Auf den Spuren des Vaters: Gold für Alexander Czudaj

26 Jahre nach dem Olympiasieg von Vater Harald gewinnt Sohn Alexander Czudaj bei den olympischen Jugendspielen Gold. Dabei hatte der Senior nie gewollt, dass der Junior in einen Bob steigt.

St. Moritz.

Auf den Spuren des berühmten Papas hat Alexander Czudaj bei den Olympischen Jugend-Winterspielen seinen ersten großen Titel eingefahren. Der 17-jährige Filius von Harald Czudaj raste am Montag im Monobob die Naturbahn in St. Moritz herab und gewann Gold. Vor 26 Jahren war sein Vater in Lillehammer zum Olympiasieg im Viererbob gefahren.

"Megageil! Das toppt einfach alles. Ich habe eine kleine Verletzung und hatte nicht gedacht, dass es zu Gold reicht", sagte Alexander Czudaj, der erst seit dem vergangenen Winter im Bob sitzt. Im zweiten Lauf hatte er es noch einmal richtig spannend gemacht. Nach überlegener Führung siegte Czudaj trotz einer Zerrung am Ende zeitgleich mit dem Rumänen Andrei Nica.

Czudajs sportliche Karriere startete in der Leichtathletik beim SV Elbland. Als Speer- und Diskuswerfer machte er eine gute Figur, hatte aber Probleme mit dem Wurfarm. Nun ist im Eiskanal das Fingerspitzengefühl an den Lenkseilen gefragt. "Er ist ein großer Junge mit enormen Hebeln, er wird die Talente seines Papas weit überbieten", sagte Gerd Leopold. Er muss es wissen. Der Erfolgstrainer führte Papa Harald als Coach 1994 zum Olympiasieg und formte danach Francesco Friedrich zum Doppel-Olympiasieger. Der heutige Bundestrainer steht für den Aufstieg des BSC Sachsen Oberbärenburg.

Alexander Czudaj kennt er von kleinauf, es ist fast eine familiäre Bindung. Papa Czudaj und Leopold betreiben zusammen zwei Fitness-Center in Riesa und Coswig. Unverblümt vergleicht Leopold das Talent zwischen Jung und Alt. Athletisch gesehen sei Harald nicht gerade begnadet gewesen, meinte der erfahrene Coach. In diesem Punkt habe der junge Czudaj "eine wesentlich bessere Ausgangssituation. Nun muss er Ehrgeiz und Leidenschaft draufpacken, dann wird er in eine gute Richtung marschieren", sagte Leopold. "Was die Bahn betrifft, da hat Alexander das fahrerische Talent vom Papa geerbt."

Daher korrigiert der 56-jährige Czudaj auch ab und zu die Fahrlinie. Auch diesmal stand er an der Bahn im Schweizer Engadin, wo er jede Ein- und Ausfahrt der Kurven kennt. Immerhin wurde er 1990 in St. Moritz Vizeweltmeister im Zweier- und Viererbob. Nach der Anfangsausbildung im Monobob geht es für Alexander Czudaj noch in diesem Jahr mit der Pilotenschule im Zweierbob weiter. "Wenn er durchgeht, kann er im nächsten Winter bei den Großen mitfahren", sagte Leopold.

Vater Harald freut sich mittlerweile über die Entwicklung seines Filius. Anfangs war er dagegen, dass Alexander in seine Fußstapfen tritt. "Ich wollte eigentlich nicht, dass er Bob fährt, denn ich kenne die Risiken im Eiskanal", meinte Czudaj Senior, der gerade auf der WM-Bahn in Altenberg viele schwere Stürze von Toppiloten erlebte.dpa


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