Sensibles Agieren in sensibler Landschaft

Auch die Wälder rund um den Fichtelberg bleiben von Bruchschäden nicht verschont. Schutzgebiete machen das Arbeiten des Forstes dort aber um einiges schwieriger. Und dann tauchen mitunter auch noch Altlasten auf.

Oberwiesenthal.

Die Wälder rund um den Fichtelberg sind bei Wanderern beliebt. Der Schönjungferngrund ist einer der beliebtesten Wandersteige. Im Naturschutzgebiet gelegen, machen allerdings Sturm und Unwetter auch vor der seltenen Pflanzenwelt nicht halt. Zahlreiche entwurzelte Bäume haben den Weg teilweise unpassierbar gemacht. Die Schadensbeseitigung dort ist allerdings um einiges komplizierter als anderswo.

"Auf dem teilweise nur einen Meter breiten Weg können wir nur sehr begrenzt Technik einsetzen", erläutert Revierförster Klaus-Peter Weingardt. Stattdessen ist in dem mitunter schwierigen Gelände von den Männern vor Ort - Waldarbeiter und Mitarbeiter des städtischen Bauhofes - Handarbeit gefragt. Und: Das Holz bleibt vor Ort. Ein Abtransport aus dem Wald ist finanziell nicht zu stemmen, begründet Johannes Riedel. Er ist im Forstbezirk Neudorf für den Staatsforst verantwortlich. Aber. Er spricht von einer "naturnahen und sicheren Lösung", bei der die Wege wieder begehbar gemacht werden. Der Vorteil in der Höhenlage über 1000 Meter: der Borkenkäfer bereitet den Forstleuten in diesen Regionen nicht solche Probleme wie in tieferen Lagen. Also kann das Holz teilweise gleich wieder für den Wegebau vor Ort verwendet werden. Dafür bereitet Klaus-Peter Weingardt gegenwärtig die Ausschreibung vor. Er hofft, dass bis Ende Juli der beliebte Wandersteig wieder in Ordnung gebracht ist.

Deutlich länger wird die beiden Forstexperten dagegen der wenige Meter entfernte Fichtelchenpfad im Bereich Stümpel beschäftigen. Dort ist die Beräumung des Schadholzes schon einige Zeit abgeschlossen. Allerdings sind deren Spuren noch deutlich sichtbar. Bei der Stadtratsfraktion Einz wird von "einem Schlachtfeld" gesprochen, auf dem der "Sachsenforst dort enorm gewütet hat" und "dass die Schäden an den Wegen und Wegesrändern teilweise irreparabel sind". Dem hält Johannes Riedel entgegen: "Wir haben dort mit Forstspezialtechnik gearbeitet, die sich auf breiten Eisenbänder bewegt. Dadurch entstehen zwar oberflächliche Schäden, der Unterboden aber wird nicht beschädigt", erläutert er. Und im Normalfall könne nach der Austrocknung der etwa zehn Zentimeter dicken Schlammschicht der Weg problemlos wieder in Ordnung gebracht werden.

Am Fichtelchenpfad ist aber nun ein ganz anderes Problem aufgetaucht: "Dort ist in den 1990er-Jahren Recyclingmaterial für den Wegebau zum Einsatz gekommen - Textilien mit Beton gemischt", erklärt Johannes Riedel. Was damals als neuer Baustoff gepriesen wurde, werde mittlerweile als Gefahrstoff eingestuft. Für die Entsorgung gibt es seinen Worten nach zwei Varianten. Zum einen den Ausbau und die Entsorgung, für die es allerdings in Sachsen nur noch eine Deponie gebe. Allein die reinen Deponiekosten dafür beliefen sich auf rund 100 Euro pro Tonne. Alternativ könne das Material wasserdicht abgedeckt und asphaltiert werden. Aber auch das sei eine kostspielige Angelegenheit. "Wir haben nicht eben mal 150.000 Euro daliegen", macht Johannes Riedel deutlich. Derzeit laufe eine Studie zu den beiden Varianten. In deren Ergebnis werde entschieden, ob in diesem Jahr noch ausreichend Haushaltsmittel zur Verfügung stehen oder ob das Vorhaben in das nächste Jahr verschoben werden muss. Dabei macht er aber auch unmissverständlich deutlich: "Wir werden diesen Bereich wieder so herrichten, dass man darauf laufen kann. Alles andere wäre weder wirtschaftlich machbar noch finanziell sinnvoll. Vielmehr sei es dann auch an den beteiligten Partnern, "ihre Hausaufgaben" bezüglich des Pfades zu machen.

Der war laut Bürgermeister Mirko Ernst bis 2005 mithilfe von Gewerbetreibenden durch den Tourismusverein betrieben worden. Mit der Rückübertragung der touristischen Aufgaben an die Stadt übernahm die Fichtelberg Schwebebahn GmbH (FSB) als Tochterunternehmen der Stadt die Betreuung. "In die Jahre gekommen", sollte der Weg mit seinen verschiedenen Stationen für Kinder nun wieder erneuert werden. Neue Überdachungen für die Tafeln sind demnach bereits angefertigt. Die neuen Tafeln selbst könnten nach Inkrafttreten des neuen Haushaltes in Auftrag gegeben werden, kündigt der Bürgermeister an. Nach der Erneuerung des Weges soll ihn die FSB wieder zusammen mit Unternehmen betreiben.

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