was sonst noch neu ist am kleinsten iPhone.
04.03.2026
3 min.
Nach großem Ansturm auf Termine: Ein Besuch in der neuen Hausarztpraxis von Brand-Erbisdorf
Das Team der neuen Arztpraxis: Manuela Kaiser, Dr. Anna Prkno und Angela la Dous (v.l.)
Am Montag hat Anna Prkno die Türen zur neuen Hausarztpraxis in Brand-Erbisdorf geöffnet. Die große Nachfrage im Vorfeld ließ einen Ansturm erwarten. So lief der erste Tag.
Cornelia Schönberg
04.03.2026
2 min.
Bunt: Neues MacBook Neo kommt für 699 Euro
Viermal MacBook Neo: Den Einsteigerlaptop von Apple gibt es in Silber, Rosa, Zitronengelb und einem Blauton.
Apple erweitert sein Laptop-Angebot nach unten. Mit den neu vorgestellten MacBook Neo sollen vor allem junge Leute und Alltagsnutzer angesprochen werden. Das steckt in dem bunten Gerät.
09:00 Uhr
4 min.
Irgendwas ist immer: Die Tipps der Sportredaktion für das Wochenende in Mittelsachsen
Die Volleyballer des 1. VV Freiberg blicken Richtung Aufstiegskampf und haben den nächsten Heimspieltag vor der Brust, unter anderem gegen Union Milkau.
Nach drei Monaten Pause beginnt die Rückrunde in der Fußball-Mittelsachsenliga. Die Freiberger Volleyballer wollen auf der Siegerstraße bleiben. Und im Nachbarkreis kann man Olympiasieger live erleben.
Robin Seidler, Karlheinz Schlegel
Mehr Artikel