Christina Schwanitz lässt die Kugeln wieder fliegen

Die Europameisterin steht wieder im Training, das Projekt "Titelverteidigung" ist durch ihren Autounfall offenbar nicht gefährdet. Erleichtert ist sie aber vor allem aus einem Grund.

Chemnitz.

Fünf Tage nach ihrem schweren Auffahrunfall lässt Christina Schwanitz die Kugeln wieder fliegen. In der Halle im Chemnitzer Sportforum absolvierte sie am Donnerstag ihre erste Trainingseinheit im Ring. "Das Gefühl fehlt noch ein bisschen. Es ist eine Mischung aus Gewohnheit und Freude sowie Unsicherheit und ein paar Fragezeichen. Nach der Mutterschaft wieder mit dem Sport anzufangen war leichter", sagte die 32-Jährige nach 35 Stößen und lächelte.

Die schweißtreibend Einheit absolvierte die Mutter von Zwillingen, die bei der Leichtathletik-EM in Berlin ihren Titel verteidigen möchte, ohne Manschette an der rechten Hand: "Die Kapsel am Daumen ist eingerissen, aber das ist kein Beinbruch. Das kann man zur Not im Wettkampf tapen oder schienen, wenn es noch nötig ist", meinte die Athletin vom LV 90 Erzgebirge. Das größere Problem ist ein Schleudertrauma infolge des Unfalls, der auf dem Weg ins ZDF-Sportstudio passierte. "Da ist das vegetative Nervensystem, das anspringt, wenn man den Kopf bewegt, noch etwas überfordert. Manchmal hat es sich angefühlt, als ob ich im Zick-Zack durch den Ring laufe", meinte die sechsfache Deutsche Meisterin. Den letzten Titel hatte sie sich erst am Freitag in Nürnberg mit starken 20,06 Metern geholt.

Hinsichtlich Berlin, wo die Qualifikation am 7. August und das Finale einen Tag später im Olympiastadion stattfindet, zeigte sie sich aber zuversichtlich. "Ich hatte eine gute Form vor Nürnberg - und die wird wegen drei Tagen krank nicht komplett weg sein. Aber ein bisschen sortieren muss ich mich bis dahin noch", sagte Christina Schwanitz und dankte ihren Ärzten und ihrem Physiotherapeuten. "Sie kümmern sich, was sie können. Das beste Mittel gegen das Trauma ist im Moment ohnehin Ruhe - und zum Glück bleibt noch etwas Zeit."

Coach Sven Lang hatte seine Topathletin am Mittwoch das erste Mal wieder zum Training begrüßt. Und war er vor dem lockeren Aufgalopp noch etwas skeptisch, so meinte er am Donnerstag mit einem Augenzwinkern: "Natürlich kann man eine Vorbereitung idealer gestalten. Aber wichtig ist, dass sie körperlich fit ist und ohne Schmerzen alles machen kann."

Der Unfall hatte sich am vergangenen Samstagabend, als der Pkw von Schwanitz auf der Autobahn mit einem mit zwei Personen besetzten Fahrzeug kollidierte, ereignet: "Ich weiß den Moment, aber wie es dazu kam und danach fehlt mir ein Stück. Das, was ich machen konnte, habe ich gemacht, eine Vollbremsung. Leider Gottes hat es nicht mehr gereicht", berichtete sie. "Aber wir sind alle heil aus dem Auto gestiegen. Das ist für mich unheimlich wichtig. Autos kann man ersetzen. Aber wenn andere wegen mir, weil ich den Unfall verursacht habe, ihr Leben nicht mehr normal fortführen könnten - das wäre das Schlimmste überhaupt", sagte Christina Schwanitz.

Am Sonntag reist sie nach Kienbaum, in die Sportschule nahe Berlin. Zuvor wird zu Hause aber der erste Geburtstag ihrer Kinder nachgefeiert - und vielleicht auch ein wenig ein "zweiter Geburtstag".

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