Retter leihen Auto für Feuerwehrdorf

Auch um Brandschutz soll es in dem neu entstehenden Floriansdorf im Kiez am Filzteich in Schneeberg gehen. Ein Fahrzeug aus Hohndorf macht das jetzt anschaulicher. Von der Technik waren die Kinder sofort begeistert.

Schneeberg.

Mit lautem Tatütata und Blaulicht sind am gestrigen Mittwoch drei Feuerwehrfahrzeuge auf das Gelände des Kinder-Erholungszentrums (Kiez) am Filzteich in Schneeberg gebraust. "So habe ich mir das gewünscht", freute sich der Kiez-Geschäftsführer Frank Löffler. "Wir wollen doch Aufmerksamkeit."

Und schnell fanden sich auch etliche Kinder, die derzeit ihre Ferien am Filzteich verbringen, vor Ort ein. Das heißt, im Floriansdorf, das im Kiez entsteht und ein außerschulischer Lernort ist, an dem Kinder unter anderem mit dem Brandschutz vertraut gemacht werden sollen. Dafür hat die Gemeinde Hohndorf jetzt ein Löschfahrzeug als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. "Es ist 20 Jahre alt, noch voll funktionsfähig, aber vor drei Jahren wurde es außer Dienst gestellt, als unsere Feuerwehr ein neues Fahrzeug bekommen hat", erzählte Hohndorfs Bürgermeister Matthias Groschwitz. Wehrleiter Jörg Zappner, der gemeinsam mit sechs seiner Leute und zwei Begleitfahrzeugen die Leihgabe nach Schneeberg gebracht hatte, versicherte, dass das Auto in einem guten technischen Zustand sei. "Die technische Pflege gehört schließlich zu den Diensten in der Feuerwehr."

Zuletzt stand das Löschfahrzeug zu Ausbildungszwecken im Feuerwehrtechnikzentrum des Landkreises in Pfaffenhain. Weil aber die Feuerwehren zunehmend zur Ausbildung ihre eigenen Fahrzeuge mitbringen, war das Hohndorfer nicht mehr so stark in Nutzung. Christoph Stahl, im Landratsamt des Erzgebirgskreises Referatsleiter für Brand- und Katastrophenschutz, setzte sich dafür ein, dass es ins Floriansdorf nach Schneeberg kommt.

Emil Spölders aus Lampersdorf bei Dresden und Tim Gränitz aus Chemnitz sind zehn beziehungsweise elf Jahre alt und gehören zu den sechs Kindern, die derzeit ihre Ferien im Feuerwehr-Camp im Kiez verbringen. Sie waren gleich bei der Sache, als die Seitenwände des Löschfahrzeugs aufgeschoben wurden, und konnten erklären, was der Schlauch für einen Schnellangriff ist und wie Rettungsspreizer und -schere funktionieren. Während Tim schon seit vier Jahren in der Jugendfeuerwehr ist, will Emil bald in die seines Heimatortes eintreten. "Ich stelle mir das cool vor, weil man mit dem ganzen Körper beim Einsatz dabei sein muss", sagt Emil.

Kiez-Geschäftsführer Frank Löffler betont, dass das Floriansdorf nicht für die Ausbildung von Feuerwehr-Nachwuchs gedacht ist. Vielmehr gehe es darum, allen Kindern in dreitägigen Aufenthalten im Kiez zu vermitteln, welche Gefahren verschiedene Alltagssituationen in sich bergen können und wie man sich davor schützen kann. Daher entstehen in drei Bauabschnitten neben Feuerwache und Feuermuseum auch ein Krankenhaus, ein Rathaus, eine Polizeiwache, eine Dorfschule, ein Gefahrenhaus und Haus der Rettung sowie ein Haus der Sinne. Fertiggestellt sind bisher drei Häuser, deren Eröffnung soll laut Löffler Ende September/Anfang Oktober sein. Die Gesamtkosten für diesen ersten Bauabschnitt liegen bei 900.000 Euro. 150.000 Euro muss der Verein, der Träger des Kiez ist, als Eigenmittel aufbringen, der Rest sind Fördermittel vom Land und von Leader.

Das Floriansdorf ist das einzige in Sachsen. Es soll ein außerschulischer Lernort sein, wo man Kindern spielerisch mehr als Brandschutzthemen vermittelt. In einem Haus, so Löffler, soll zum Beispiel nachgestellt werden, mit welchen Gefahren Kinder in einer Wohnung konfrontiert sein könnten. In einem anderen Haus werden Experimente, die mit Feuer zu tun haben, durchgeführt. Der Drei-Tage-Aufenthalt steht auch schon im Kiez-Katalog für 2021.

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