Bremerhaven träumt vom Titel: Der DEL-Underdog wird mutig

Im dritten Jahr nach dem Aufstieg in die Deutsche Eishockey Liga sind die Fischtown Pinguins auf Playoff-Kurs. Der Trainer, eine intakte Mannschaft und eine überragende Trefferquote bei den Neuzugängen machen aus einem Außenseiter plötzlich einen Meisterschaftsanwärter.

Bremerhaven (dpa) - Jetzt träumen die Fischtown Pinguins sogar schon vom Titelgewinn in der Deutschen Eishockey Liga. Seit zweieinhalb Jahren mischt der Underdog aus Bremerhaven die höchste deutsche Spielklasse auf, im Schatten der Top-Vereine aus München oder Berlin.

Mit Platz vier nach 41 Spieltagen wird der Club in der dritten Saison nach dem Aufstieg immer mutiger. «69 Punkte, 134 Tore, die Zahlen sprechen für sich. Das toppt alles», erklärte Bremerhavens Team-Manager Alfred Prey im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Nach zwei Playoff-Teilnahmen winkt auch im dritten Jahr die begehrte K.o.-Runde. Dies schaffte zuvor kein Club in seinen ersten drei DEL-Jahren. Genau das lässt auch das Selbstvertrauen bei den Pinguins-Profis immer größer werden. Vor dem Duell bei den Kölner Haien am Donnerstag hält Kapitän Mike Moore sogar den Titelgewinn für möglich. «Daran glauben wir», erklärte der 34 Jahre alte Routinier. «Bei uns in der Mannschaft ist das durchaus ein Thema.» Manager Prey bremst dagegen: «Ich höre so etwas sehr gerne, aber wir als Verantwortliche müssen auf dem Boden bleiben. Das steht uns am besten.»

Doch wie gelingen dem Club, der 2016 die Lizenz von den Hamburg Freezers übernahm, mit dem laut Prey «mit Abstand geringsten Budget in der Liga» (rund vier Millionen Euro) Jahr für Jahr in der DEL diese Überraschungen? Einer der Hauptgründe für die Erfolge ist Trainer Thomas Popiesch. Als es in den vergangenen Monaten um die Nachfolge von Bundestrainer Marco Sturm ging, stand auch der 53-Jährige auf der Kandidatenliste des Deutsche Eishockey-Bundes. «Ein größeres Kompliment gibt es nicht. Aber wir wussten: Die Verbindung ist so gewachsen, da wird nichts passieren», beschrieb Prey die Zusammenarbeit mit dem Trainer.

Nur Volltreffer gab es auch bei den Neuzugängen. So verpflichteten die Norddeutschen meist Spieler aus unterklassigen Ligen, die die anderen 13 DEL-Clubs als nicht interessant eingestuft hatten. «Wir fischen in Teichen, in denen die anderen nicht angeln», sagte Prey. Zwar verliert der Club nach jeder Saison seine besten Spieler, doch der Ersatz ist meist mehr als adäquat. «Viele Spieler wissen jetzt: Sie können sich bei uns für große Clubs bewerben oder es ist der Last Exit, der letzte Schritt vor dem Karriere-Ende», erklärte der 64-Jährige.

Aber: In den vergangenen beiden Jahren schnappte sich die zahlungskräftige Konkurrenz vor jeder Saison die besten Pinguins-Profis. Gerne vergleicht Prey in diesem Fall seinen Club deswegen mit einem Lebensmittelladen. «Da fährt man dann durch und holt die Spieler, die man haben will. Wir haben da keine Chance, weil jeder mehr bezahlen kann», betonte er. Doch am Ende kommt es auf die Chemie im Team an. «Hier funktionieren wir sehr gut», sagte Coach Popiesch. «Die Spieler wissen genau: Wenn sie gut arbeiten, haben sie in jedem Match eine Sieg-Chance.»

Auch in der «Eishockey-Stadt» Bremerhaven (Prey) wird die Euphorie rund um die Pinguins Jahr für Jahr größer. Die Heimspiele in der heimischen Eis-Arena sind mit 4647 Zuschauern so gut wie immer ausverkauft. Zum Auswärtsspiel nach Augsburg (2:3) reisten am vergangenen Sonntag über 600 Fans per Sonderzug an. Auf der mehrstündigen Rückfahrt nach Bremerhaven begleiteten Trainer Popiesch und vier angeschlagene Profis die Anhänger im Zug und feierten mit ihnen. «Das ist hier normal. Unsere Fans sind unser größtes Kapital. Wir sind sozusagen ein Familienunternehmen», erklärte Prey.

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