Caster Semenya hält Hormonsenkung für illegale Methode

800-Meter-Olympiasiegerin Caster Semenya will die IAAF-Regel zu Testosteron-Limits nicht befolgen und wohl auf eine andere Strecke wechseln. IOC-Präsident Thomas Bach bekundete nach dem CAS-Urteil Sympathie mit ihr, hat aber keine Lösung für den delikaten Fall.

Doha (dpa) - Olympiasiegerin Caster Semenya will weiter laufen, weiter um ihr Recht kämpfen - und sich dem Leichtathletik-Weltverband nicht fügen.

Strikt weigert sich die 28 Jahre alte Südafrikanerin wie verlangt, Medikamente zur Reduzierung ihres Testosteronwertes zu nehmen, um weiter über 800 Meter auf Titel- und Medaillenjagd gehen zu dürfen. «Zur Hölle, nein», sagte Semenya nach ihrem Sieg beim Diamond-League-Meeting in Doha. «Das ist eine illegale Methode.» Sie war zwei Tage nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs zum Startrecht für intersexuelle Athleten im Wüstenstaat die zwei Runden in 1:54,98 Minuten gelaufen.

Nach der CAS-Entscheidung wird vom 8. Mai die IAAF-Regel 141 für intersexuelle Läufer gelten, die auf Strecken zwischen 400 Meter und einer Meile (1609 Meter) antreten. Sie müssen von dem Zeitpunkt an ihren Testosteron-Spiegel auf 5 Nanomol pro Liter Blut zu senken.

Unterstützt wird die Weigerung Semenyas, eine entsprechende Behandlung nicht vornehmen zu lassen, von der World Medical Association (WMA). Sie hatte ihre Mitglieder aus 114 Ländern aufgefordert, keine Medikamente zu verabreichen, die den Testosteronspiegel bei Sportlerinnen senken. Wie WMA-Präsident Leonid Eidelman sagte, habe sein Verband eine «starke Reserviertheit gegenüber der ethischen Gültigkeit» der IAAF-Regel. Er kritisierte zudem die wissenschaftliche Studie, die Grundlage der Bestimmung ist, als «schwachen Beweis», die auf nur einer Untersuchung basiere.

Die dreimalige Weltmeisterin von 2009, 2011 und 2017 will auf jeden Fall weiterlaufen. «Gott hat über meine Karriere entschieden, Gott wird sie beenden. Kein Mann kann mich am Laufen hindern», betonte Semenya. «Von 100 bis 5000 Meter kann ich alles laufen.» Wahrscheinlich ist, dass sie bei der WM Ende September in Doha auf die 5000 Meter wechselt, für die die IAAF-Regel nicht gilt. «Warum soll ich mit 28 Jahren aufhören? Ich fühle mich jung und voller Energie», bekräftigte sie und nannte einen weiteren Beweggrund, nicht aufzugeben: «Es ist mehr als nur Sport. Es geht um Menschenwürde, um Stolz. Die Leute kämpfen gegen mich, ich bekämpfe sie nicht.»

Unterdessen hat IOC-Präsident Thomas Bach «eine Menge Sympathie» für Caster Semenya bekundet. «Der Fall ist extrem komplex», sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees am Samstag in Sydney, «extrem delikat und extrem schwierig darüber zu richten.» Das IOC respektiere die CAS-Entscheidung, aber es gebe auch eine menschliche Sicht: «Ja, ich habe Sympathie für sie.»

Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Jürgen Kessing, sagte im Deutschlandfunk, dass er die IAAF-Regel nicht als «diskriminierend» bezeichnen würde. Mit ihr würde ein großer Teil der Athletinnen in ihrem Leistungsbestreben geschützt. Mit Blick auf die von der IAAF empfohlene Einnahme Testosteron-senkender Medikamente sagte Kessing, ihm fehle derzeit eine Idee, die Chancengleichheit auf andere Art herzustellen. Auf lange Sicht werde man aber wohl mit den beiden Klassifizierungen «männlich» und «weiblich» nicht mehr hinkommen. Eine dritte Option, wie etwa «divers» könnte im Sport auch noch kommen. Noch sehe er dafür keine Notwendigkeit. «Die Zahl der Betroffenen ist noch nicht so groß, dass es ein großes Problem wäre.»

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