Zehn Jahre ohne Krebs: Leute, lasst euch als Spender registrieren

Karin Engelhardt aus Waldkirchen feiert dank einer Stammzellenspende seit 2008 zweimal Geburtstag. Ihre Krebsgeschichte mit Happy End versteht die 72-Jährige als Aufruf an alle Gesunden, sich für eine Spender-Datenbank typisieren zu lassen. Den Kranken rät sie: Gebt niemals auf.

Waldkirchen.

Wer krank ist, geht den Weg in die Öffentlichkeit oft nur aus einem Grund: um Hilfe über das hinaus zu bekommen, was Kliniken leisten können. Bei Krebspatienten ist es im Hinblick auf eine Stammzellen- oder Knochenmarkstransplantation die Hoffnung auf einen genetischen Zwilling. Bei Karin Engelhardt liegt der Fall anders. Die 72-Jährige aus Waldkirchen, die mit einer Stammzellentransplantation im Jahr 2008 ihren Krebs besiegt hat, erzählt ihre Krankengeschichte aus einem anderen Grund: "Ich lese so viel in der Zeitung, das einem oft den Mut nimmt. Ich will mit einer positiven Geschichte Mut machen, sich und anderen zu helfen."

Ihre Krebs- und Leidensgeschichte begann Ende 2007 am Reichenbacher Krankenhaus, in das Karin Engelhardt mit dem Verdacht auf Thrombose gekommen war. "Ich konnte mein rechtes Bein nicht mehr bewegen, war müde und kraftlos, das kannte ich gar nicht." Am Ende der Untersuchungen stand die Diagnose: Lymphdrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. "Ich war fassungslos, absolute Leere. Dann habe ich geweint und meine Tochter angerufen." Sandra Engelhardt erwiderte auf diese Nachricht hin: "Wir schaffen das."

Ab Neujahr folgten sechs Chemotherapien am Zwickauer Heinrich-Braun-Krankenhaus. Die Behandlung hielt den Krebs in Schach, brauchte aber bald körperliche und psychische Kraftreserven auf. "Eine Ärztin sagte, ohne Transplantation würde ich Weihnachten nicht erleben", erzählt Karin Engelhardt. Dann spuckte eine Spender-Datenbank tatsächlich einen genetischen Zwilling aus. Die junge Frau aus der Nähe von Dresden war sofort zur Stammzellentransplantation bereit. Doch bei Karin Engelhardt gab es Bedenken. "Die Chemos in Zwickau waren schon hart. Ich dachte, das halte ich nicht mehr aus. Doch ich habe dem Eingriff zugestimmt. Ich sagte dann zur Tochter: Sandra, ich habe mein Todesurteil unterschrieben." Ein verzeihlicher Irrtum.

An der Uniklinik Leipzig wurde das Immunsystem der Patientin auf Null gefahren, am 12. Juni 2008 erfolgte die Transplantation. Von den folgenden 72 Tagen auf einer Isolierstation sind die ersten aus ihrem Gedächtnis gelöscht. "Der Beutel mit dem Implantat war kaum durchgelaufen, da bekam ich starken Schüttelfrost. Dann weiß ich nichts mehr." Es folgte eine harte Zeit, in der die starke Bindung zur Tochter der Faden war, an dem Karin Engelhardts Leben hing. Dann ging es aufwärts. Bald schon galt die Patientin als gesund - und das ist Karin Engelhardt bis heute. Zur Nachkontrolle muss sie schon längst nicht mehr.

"Das war alles auch eine Frage des Willens. Ich habe immer gekämpft. Das ist mein Rat - nie aufzugeben", erzählt Karin Engelhardt über ihre Rückkehr ins Leben. Dazu gehörte auch ein offensiver Umgang mit der Erkrankung. So ist sie beispielsweise trotzt Mundschutz einkaufen gegangen. "Ich bin heute viel gelassener. Das Leben ist viel zu kostbar, um sich über Kleinigkeiten aufzuregen oder anderen das Leben schwerzumachen." Es geht darum, einander zu helfen. "Deswegen sage ich, Leute, lasst euch als Spender typisieren, so schenkt ihr vielleicht jemanden einen zweiten Geburtstag."

Der von Karin Engelhardt wird morgen mit Freunden und Familie groß gefeiert. Es ist ihr Zehnter.

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