Beim zehnten Streich feiert der Bruder mit

Marc Marquez hat seine Siegesserie auf dem Sachsenring ausgebaut. Erstmals konnte auch sein Bruder Alex in Deutschland gewinnen. Für beide stehen nach dem Erfolg die Chancen gut, Weltmeister zu werden.

Hohenstein-Ernstthal.

Hohenstein-Ernstthal Neuer Streckenrekord, zehnte Pole-Position in Folge, zehnter Sieg in Serie: Marc Marquez hat den Sachsenring-Grand-Prix erneut dominiert. Nachdem er beim Rennen der MotoGP-Klasse mit einem Vorsprung von viereinhalb Sekunden über die Ziellinie gerollt war, stürzte sich der Spanier in die Fanmassen, verspritzte den ersten Sekt bereits auf der Ehrenrunde, die er anschließend mit einer aufblasbaren Zehn fortsetzte. "Mein Plan war klar, und ich habe ihn genau eingehalten. Ich wollte das Rennen vom Start weg bis zum Ende anführen", sagte der HondaPilot. "Jetzt bin ich sehr happy."

Mit dem zehnten Erfolg - davon sieben in der Königsklasse - fehlt dem 26-Jährigen nur noch ein Sieg, um in der ewigen Tabelle der Sachsenring-Sieger mit dem italienischen Rekordweltmeister Giacomo Agostini gleichzuziehen.

"Ich freue mich auf die Sommerpause, denn mein Bruder hat ja auch gewonnen", sagte der amtierende Weltmeister freudestrahlend. Das ein oder andere Kaltgetränk mehr dürfte schon am Sonntagabend im Kreise der Familie Marquez die Kehlen heruntergelaufen sein. Denn bevor Marc Marquez sich den Rennanzug überstreifte, hatte er mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Alex dessen Erfolg in der Moto2 bejubelt. Sie sind damit das erste Geschwisterpaar, dem am Sachsenring hintereinanderweg Grand-Prix-Siege in unterschiedlichen Klassen glückte.
In der Boxengasse sprang Vater Julian Marquez gleich zweimal stolz in die Luft. Ganz ungewohnt ist der familiäre Zweifacherfolg für ihn allerdings nicht. In dieser Saison standen seine Söhne bereits zum dritten Mal an einem Rennwochenende ganz oben auf dem Podium. 2014 wurden sie sogar als erstes Geschwisterpaar gemeinsam in einer Saison Weltmeister - Marc in der MotoGP, Alex in der Moto3.
Spätestens da hatten sich die 3000 Euro gelohnt, die der einstige Baggerfahrer Julian Marquez vor etwa 18 Jahren investiert hatte, damit sich sein älterer Sohn Marc nach ersten Schritten im Motocross und Enduro auch auf den asphaltierten Rundkursen ausprobieren konnte. Alex Marquez folgte im Windschatten seines Bruders, erst im Nachwuchs dann im Grand-Prix-Zirkus.

Der Jüngere kann auf die Hilfe des Älteren setzen. Als Alex vergangenes Jahr häufig stürzte und sich Kritik gefallen lassen musste, stellte sich Marc demonstrativ vor ihn: "Man kann lernen, sanfter und sicherer zu fahren. Aber man kann es nicht lernen, schneller zu fahren - und er fährt mittlerweile richtig schnell."

Und Alex Marquez weiß die Unterstützung zu schätzen: "Ich finde es super, einen Bruder zu haben, der mich jeden Tag mit Ratschlägen unterstützt, sodass ich jeden Tag besser werden kann. Vor allem macht es mich extrem stolz, dass er MotoGP-Weltmeister ist."
Doch auch der Ältere profitiert vom Jüngeren: "Es ist einfach, wenn dein Bruder auch Rennfahrer ist. Nicht nur an der Strecke, auch daheim. Wenn du trainierst, bist du nie allein. Wenn du ein Problem hast, dann ist da dein Bruder, du vertraust ihm mehr und erzählst alles." Auch Mutter Rosear Marquez erzählt in spanischen Medien von einer gesunden Rivalität ihrer Jungs.

Fest steht: Marc legt ungeheuer vor. Mit gerade einmal 26 Jahren ist er dank 58 Zählern Vorsprung zur Sommerpause auf einem komfortablen Weg zu seinem achten WM-Titel, dem sechsten in der Königsklasse. 75 Grands Prix entschied der Katalane bereits für sich und schloss so in der historischen Bestenliste zum Viertplatzierten Mike Hailwood (76 GP-Erfolge) auf.

In dieser Saison ruft auch Alex Marquez seine Leistungen konstant ab, steht nun bei vier Saisonsiegen und eroberte sich am Sachsenring die WM-Führung zurück. Der Vorsprung auf den Schweizer Tom Lüthi beträgt nun acht Punkte.

Eine zweite Doppel-WM der Marquez-Brüder wäre vermutlich die letzte. Denn Alex Marquez gilt als heißester Kandidat für einen Aufstieg in die MotoGP-Klasse. Sollte es so kommen, könnte der Jüngere auf der Strecke zeigen, dass er dem Älteren in nichts nachsteht. "Der Tag wird kommen, an dem er mich überholt", prophezeite Marc Marquez schon vor dieser Saison. Zumindest für die Rennen auf dem Sachsenring darf man das bezweifeln.

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