Sie ist wohl Sachsens jüngste Zugführerin

Schon mit 12 hat Vanessa Köberlein bei der Museumsbahn in Schönheide Fahrkarten geknipst. Jetzt mit 18 ist sie Chefin, wenn es heißt: Einsteigen, bitte!

Schönheide.

Die Dienstbesprechung im Aufenthaltsraum des Lokschuppens am Bahnhof Schönheide-Süd ist zu Ende. Wie auf ein geheimes Kommando wuseln auf einmal alle zwischen Loks und Wagen der Museumsbahn hin und her. Die ersten Gäste dieses Fahrtages stehen auf den Bahnsteigen. Mittendrin eine junge Frau mit Uniformhemd und Schirmmütze, die zum Zugpersonal gehört. Bis zu ihrer Aufforderung an die Passagiere, "Einsteigen, bitte!", bleibt noch eine knappe Stunde Zeit. Und in der erzählt Vanessa Köberlein, wie es dazu kam, dass sie jetzt im Alter von 18 Jahren bei der Museumsbahn Schönheide die jüngste Zugführerin wurde - und damit wohl zu Sachsens jüngster Zugchefin.

Vanessa Köberlein kommt aus Zwickau. Ihre Eltern, Anja Kunz und Daniel Köberlein, betreiben seit 2005 den Imbissstand am Bahnhof und haben ihre Tochter bereits mit vier Jahren mit nach Schönheide genommen. "Am Anfang war sie nicht so begeistert, aber dann hat es irgendwann gefunkt", sagt die Mutter. Und so war sie schon mit zwölf Jahren beim Zugbegleitdienst eingeteilt, hat als Schaffnerin unter anderem Fahrkarten geknipst. Mit 16 begann sie die Zugführerausbildung, pünktlich zu ihrem 18. Geburtstag, nach bestandener Prüfung und Probefahrt, bekam sie dieses Jahr ihr Zertifikat.

Jetzt hat sie die Verantwortung für alle Personen, die im Zug mitfahren. Ihr Dienst beginnt damit, dass sie das Rangieren der Lok beaufsichtigt, die Wasser und Kohle aufnehmen und dann mit den Wagen verbunden werden muss. "Ich gebe dem Lokführer die Längen hoch", sagt die 18-Jährige. Der kann nämlich von seinem Führerstand aus nicht sehen, wie weit er von den Wagen noch entfernt ist. Ebenfalls zu den Aufgaben des Zugführers gehören das Verbinden der Bremsschläuche und die Bremsproben. Auf der Strecke bis Stützengrün-Neulehn - der Zug ist etwas mehr als 45 Minuten unterwegs - sind Weichen zu stellen und Abfahrtssignale nach den Halten zu geben. Weil die Türen nicht verriegeln, muss der Zugführer visuell kontrollieren, das heißt danach schauen, ob die Scheren an den Plattformen geschlossen sind. "Man muss auch mal unter die Wagen schauen, und beim Weichen umlegen bin ich gern beweglich", begründet die junge Frau, warum sie selbst bei Regen auf den schützenden Mantel verzichtet.

Die Verantwortung für den Zug zu haben, bedeutet für Vanessa auch, sich darum zu kümmern, ob technisch alles in Ordnung ist. Wenn Lokführer Maik Förster ihr zuruft, dass "irgendwas zutscht", heißt das für sie, die Kupplungen zu überprüfen und nach den Bremsschläuchen zu schauen. Zutschen meint, dass Luft in die Schläuche gezogen wird, was nicht sein darf, weil die mit Vakuum funktionieren. Vanessa Köberlein kann Entwarnung geben: Sie hat kein Problem festgestellt. "Das Vertrauen zwischen Lokführer und Zugführer ist sehr wichtig, ohne das würde es gar nicht funktionieren", sagt die 18-Jährige. Dass die Männer, denen sie Anweisungen gibt, deutlich älter sind als sie und mehr Erfahrung haben, stellt für sie kein Problem dar. "Der Altersunterschied fällt gar nicht so auf, weil wir alle die gleichen Interessen haben", meint die 18-Jährige.

Umgekehrt zollen auch die Älteren ihr Respekt. "Sie war eine sehr gute Schülerin, die alles wissen will", sagt Matthias Büttner, Betriebsleiter bei der Museumsbahn. Bestätigt wird das von Ingo Dorbrietz, der einer ihrer Ausbilder war. Jetzt fährt er als Schaffner mit, wenn seine Schülerin Chefin auf dem Zug ist. Insgesamt gibt es laut Büttner sechs Zugführer, ausgebildet wird in Schönheide immer. Vanessa möchte gern ihre Ausbildung fortsetzen, sie möchte auch Lokführerin sein. Zurzeit absolviert sie außerdem noch eine Lehre zum Sozialassistenten und hofft auf eine Arbeitsstelle bei der Stadt Zwickau in der Jugendbetreuung. "Ich glaube schon, dass ich das alles auf die Reihe bekomme. Für mich ist die Arbeit im Verein auch ein Ausgleich, hier kann ich technisches Verständnis einbringen und soziales Engagement."

Wenn Fahrtage bei der Museumsbahn sind, verkehrt der Zug zwischen Schönheide-Süd und Stützengrün-Neulehn siebenmal. Viermal wird unterwegs Halt gemacht. Die Zugführerin muss immer raus auf den Bahnsteig, bei jedem Wetter. "Klar, im Sommer ist der Dienst am angenehmsten, aber die Fahrt ist am schönsten, wenn sie durch eine Winterlandschaft geht", sagt sie.

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