Sachsens Autobranche hofft auf Schub durch Konjunkturpaket

Die 130 Milliarden Euro teuren Maßnahmen der Großen Koalition finden viel Zuspruch. Aber nicht alle zeigen sich zufrieden.

Berlin/Dresden/Chemnitz.

Vertreter aus Landespolitik und Wirtschaft haben am Donnerstag überwiegend positiv auf das am Abend zuvor von der Großen Koalition vorgelegte Konjunkturpaket reagiert. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sprach von einem "starken Signal der Solidarität und des Aufbruchs". Auch Vize-Ministerpräsident Wolfram Günther (Grüne) lobte, dass die Bundesregierung mit dem Konjunkturpaket die Weichen in die Richtung stelle, "in die wir auch für Sachsen denken". Als Beispiel hob er neben den zusätzlich 700 Millionen Euro für nachhaltige Waldbewirtschaftung - die von der Großen Koalition mit den "zum Teil auch durch die Coronapandemie" gesunkenen Holzpreisen begründet worden waren - auch das Nein zur Autokaufprämie zumindest für herkömmliche Verbrenner hervor.

Nach dem Willen von SPD und Union sollen höhere Kaufprämien für Elektroautos und eine geringere Mehrwertsteuer die Anschaffung eines Neuwagens für Verbraucher attraktiver machen und der Branche aus ihrer Absatzkrise helfen. Mit Blick auf das VW-Fahrzeugwerk in Zwickau, in dem künftig ausschließlich E-Autos gebaut werden, sprach Dirk Vogel, Manager des Netzwerks Automobilzulieferer Sachsen von einem sehr positiven Konjunkturprogramm. Die Förderung werde zu einer steigenden Nachfrage nach Elektroautos führen. Auch den klassischen Lieferanten, die Teile wie die Karosserie, Bremsen oder Sitze herstellten, käme ein steigender Absatz von E-Autos zugute. Voraussetzung sei allerdings, dass VW sein ID-Modell auch bis dahin für den Verkauf freigibt.

Dass es keine staatliche Prämie für Autos mit Verbrennungsmotor geben wird, sieht Vogel nicht als Nachteil. Durch die befristete Mehrwertsteuerabsenkung gebe es ja einen Kaufanreiz "durch die Hintertür". Das mache vor allem den Kauf größerer Fahrzeuge attraktiver.

Skeptischer zeigte sich der Vizechef der Dresdner Ifo-Niederlassung, Joachim Ragnitz. Er hätte es bevorzugt, wenn die für die Kaufprämie vorgesehenen Gelder für den Ausbau von Ladeinfrastruktur und Reichweite eingesetzt worden wären. Auch die Absenkung der Mehrwertsteuer werde "nur Vorzieh- und Mitnahmeeffekte" nach sich ziehen. Er gehe nicht davon aus, dass die Unternehmen diese Maßnahme an die Kunden weitergeben. "Am ehesten" würden die Sachsen deshalb vom 300-Euro-Kinderbonus profitieren.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst kritisierte das Programm als "teure Kiste bunt zusammengewürfelter Maßnahmen". Sachsens Industrie- und Handelskammern bezweifelten, dass der Kinderbonus und die Mehrwertsteuersenkung den privaten Konsum ankurbeln werden. Der Städte- und Gemeindetag lobte derweil die Bereitschaft des Bundes, sich am Ausgleich der Gewerbesteuerverluste zu beteiligen sowie künftig einen höheren Anteil an den "Kosten der Unterkunft" für Arbeitssuchende in der Grundsicherung zu tragen.

2Kommentare

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  • 5
    1
    Einspruch
    05.06.2020

    Ein überteuertes E Auto mit zweifelhaften alltagstauglichen Eigenschaften kann ich mir trotzdem nicht leisten. Und will es auch nicht, wenn ich an die Rohstoffgewinnung , Strompreis Politik und Entsorgung denke. Also die alte Kiste wieder zum TÜV und weiter fahren und die neuere schonen.

  • 10
    2
    saxon1965
    05.06.2020

    Die Senkung der Mehrwertsteuer ist eine versteckte Kaufprämie für alle Autos, denn nur bei teuren Produkten lohnen sich die 3 Prozent. Ein geschickter Schachzug der Autolobby.
    Ein Durchschnittshaushalt wird im Monat nicht mehr als 10 Euro sparen, ein Witz. Also wer reich ist und viel kaufen kann, spart am meisten.
    Um die Kaufkraft allgemein zu stärken und auch alle Branchen profitieren, sind da die 300 Euro je Kind angebrachter oder die Senkung der Lohnsteuer der Arbeitnehmer wäre auch gerechter gewesen. Bei Letzterem würde Arbeiten belohnt und nicht auch die Rentiers.