Corona-Zeit stellt Rettungsschwimmer vor Herausforderungen

Für den Sprung ins erfrischende Nass sind sie unverzichtbar. Doch Rettungsschwimmer sind stellenweise knapp im Freistaat. Und dann gibt es in dieser Saison ja auch noch das Coronavirus.

Dresden (dpa/sn) - Die beginnende Badesaison und das Coronavirus stellen Rettungsschwimmer in Sachsen vor Herausforderungen. Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Sachsen fehlen der Gesellschaft aktuell etwa 250 Ehrenamtliche. «Wir haben 710 einsatzfähige Rettungsschwimmer», erklärte Landesgeschäftsführer Sebastian Knabe. Hauptgrund für das Defizit ist laut Knabe, dass Jugendliche nach der Schule in Großstädte - auch außerhalb Sachsens - abwandern. «Hier in Sachsen sehe ich bei der Infrastruktur das größte Problem», sagte Knabe mit Blick auf öffentlichen Nahverkehr und Arbeitsplätze.

Der Landesverband Sachsen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zählt nach eigenen Angaben etwa 3500 aktive Rettungsschwimmer. In Sachsen sichert die DRK-Wasserwacht in diesem Jahr laut DRK 30 offene Badestellen ab. Anders als bei der DLRG fehlen beim DRK nicht in erster Linie Rettungsschwimmer. «Der Nachwuchs hat Interesse», sagte Sprecher Kai Kranich. Vielmehr fehlten Einsatz- und Trainingsmöglichkeiten für Rettungsschwimmer.

Denn: Einige Kommunen verzichteten aus finanziellen Gründen auf die Bewachung von Gewässern, sagte DRK-Wasserwachtsreferent Joachim Weiß. Zwischen 7000 und 12 000 Euro seien demnach pro Saison nötig, um Verbandsmaterial bereit zu halten, ein Boot zur Verfügung zu stellen, den freiwilligen Rettungsschwimmern die Fahrtkosten zu zahlen oder eine Aufwandsentschädigung.

Einerseits werde Sachsen immer mehr zur Bade- und Tourismusregion, andererseits sei die Absicherung vieler Gewässer nicht gegeben, kritisierte Kranich. Aus Mangel an Einsatzorten leisteten ausgebildete Rettungskräfte aus Sachsen häufig Dienste an Nord- und Ostsee.

Das Coronavirus stellt die Retter in diesem Jahr vor zusätzliche Aufgaben: «Eine Abstandsregelung von 1,5 Metern an Land und drei Metern im Wasser beispielsweise kann bei einer aktiven Rettung eines Ertrinkenden nicht garantiert werden», erklärte Weiß. Völlig kontaktfrei und mit dem vorgeschriebenen Abstand könne etwa eine Herz-Lungen-Wiederbelebung nicht durchgeführt werden.

Knabe von der DLRG befürchtet, dass in der Saison mehr Menschen in Binnen- und Fließgewässern baden gehen, wenn kleinere Freibäder geschlossen bleiben, weil sie coronabedingte Hygieneauflagen nicht umsetzen können. Dabei rät die DLRG dringend vom Baden in Fließgewässern ab. «Die Strömung ist stärker als das, was man sieht», sagte Knabe. Er rät dazu, nur in bekannten Seen zu schwimmen. Im vergangenen Jahr starben im vergangenen Jahr laut Knabe 13 Menschen in Sachsen in Seen und Flüssen - von insgesamt 17 Badetoten im Freistaat.


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