Sachsenwahl: Wie soll man den Osten erklären?

Nach den Wahlen in Sachsen und Brandenburg wird dem Osten wieder mal der Puls gefühlt. Dass die Lust am Widerspruch gegen Aufgezwungenes steigt, ist eine überfällige Reaktion. Ohne Aufrichtigkeit aber wird nichts Gutes dabei herauskommen. Ein Essay.

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1616 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    2
    Nixnuzz
    05.09.2019

    @steph58: 1 grüner. Ich würde es auch begrüßen, wenn ein Ossi mal die Position eines Normalo-Wessies einnehmen würde und sich die Argumentation seiner Landsleute zumuten würde?..Muss ja nicht auf "Bild-Niveau" ablaufen. Und ständige Spitzen in jedem 2.Halbsatz unterminiert jegliche Verständ-nis/-igungsbereitschaft.

  • 7
    2
    steph58
    05.09.2019

    Warum die Ostdeutschen so an Minderwertigkritskomplexen, kann ich nicht verstehen. Wir haben doch viel Positives im Osten erreicht.
    Ich würde empfehlen: seid doch endlich mal stolz auf das Erreichte und legt diese Weinerlichkeit ab.
    Ich habe gute Bekannte, die nach 20 Jahren im Westen wieder zurück nach Chemnitz kommen. Und darüber freue ich mich sehr.

  • 3
    3
    Nixnuzz
    05.09.2019

    Lesenswerter Artikel und Nachdenkenswert. Frage mich allerdings, ob er auch die Gemüter der Wessies erreicht? So fern nicht ein wenig weltsichtig und weitsichtig wird das dort nicht ankommen. Und wenn höchstens als erneutes "Ossi-Gemaule". Aus meiner bisherigen Ost-West-Bilanz ist es schwer, miteinander zu reden. Zusätzlich wird eine verdrehte Gleichwertigkeit projeziert: "Ihr im Westen habt dies.. jens ..aber wir waren die Ersten und Besser.. ja im Osten gekauft oder geklaut" Also überzogen: Ohne die DDR ward ihr auch nix! Nö - wir hatten Italiener, Türken, Yugos und was weiß ich alles, die unser Handwerk machten und - ach ja - Nazies! Vielleicht sollte ein ebensolcher Artikel die Befindlichkeit der Wessies unterhalb der politischen/medialen Ebene geschrieben werden. Deren Wissen über diese Befindlichkeit der Ossies ist doch gleich Null! @Malleo: 1 grüner!

  • 2
    6
    Malleo
    04.09.2019

    OlaF
    Meine positive Reaktion auf Ihr Statement mit einer kleinen Ergänzung garniert, landete offensichtlich im Nirwana.
    Sie kennen das sicher.
    Vielleicht überlegen es sich unsere netten Wortbegleiter noch.

  • 2
    4
    Malleo
    04.09.2019

    ..Korrektur, sorry
    Erst gestern...
    ..und " toxischen braunen....

  • 7
    5
    Malleo
    04.09.2019

    Ein 2. Versuch.
    Herr Schilder und der CR haben die paar Zeilen per mail. Was stört daran die Moderatoren?

    Dieses Essay von Herrn Schilder verdient aufmerksam gelesen zu werden, ist es doch authentisch und von ideologischen Ballst befreit.
    Er gestern wurde ebensolcher in Form von einer Frau Geipel bekundet, dass sich im Wahlergebnis der Trend zum „toxische braunen Osten“ manifestiert habe.
    Das Sahnehäubchen war die in perfider Arroganz geäußerte Behauptung, dass „die Menschen im Osten den Hitler in sich konserviert“ haben.
    Soviel zur Frage Ideologie und Selbstverständnis einer ehemaligen Spitzensportlerin, die sich offensichtlich am Osten abarbeitet.
    Die Einbindung persönlicher Reflexionen des Verfassers ist nachvollziehbar.
    Jeder Ostdeutsche kann seine ebenso mit einbringen.
    Das mache ich mal für mich.
    Ich wurde 40 Jahre in der DDR sozialisiert, den Rest habe ich weiter mit viel Arbeit, Erkenntnisgewinn und sehr vielen neuen Erfahrungen, die bekanntlich Maßstäbe verändern, im zusammengefügten Deutschland, verbringen dürfen.
    Das Wort Wehleidigkeit, was vielen Mitteldeutschen nachgesagt wird, kenne ich nicht.
    Ich erkläre gern warum.
    Die von der Treuhand ab 1990 flächendeckend betriebene Plünderung Mitteldeutschlands, deren erste nach dem Krieg von den Russen vollzogen und mit Reparationsleistungen erklärt wurde, ist eine Erfahrung, die für 17 Mio. Menschen unvergesslich bleiben wird.
    Das Wirken der Treuhand kam einer Deindustrialisierung ganzer Regionen in Sachsen, Sachsen- Anhalt und Thüringen gleich und war damit gleichwohl ein perfektes Konjunkturprogramm für die alten Bundesländer, potentielle Konkurrenten mussten weg.
    Es herrschte Goldgräberstimmung, „Aufbauhelfer“ überströmten das Land und installierten bis in die Gegenwart wirkende (geschlossene) Netzwerke in Wirtschaft, Politik, Justiz, Universitäten, Polizei und Medien, deren Ziel einzig die Erhaltung ihrer Einflussmöglichkeiten ist.
    Die gern ins Feld geführten Hinweise auf den Strukturwandel vergleichbarer Regionen, wie dem Ruhrgebiet, sind dumm und in keinem einzigen Punkt zutreffend.
    Wer stellt nach der großen Abschreibung die Frage, warum die in Wellen wiederkehrende Aufmerksamkeit für angeblich ostdeutsche Befindlichkeiten immer häufiger durch die Medien getrieben wird?
    Befindlichkeiten, deren Grenzen zur Larmoyanz nicht mehr zu unterscheiden sind?
    Wer aber 1989 so naiv war, dass er der Persil-Werbung ebenso viel glaubte, wie dem Versprechen nach blühenden Landschaften, wurde zweifelsfrei enttäuscht und fand sich, unabhängig von Bildung, Fleiß, Engagement oder all den Eigenschaften, die notwendig sind, um selbstbestimmt ein Leben für sich und die Familie zu gestalten, schnell in einer Umbildungsmaßnahme oder auf dem Arbeitsamt wieder.
    Es bedurfte viel Glück aber auch ein Stück weit jener benannten Eigenschaften und einer Firma, die sich auch dem Turbokapitalismus erfolgreich bediente, um von der wenig sozialen Marktwirtschaft gleichfalls zu partizipieren.
    Jene, die nicht der Arbeit hinterherzogen und in ihrer Heimat blieben, durften all diese Erfahrungen machen, die ihr Leben mehr als deutlich prägten.
    Sie haben aber den unschätzbaren Vorteil, ob der Sozialisierung in zwei völlig verschiedenen Gesellschaftssystemen, sehr deutlich und sensibel (Fehl-)Entwicklungen differenzieren zu können, die in keinem noch so hochkarätigen Seminar gelehrt werden.
    Deshalb kann jeder, der 1989 die körperliche Mauer in Berlin und den Eisernen Vorhang wegfegte, seine mehr oder weniger erfolgreiche Lebensgeschichte erzählen.
    Angesichts der epochalen Herausforderungen, die sich dieses Land im wahrsten Sinne des Wortes selbst ins Land geholt hat, fahren die Menschen in Mitteldeutschland ihr keineswegs durch Einheitsfeiern verschüttetes Sensorium aus, um zu sagen, wir wissen wie es geht, wenn von den sogenannten politischen Eliten die Realität verdrängt oder negiert wird.
    Nach den aktuellen Geschehnissen spekulieren die „Meinungsschaffenden“ schon von rechten Umsturzplänen am Horizont, es sind Panikattacken, die zeigen, dass sich diese Demokratie offensichtlich nur noch als ausgesprochene Kompromisswirtschaft im Krisenmodus versteht.
    Ich bin dennoch dankbar in einer Demokratie, übrigens die „schlechteste aller bekannten Staatsformen, ausgenommen aller anderen“ (Churchill), zu leben.
    Das heißt aber nicht, dass man dieser Demokratie, die 1989 über die DDR und ihre Menschen gekommen ist, keine kritischen Fragen stellen darf und Fehlentwicklungen, die auf einer einsamen, zutiefst antidemokratischen Entscheidung einer Kanzlerin basieren, demonstrativ- auch auf der Straße-unterstreicht.
    Wenn das in Sachsen besonders ausgeprägt ist, nun, ihnen sagt man ja gern nach, dass sie sensibler, präziser und ingenieurmäßiger sind, wenn es um Fragen der Gerechtigkeit und die Einhaltung von Regeln geht.
    Manche Zeitgeister sehen diese Sensibilisierung unter deren verstellten Blick einer braunen Verschwörung, andere, wie der Schweizer Roger Köppel: „Wir erleben keinen Angriff auf die Demokratie, sondern ihre Verwirklichung“
    Da mich u.a. auch der Uranbergbau in Sachsen viele Jahre geprägt hat, ist mir „mente et malleo“ (Geist und Hammer oder „denke und schlage“) geläufig.
    Bergbau ist anstrengend, gefährlich aber lohnend, wenn man erst den Kopf der Geologen nutzt, um dann mit Hammer und Schlägel das Erz zu gewinnen.
    Sachsen und Bergbau gehören zusammen, begründet sich doch der Reichtum, die kulturelle Vielfalt(!) und die industrielle Entwicklung des Freistaates aus dieser Arbeit.
    Nicht von ungefähr sagt man: „Alles kommt vom Bergwerk her“
    In Abwandlung dessen wünsche ich mir von den Rechtsstaatverwaltern und auch von den Medienschaffenden jenes „mente et malleo“: viel(!) denken und weniger oder erst dann sprechen.
    Dass das hervorragend gelingen kann, hat Herr Schilder eindrucksvoll bewiesen.

  • 12
    0
    jurasi
    04.09.2019

    Ein sehr schöner Artikel, der auch ein Stück weit traurig macht. Traurig auch darüber, dass die Kluft zwischen Ost und West nicht kleiner werden kann. Nicht, wenn zum Beispiel immer noch in den Medien (auch in den öffentlich rechtlichen Medien) sämtliche statistische Umfragen nach Ost und West analysiert werden. Warum werden nicht die Daten von Nord und Süd bei der Sonntagsumfrage zur Wahl verglichen?
    Wenn keiner den Grießbreitopf vom Herd nimmt, wird er auch nicht aufhören überzukochen.

  • 7
    4
    Pelz
    04.09.2019

    @OlafF
    Genauso sieht es aus!!!
    Wenn ich könnte, würde ich Ihrem Beitrag 10 grüne Daumen geben.

  • 13
    6
    gelöschter Nutzer
    04.09.2019

    "... viele kennen Berlin, Bremen und das Ruhrgebiet"

    Was man so kennen nennt, wenn man da mal zur Städtereise oder kurz in den Urlaub hinfährt. Ein gewisser Anteil hat evtl. einen teil der Familie, der dort jetzt lebt und tiefere Einblicke.

    "Sie gehen mit offenen Augen und Ohren durchs Land und sind schon seit geraumer Zeit aus ihrem Tal der Ahnunslosigkeit herausgekommen."

    Auch das ist richtig, nur guckt man oft nur auf die Stellen, die einen interessieren bzw. irgendwie bewegen. Im Ruhrgebiet wird man Beispiele für sehr gelungene Integration beobachten können und man wird Beispiele für gescheiterte Integration, Parallelgesellschaften, etc. "sehen" können. So nimmt jeder mit nach Hause, was er für das wahre Ruhrgebiet oder Berlin hält. So wird es entweder zum Vorbild für gelingende Integration und Migration oder zum Abschreckenden Beispiel.

    Wichtig wäre, dass einem das bewusst wird und man sich angewöhnt auch Dinge anzusehen, die nicht nur die eigene Sicht der Welt unterstreicht. Das tun leider immer weniger. Hier hat sich leider ein Denken breit gemacht, dass alles Fremde als böse, feindselig und bedrohlich einordnet. Wer so in die Welt zieht, wird dort auch nur böses finden und froh sein, wenn er wieder in seiner Parzelle ist und alles genau so erhalten wollen.

  • 15
    0
    Hankman
    04.09.2019

    Wow, großartig. Der Text gibt viel Stoff zum Nach-Denken. Danke! Ich könnte auch viele Seiten füllen mit meinen Vor- und Nachwendeerfahrungen. Da gibt es in der Tat wenig Schwarz und wenig Weiß - dafür Hunderte Grautöne und Schattierungen ... Vielleicht sollten wir wirklich mal anfangen mit dem "großen Erzählen" und uns vergewissern, wer wir sind und warum.

  • 19
    4
    OlafF
    04.09.2019

    @Blackadder: Viele Menschen im Osten haben Erfahrungen mit Migration, viele kennen Berlin, Bremen und das Ruhrgebiet. Sie gehen mit offenen Augen und Ohren durchs Land und sind schon seit geraumer Zeit aus ihrem Tal der Ahnunslosigkeit herausgekommen. Positiv bewerten viele die Integration, wo verschiedene Personengruppen als Quelle von Kreativität und Wohlstand friedlich miteinander leben. Leider stehen Orte, wo bestimmte Personengruppen unter sich bleiben möchten und sich den geltenden gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen nicht anpassen und sich mit einer gewissen Selbstverständlichkeit alimentieren lassen in einem Gegensatz dazu. Erschwert wird die Angelegenheit, weil Polizisten, Richter und Sozialarbeiter meistens andere Migranten kennenlernen, als Künstler, Schauspieler und Intellektuelle. Die arbeitenden und gesellschaftlich aktiven Migranten sind bereits seit langem in unserer Gesellschaft angekommen. Vor denen kann keiner Angst haben....auch keine Wirtschaftsökonomen.

  • 10
    11
    Hinterfragt
    04.09.2019

    Ei,Ei, Ei... da wird doch die DSU als konservativ bezeichnet ...
    Und CDU, ... arbeiteten mit denen zusammen ...
    Ei, Ei, Ei ....

  • 13
    27
    gelöschter Nutzer
    04.09.2019

    @Olaf: man darf aber auch nicht vergessen, dass die Migrationsangst dort am größten ist, wo die Zahl der Migranten am tiefsten ist. Vielleicht hilft ja auch gegen Migrationsangst einfach ein stärkeres Kennenlernen. Mehr miteinander, Das, was viele im Westen eben schon seit Jahrzehnten haben. Angst hat man oft vor Dingen, die man nicht kennt.

    PS: Kalbitz als dunkler Lord....sehr gelacht. Oder ist er der, dessen Name nicht genannt werden darf?

  • 19
    3
    ChWtr
    04.09.2019

    Dieses Essay von Ronny Schilder unterschreibe ich zu 95%.

    Mehr möchte ich dazu gar nicht sagen, außer - dass mein Bericht zum momentanen Zustand Mitteldeutschlands, aber auch der in ganz Deutschland, sehr wahrscheinlich noch viel umfangreicher ausfallen würde. Lassen wir das lieber!

    Den letzten Absatz übernehme ich zu 100% und er gibt ein klein wenig Hoffnung.

    "Der Osten hatte die Wahl, und er wollte es so, dass es nach westdeutschen Regeln laufen sollte. Mehr Emanzipation und Eigenverantwortung waren nicht gewünscht; vielleicht wäre das auch nicht realistisch gewesen. Die Beitrittsentscheidung aber brachte Nebenwirkungen mit."

    Mit der obigen These oder Erkenntnis bin ich nicht ganz einverstanden, relativiere jedoch - da die Einschränkung "(...) vielleicht wäre das auch nicht realistisch gewesen (...)" vom Autor selbst nachgeschoben wurde.

    Das das Thema Deutsche Wiedervereinigung so komplex ist, zeigt uns nicht nur das Wahlverhalten "im Osten" - es sind die vielen Umbrüche der ehemaligen DDR Bürger (egal ob Prominent oder nicht!). Und letztlich ist es eine gesamtdeutsche, gesellschaftliche Aufgabe, die Probleme in den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands anzupacken und wenigstens versuchen, in den Griff zu bekommen. Da sind wir alle gefragt. Ein weiter so oder die eingestandene, sehr wahrscheinlich unbeabsichtigte öffentliche Erkenntnis der Kanzlerin, "was man denn hätte anders machen können", ist da wenig hilfreich.

  • 21
    10
    OlafF
    04.09.2019

    Migrationsangst kann nur sinken, wenn Integration gelingt. Das hängt jedoch davon ab, ob die Integrationssfägigkeit aller mit dem Wunschdenken einiger zusammenpasst. Eine Bereicherung der Gesellschsft kann also nicht herbeigeredet werden, sondern muss sichtbar sein. Neuköln ist nicht überall und Sachsen ist nicht Berlin.

  • 19
    5
    gura4
    04.09.2019

    Das ist die beste und treffendste Beschreibung der ostdeutschen „Seelenlandschaft“ die ich gelesen habe - es fehlt noch das i-Tüpfelchen "Migrationsangst".