Breitkreuz' Comeback einziger Lichtblick

Keine Chance hatte Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge gegen den Hamburger SV. Das lag an der Stärke des Favoriten, aber auch an den vielen Unzulänglichkeiten der Sachsen. Nur ein Auer konnte dem Match etwas Positives abgewinnen.

Hamburg.

Mit einer 0:3 (0:1)-Packung reisten die Zweitligafußballer des FC Erzgebirge Aue am Mittwochabend aus dem Volksparkstadion ab. Ein verdienter Sieg des neuen Tabellenführers - da waren sich alle einig. Wasden Auftritt der Gäste anbelangt, gab es leicht unterschiedliche Ansichten. "Wir haben alles in die Waagschale geworfen, 100 Prozent gegeben", meinte etwa Louis Samson, "mehr kann man von uns nicht erwarten."

Ein bisschen mehr schon. Das dachte auch sein Trainer Dirk Schuster. "Wenn ich mir die Gegentore anschaue, wird mir schlecht. Wir haben die Treffer mit haarsträubenden Fehlern begünstigt", wetterte der 52-Jährige kurz nach Schlusspfiff. Schuster bezog das sogar auch auf das 1:0 der Hamburger durch Wintzheimer, bei dem die Hanseaten die FCE-Hintermannschaft mit einem Doppelpass und einer Hackenablage von Kittel gekonnt ausmanövrierten. Auf das zweite Gegentor, bei dem Torschütze Kittel von der Auer Defensive völlig vergessen wurde, sowie auf das dritte, von Narey als Abstauber nach Hunts Freistoßknaller an den Pfosten erzielt, trifft es in jeden Fall zu. Der Hamburger war wach und setzte nach, alle Auer verharrten in Schockstarre. Und der erneut gute Männel war wieder geschlagen.

Probleme, das schnelle Hamburger Kombinationsspiel über beide Flügel zu bremsen, hatten die Veilchen von Beginn an. Daran änderte auch Schusters Umstellung, mit der er die Außendeckung stabilisierte und Samson dafür weiter vor ins Mittelfeld schob, nur wenig. Die Hausherren waren über 90 Minuten spritziger, ideenreicher und - das ist vielleicht die unangenehmste Erkenntnis - auch in den Zweikämpfen überlegen. "Wir nehmen zwar keine Punkte aber schon ein paar wichtige Erkenntnisse für die kommenden Aufgaben aus Hamburg mit", so Schuster weiter.

Zum Beispiel die Erkenntnis, dass er mit Steve Breitkreuz wieder eine echte Alternative in der Abwehr hat. Nach 535 Tagen streifte der 28-Jährige wieder das Veilchen-Trikot über, bot nach anderthalb Jahren Leidenszeit wegen einer komplizierten Knieverletzung keine überragende, aber eine sehr solide Leistung. "Mir hätten auch nur fünf Minuten Einsatzzeit gereicht, damit ich das Feeling aufsaugen und wieder dabei sein kann. Dafür, dass ich 90 Minuten spielen durfte, bin ich umso glücklicher." Zum Resultat meinte er nüchtern: "Die Hamburger haben einfach soviel Qualität in ihrer Mannschaft, das ist für uns nicht zu verteidigen gewesen. Wir können trotz des Ergebnisses noch in den Spiegel schauen." "Steve hat seine ersten 90 Minuten nach über einjähriger Pause sehr positiv gestaltet. Er steht uns als weitere Alternative zur Verfügung und erhöht die Flexibilität", lobte auch Schuster.

Wie gut Breitkreuz' Knie und der gesamte Körper die erste wirkliche Belastungsprobe nach so langer Zeit verkraftet haben, muss sich noch zeigen. "Das weiß man immer erst zwei Tage später", meinte der Comebacker, der deswegen auch noch nicht weiß, ob er am Sonntagnachmittag beim VfL Bochum (Anstoß 13.30 Uhr) schon wieder fähig für ein ganzes Match sein wird. Für die Erzgebirger wahrscheinlich eher als der Hamburger SV ein Gegner, mit dem sie sich auf Augenhöhe bewegen. "Wir müssen uns wieder mehr zutrauen und uns auf unsere eigenen Stärken besinnen. Dann wird es ein ganz anderes Spiel", blickte Samson voraus.

Zu den Auer Stärken gehörte in den ersten drei Saisonspielen ein gefährliches Angriffsspiel. Am Mittwoch gab es davon nichts zu sehen. Im gesamten Match hatte Schusters Truppe dort durch Philipp Riese eine einzige Torchance. Es war auf dem Papier ein Spitzenspiel, eine Spitzenmannschaft ist der FC Erzgebirge (noch) nicht.

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