Reiter hoffen auf Turnierfreigaben

Ein zügiger Galopp ist es nicht. Aber auch bei den Pferdesportlern im Erzgebirge tut sich etwas. Nach der Zwangspause wegen Corona startet der Trainingsbetrieb Schritt für Schritt neu. Wettbewerbe im üblichen Modus sind aber noch undenkbar.

Seifersdorf/Dorfchemnitz.

Die Pferdesportler im Erzgebirge kommen langsam in Tritt. Mittlerweile dürfen Sachsens Vereine wieder ihre Sportstätten nutzen, die aufgrund der Corona-Krise wochenlang gesperrt waren. Unter freiem Himmel ist das Training schon länger möglich gewesen. Nun sind vielerorts auch die Hallen offen.

Die Lockerungen lassen auch die Pferdenarren durchatmen. Auflagen haben sie - wie alle anderen - trotzdem zu beachten. Bund, Freistaat und der Landesverband Pferdesport geben via Internet Leitfäden und Empfehlungen an die Hand. So gilt auch hoch zu Ross die Abstandsregel von 1,50 Meter und ein Platzpensum von 20 Quadratmetern pro Reiter und Pferd. Alle Utensilien müssen nach dem Training gründlich gereinigt werden. Besucher und Zuschauer sind ebenso wie Turniere im üblichen Modus nach wie vor tabu. Bis auf wenige Ausnahmen sind bis Ende Juli in Sachsen sämtliche Wettbewerbe ohnehin abgesagt.

Jene Veranstalter, die noch auf eine Wende hoffen, warten auf grünes Licht. Darunter der RFV Seifersdorf, der sein Reitturnier zwischen dem 12. und 14. Juni austragen will. "Wir gehen davon aus, dass es stattfinden kann. Allerdings ohne Zuschauer", berichtet der Vereinschef Hans-Peter Lange. Die Pferde seien fit. "Sie mussten ja ohnehin die ganze Zeit im Training gehalten und bewegt werden."

Auch in Dorfchemnitz setzen die Verantwortlichen alles daran, damit ihr Reit- und Springturnier vom 17. bis 19. Juli nicht ins Wasser fällt. "Ein entsprechendes Konzept haben wir eingereicht. Nun hoffen wir auf die Freigabe durch das Gesundheitsamt", sagt Manuela Weiß vom Verein. Demnach soll der Wettbewerb in abgespeckter Form über den Platz gehen - ohne sächsische Amateurmeisterschaft in der Dressur und im Springen sowie ohnehin mit begrenzter Teilnehmerzahl. An den Start dürfen ausschließlich Reiter aus Sachsen sowie diejenigen, die eine persönliche Einladung erhalten. Zudem verzichte man sowohl aufs Festzelt als auch auf den traditionellen Bauernmarkt. Weiß verweist potenzielle Zuschauer schon jetzt auf das Internet. Denn auf der Plattform "clipmyhorsetv" würde das Turnier, sofern es ausgetragen werden darf, dann für alle übertragen werden.

Abgeblasen sind dagegen schon die sächsischen Meisterschaften im Dressur- und Springreiten, die vom 2. bis 5. Juli in Burgstädt ausgetragen werden sollten. Die Wettbewerbe würden auch nicht später im Jahr nachgeholt, sagt Antje Dippmann vom Verein St. Georg, der diesen Wettbewerb in den zurückliegenden 30 Jahren schon 28-mal ausgerichtet hat. "Im Herbst sind ja die Wochenenden auch schon alle mit Turnieren verplant. Die Veranstalter sollten sich die Sportler dann nicht gegenseitig klauen", so Dippmann.

Die Absage sei alternativlos gewesen, vor allem wegen der Kontaktbeschränkungen. "Da treffen sich Leute im Stallzelt, die sich ewig nicht gesehen haben. Natürlich kommt es da zu Umarmungen, zu Körperkontakt. Wie will man das unterbinden? Oder den Abstand der Preisrichter zueinander gewährleisten, bei den beengten Verhältnissen in der Kabine", führt Antje Dippmann weitere Argumente ins Feld. Und ohne Zuschauer mache ein Titelturnier ohnehin keinen Sinn.

Diese Ansicht teilen allerdings nicht alle Pferdesportler. Silvio Weiß als Vorsitzender des RFV Dorfchemnitz verweist auf die Regelungen in anderen Bundesländern. "In Niedersachsen und in Schleswig-Holstein sind Reitturniere ohne Zuschauer schon länger wieder möglich", sagt er. Ihn ärgere vor allem die Perspektivlosigkeit. "Wenn man klar sagen würde, ab welchem Zeitpunkt es wieder losgehen kann, könnten sich alle darauf einstellen. So aber fehlt derzeit komplett die Orientierung."

Und die Reiter? Kristian Sieber aus Seifersdorf, der zu den besten Springreitern der Region gehört, spricht von einer ungewissen Zeit. Für die Regeln im Zuge der Corona-Krise habe er dennoch Verständnis. Auch dafür, dass sich das von Bundesland zu Bundesland unterscheidet. "Wir sind nun mal ein föderaler Staat", sagt Sieber, der sich derzeit ohnehin aufs Lernen konzentriert. Der angehende Lehrer befindet sich mitten im ersten Staatsexamen.

Härter trifft es den Peniger Matthias Lucas, der als Berufsreiter auf große Turniere angewiesen ist. "Das sind wichtige Plattformen für die Vermarktung der Pferde. Ihren Wert messen Kunden an Erfolgen." Froh ist er, zumindest wieder unterrichten zu können. Der im April abgesagte Lehrgang bescherte ihm Einbußen in vierstelliger Höhe.

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