Biathlon-Weltverband: Vier Dopingverstöße im russischen Team

Russland und dem Biathlon-Weltverband IBU stehen offenbar weitere Doping-Fälle bevor. Die IBU gab am Donnerstag in einer Pressemitteilung bekannt, dass sie den russischen Verband RBU und vier russische Athleten über eine Verletzung der Anti-Doping-Regeln in Kenntnis gesetzt habe.

Die Russen haben nun 14 Tage Zeit, auf die Vorwürfe zu reagieren. Wird der Anti-Doping-Regelverstoß nicht als solcher akzeptiert, werden die Fälle offiziell an das Anti-Doping-Panel der IBU weitergeleitet.

Weitere Details, etwa ob es sich bei den Beschuldigten um Frauen oder Männer handelt, gab die IBU nicht bekannt. Der Verband betonte, dass er vorerst keine weiterführenden Informationen preisgeben werde.

Die neue Dopingaffäre ist aus mehreren Gründen heikel. Die IBU, die ab 7. September im kroatischen Porec zu ihrem Wahlkongress zusammentrifft, befindet sich seit Monaten in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Anfang April war öffentlich geworden, dass seit Ende 2017 Ermittlungen der österreichischen Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien wegen Doping- und Betrugsverdachts sowie Geschenkannahme laufen. Die Ermittlungen richten sich gegen den ehemaligen Präsidenten Anders Besseberg und die deutsche Generalsekretärin Nicole Resch, die ihr Amt ruhen lässt, sowie russische Sportler und Betreuer.

Das Internationale Olympische Komitee IOC hatte daraufhin alle Zahlungen an die IBU eingestellt. Die Zuwendungen sollen erst dann fortgesetzt werden, wenn der Biathlon-Weltverband unter anderem einen neuen Präsidenten gewählt und seine Anti-Doping-Verfahren reformiert habe, hieß es von Seiten des IOC. Die Präsidentenwahl findet nun in Porec statt.

Korrupte Funktionäre im Weltverband sollen seit 2011 65 vor allem russische Dopingfälle vertuscht haben, auch im Rahmen der WM 2017 in Hochfilzen. Der Norweger Besseberg, so hieß es in einem internen Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, soll sich als Gegenleistung für die Forcierung der WM-Vergabe an die russische Stadt Tjumen unter anderem mit bezahlten Jagdausflügen bestechen lassen haben.

Für Russland kämen weitere Dopingfälle zur Unzeit. Das Riesenreich hofft, am 20. September bei einer WADA-Sitzung auf den Seychellen wieder in das weltweit höchste Anti-Doping-Gremium aufgenommen zu werden. Im November 2015 war die russische Anti-Doping-Agentur RUSADA nach der Aufdeckung des Staatsdopingskandals um die Winterspiele in Sotschi von der WADA als "non-compliant" (nicht regelkonform) eingestuft worden.

Als Voraussetzung für eine Wiederaufnahme fordert die WADA unter anderem eine öffentliche Anerkennung des McLaren-Reports, der Russland ein institutionalisiertes Dopingsystem attestierte, sowie den uneingeschränkten Zugang zum Moskauer Anti-Doping-Labor. Beides ist bislang nicht geschehen.

Das IOC hatte Russland dagegen unmittelbar nach den Winterspielen 2018 in Pyeongchang, wo russische Athleten nur unter neutraler Flagge antreten durften, wieder mit allen Rechten ausgestattet.

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