Sachsens einzige Röver-Orgel steht in Schnarrtanne

Sachsens Landeskirche hat ihr Projekt "Sächsische Orgeln 2020" am Sonntag zum Gottesdienst in der Paul-Gerhardt-Kirche in Schnarrtanne eröffnet. Für das Instrument musste die Gemeinde lange sparen.

Schnarrtanne.

So eine Orgel gibt es weit und breit kein zweites Mal. Weil das Kunstwerk des Baumeisters Ernst Röver in der Paul-Gerhardt-Kirche Schnarrtanne zumindest sachsenweit Unikat-Status genießt, fiel sie dem Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt Sachsen bei der Suche nach "Sächsischen Orgeln 2020" ins Auge und durfte damit am gestrigen Sonntag den Einstand zur gleichnamigen musikalischen Reihe geben.

An dem etwa 1885 gebauten Instrument saß Landeskirchenmusikdirektor Markus Leidenberger aus Dresden. Innerhalb einer Stunde hörten die Gottesdienstbesucher unter anderem Werke von Johann Sebastian Bach und Orgelpredigt-Passagen aus der Feder von Adolf Merkel und Josef Gabriel Rheinberger. Zwischendurch zog Markus Leidenberger verschiedene Register, um einzelne Klangfarben ausführlich zur Geltung zu bringen. Oder in Kombination vorzustellen. "Und zwar so, wie sie damals durchaus üblich waren", sagte Tobias Haase, Fachbeauftragter für Orgelwesen bei der Landeskirche.

Jedes Jahr stellt die Konzertreihe "Sächsische Orgeln des Monats" unbekanntere Instrumente verschiedener Baumeister des 19. Jahrhunderts in Kirchen und Gemeindehäusern, Gottesdiensten und Konzerten vor. Diesmal sind es acht Stationen. Im Vogtland machen Markus Leidenberger und Tobias Haase nur einmal Station. Nicht nur, weil das vergleichsweise handliche Instrument hierzulande einmalig ist. Auch ihre Abmessungen holten Punkte: Die größte der 405 Pfeifen misst ganze 2,60 Meter. "Es geht bei der Reihe darum, über kleine Orgeln nicht hinwegzusehen, sondern sie zu schätzen und auch ein bisschen über ihre Geschichte zu erfahren", erklärte Pfarrer Rainer Vorwergk. Obendrein soll der klangliche und gestalterische Orgel-Reichtum Sachsens ins Bewusstsein rücken.

Nach ihrem Bau 1926 stand die Kirche im Auerbacher Ortsteil ohne Orgel da. "Es hat viele Jahre gedauert, bis Geld da war", sagte der Pfarrer. "Die Orgel ist dann 1936 gebraucht gekauft worden." Seines Wissens kam sie aus der Magdeburger Gegend ins Vogtland. Die Firma Röver hatte ihren Sitz in Hausneindorf bei Quedlinburg, das Holzgehäuse lieferte die damals bedeutsame Kunstanstalt Gustav Kuntzsch Wernigerode.

Normalerweise bringt Auerbachs Kirchenmusikdirektor Ulrich Meier das Instrument zum Klingen. Gestern saß er im Publikum. "Für den kleinen Raum ist die Orgel völlig ausreichend", erzählte er. Zwar würden in anderen Ortsteilen ähnliche stehen. "Aber die sind nicht so historisch wie diese", sagte Ulrich Meier. "Deshalb ist sie schon etwas besonderes. Und sie passt klanglich auch genau in ihre Zeit."

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