CFC-Vorstand: "Wir setzen auf Bescheidenheit"

Thomas Sobotzik, verantwortlich für Sport und Finanzen, über die Personalrochaden im Verein, die Qualität des Kaders und offene Baustellen

Chemnitz.

Seit Anfang Mai ist Thomas Sobotzik als Vorstand für Sport und Finanzen der neue starke Mann beim in die vierte Liga abgestiegenen und insolventen Chemnitzer FC. Thomas Scholze sprach mit dem 43 Jahre alten gebürtigen Polen.

Freie Presse: Anfang der Woche gab es mal wieder großes Stühlerücken in der CFC-Chefetage. Insolvenzverwalter Klaus Siemon hat Aufsichtsratschef Uwe Bauch und den Vorstandsvorsitzenden Andreas Georgi suspendiert. Ist das beim Anspruch des Clubs, neues Vertrauen zu schaffen, nicht kontraproduktiv?

Thomas Sobotzik: Ganz im Gegenteil, es geht hier um die Interessen des CFC insgesamt und nicht um einzelne Personen. Es ist ein Zeichen des Neuanfangs notwendig gewesen, den Mitglieder, Sponsoren und wichtige Partner auch personell gefordert und ihre weitere Unterstützung von diesen Maßnahmen abhängig gemacht haben. Zahlreiche Versuche, das einvernehmlich zu erreichen, scheiterten leider am fehlenden Willen der Beteiligten.

Der CFC hat 27 Spieler unter Vertrag, 18 davon sind Neuzugänge von anderen Vereinen, der Kader ist komplett. Sind Sie mit Ihrer Arbeit zufrieden?

Es ist ja nicht nur meine Arbeit. Aber ja: Wir sind zufrieden. Wir haben einen schlagkräftigen Kader beisammen. Jetzt ist die Herausforderung, daraus eine homogene Mannschaft zu formen.

Was war für Sie das wichtigste Kriterium bei der Auswahl der Neuzugänge?

Mentalität und Charakter. Wir haben Spieler gesucht, die sich mit der Aufgabe hier in Chemnitz identifizieren, keine, die bleiben oder kommen, weil sich gerade nichts anderes ergeben hat.

Haben Sie aus diesen Gründen sportlich interessante Leute weggeschickt?

Ja. Wir - also die Trainer und ich - haben mit jedem Kandidaten beisammengesessen und auch diesen Punkt besprochen. In zwei Fällen war es so, dass wir uns nach dem Gespräch in die Augen geschaut und gesagt haben: Nein, es passt doch nicht. Und es gibt natürlich andersherum auch Spieler, die wir gern verpflichtet hätten, aber nicht bekommen haben.

Gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit hatten Sie sich festgelegt, dass David Bergner trotz der ka- tastrophalen letzten Saison Trainer bleibt. Warum so fix?

Wir haben die vergangene Saison analysiert und nach den Gründen für die sportliche Misere gesucht. Ich war und bin nach wie vor zu 100 Prozent überzeugt, dass das Problem nicht beim Trainerteam zu finden ist. Der CFC hatte zuvor mit Horst Steffen einen fachlich exzellenten Trainer mit einem hervorragenden Ruf in der Branche. Er hat es auch nicht hinbekommen. David Bergner kam in einer sehr schwierigen Situation, hat aus meiner Sicht noch das Beste daraus gemacht, gerade wenn man die Auftritte des CFC mit denen von Rot-Weiß Erfurt vergleicht. Dazwischen liegen Welten. David Bergner und Sreto Ristic gehen den Neuaufbau mit ganzer Kraft an, sie sind die richtigen Männer für diese Aufgabe. Und bei der ganzen Unruhe im Verein war mir Kontinuität an dieser Stelle auch wichtig. Und diese Entscheidung war auch ein Anker für Leute wie Daniel Frahn und Dennis Grote.

Sind die Erwartungen an diese zwei Routiniers besonders hoch?

Das ergibt sich automatisch. Beide haben einen anderen Stellenwert in der Mannschaft, sollen Führungsspieler und Leistungsträger sein. Aber ich will sie jetzt auch nicht überfordern und Dinge einfordern, die sie nicht leisten können.

Sie hatten etwas weniger als zwei Millionen Euro für den Regionalligakader zur Verfügung - sind Sie in Ihrem Budget geblieben?

Klar. Ich hatte auch gar keine Möglichkeit. Alles, was ich hier aushandele, muss der Insolvenzverwalter absegnen. Und auch er kann das schon aus rein rechtlicher Sicht nur, wenn wir innerhalb des Budgets bleiben.

Es gibt die Unterstellung, Sie seien nur hier, weil Sie mit Klaus Siemon schon lange gut befreundet seien ...

Das ist absoluter Quatsch. Ich kenne ihn seit April dieses Jahres, da haben wir uns das erste Mal gesehen.

Woher kommt denn das Geld für den CFC?

Wir finanzieren uns zu zwei Dritteln aus Werbeeinnahmen. Angestrebt sind rund 2,5 Millionen Euro, dazu fehlen noch rund 400.000 Euro. Diese Lücke werden wir noch schließen, wir sind mit vielen potenziellen Sponsoren in Gesprächen, es sind aber noch nicht alle Verträge unterschrieben. Die zweite Säule sind die Zuschauereinnahmen. Wir planen da sehr konservativ mit einem Schnitt von 3500 Besuchern pro Heimspiel. Wir haben für diese Kalkulation Vergleichszahlen aus früheren Regionalligazeiten des CFC im alten Stadion verwendet. Mindestens 3500 sind immer gekommen.

Und vom Fernsehen gibt es auch noch Geld ...

13.000 Euro für die komplette Saison, in zwei Raten.

Beim Spiel gegen Dynamo am Sonntag war die Brust der Spieler noch blank. Wie läuft die Suche nach einem Trikotsponsor?

Das ist unsere kleinste Baustelle. Dafür haben wir mehrere Interessenten. Es geht noch darum, das für uns günstigste Gesamtpaket zu schnüren.

2016 wollten Sie Manager bei Eintracht Frankfurt werden, den Job hat Fredi Bobic bekommen. Wie sind Sie seitdem am Ball geblieben?

Ich habe mich weitergebildet, bei Vereinen in Deutschland und im Ausland hospitiert, Strukturen analysiert. Ich habe mir vor allem kleinere Clubs angeschaut, die aus wenig viel machen - in Norwegen oder in Basel zum Beispiel. Ich habe gelernt, wie eine Scoutingabteilung bei Vereinen aufgebaut ist, die Jahr für Jahr Transferüberschüsse erzielen. Und ich habe mein Netzwerk gepflegt. Viele aus meiner Spielergeneration sind heute Trainer, Berater, Manager, Scouts - Kontakte, die sehr nützlich sein können.

Der CFC ist Ihr Einstieg ins Fußballgeschäft?

Ja. Es ist ja auch mein erster Job in dieser Branche. Mein Vertrag läuft über drei Jahre, aber ich kann mir durchaus vorstellen, länger zu bleiben.

Der Umzug der Geschäftsstelle ins Stadion hat welchen Zweck?

Die Räumlichkeiten hier sind einfach besser geeignet, um Gesprächspartner zu empfangen. Das Ambiente ist ein anderes als im Sportforum, wo während einer Unterhaltung Spieler mit dem Handtuch um die Hüfte vorbeikommen.

Was hat das Spiel gegen Dynamo dem CFC finanziell eingebracht?

Einen hohen fünfstelligen Betrag, dank der 5187 Zuschauer, die gekommen sind. Es hilft auf alle Fälle, aber das Ergebnis hätte noch besser ausfallen können.

Inwiefern?

Wir haben das Spiel schlecht bzw. gar nicht vermarktet. Wir haben es nicht geschafft, den Charakter der Partie als Benefizspiel zu bewerben, bei dem es wirklich darum ging, dem Verein finanziell zu helfen. So war es ein normales Testspiel.

Es hakt in der Organisation?

Ja, dafür bitte ich um Verständnis. Wir erledigen alle Aufgaben, die vorher ausgelagert waren, wieder selbst, eben auch die Vermarktung, die vorher eine vermeintlich professionelle Firma verantwortet hat. Jeder Cent, der jetzt erwirtschaftet wird, bleibt in der Kasse der CFC.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Saison, in der der Meister ja ohne Relegation direkt aufsteigt?

Nachdem hier jahrelang große Ziele offensiv propagiert wurden, setzen wir jetzt auf Bescheidenheit. Wir wollen natürlich oben mitspielen, werden aber keinen Druck aufbauen. Wichtig ist, dass die Jungs den Ehrgeiz haben, jedes Spiel gewinnen zu wollen. Siege können dann zu einer Droge werden. Ich habe den Spielern gesagt: Profifußballer zur sein, ist ein Privileg, man gehört zu Elite. Auch in der vierten Liga ist das noch so. Es gibt jeden Tage zehn andere, die deinen Platz haben wollen, du musst dich immer behaupten.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 6 Bewertungen
2Kommentare
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  • 1
    3
    Zeitungss
    12.07.2018

    HOFFNUNGSLOS, wäre wohl der passende und auch richtige Ausdruck. Ob der Steuerzahler der Stadt Chemnitz doch noch einmal aufwacht, nun ja, ich glaube nicht mehr daran und als Außenstehender muss ich es auch nicht. Kohle versenken ist demnach gar nicht so schwer, wenn das Volk stillhält, was es leider auch macht.

  • 5
    5
    acals
    12.07.2018

    Die Brust der Spieler war noch blank. Was gibt's fuer einen Trikotsponsor?

    Jeder Sponsor hat natuerlich den Anspruch auf dem Trikot zu erscheinen, vor allem der Hauptsponsor.
    Es sollte aus meiner Sicht Herzensangelegenheit sein das der CFC auf der Trikotbrust - und hier auf Herzhoehe- in die Trikots einsticken laesst: " Dieser Verein wurde mit oeffentlichen Geldern der Stadt Chemnitz gefoerdert."

    Eine solche Regelung gilt, der ein oder andere wird es sicherlich schon einmal gesehen haben, bei all den Projekten die mit oeffentlichen Geldern gefoerdert wurden, seien diese Mittel aus EU, Bundes- o.a. Landesmitteln.

    So einzusticken ist also 1. Recht bzw. Rechtsvorschrift, 2. angewandte Praxis und 3. fuer den CFC auch billig.

    Nur sehr grosse Spoetter wurden meinen das hinter der Aussage diesbezueglich "... es geht noch darum, das fuer UNS guenstigste Gesamtpaket zu schnueren ..." der Geist der "Aera von Herrn Haenel" weiterlebt, der CFC nichts dazugelernt hat und der groesste Sponsor - der Chemnitzer Steuerzahler- dauerhaft und rechtswidrig negiert wird.



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