Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Sepang

MERCEDES: Das Krisenmanagement des Teams war wirklich allererste Sahne. Der rüde Rempler von Sebastian Vettel, der Nico Rosberg vermutlich den Sieg kostete, die Verschwörungstheorien des bitter enttäuschten Lewis Hamilton - alles, aber auch alles lächelte Teamchef Toto Wolff milde weg. Wenn es stimmt, dass sich wahre Größe erst in der Niederlage zeigt, dann gehörte Mercedes in Sepang zu den ganz Großen.

SID-Note: 1

LEWIS HAMILTON: Der Weltmeister trumpfte wahrhaft weltmeisterlich auf: Im Training und im Qualifying nicht zu schlagen, im Rennen ganz klar auf Siegkurs. 15 Runden vor dem Ziel war dann aber Schluss mit lustig, da nämlich flog dem Champion der Motor im Heck seines silbernen Torpedos um die Ohren, vielleicht hatte er in der tropischen Hitze von Sepang gar zu kräftig aufs Gas gedrückt. Trotz der großen Enttäuschung stand Hamilton Rede und Antwort - andere Fahrer haben in ähnlichen Situationen den Ort der Schmach schon mal gruß- und wortlos verlassen.

SID-Note: 2

NICO ROSBERG: Er war der lachende Dritte, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Platz drei hinter dem Red-Bull-Duo rettete sich Nico Rosberg trotz der frühen Attacke von Sebastian Vettel noch aufs Podium und baute seinen Vorsprung in der WM-Wertung auf 23 Punkte aus. Allerdings: Rosberg hatte in zwei von drei Trainingssessions und im Qualifying nicht den Hauch einer Chance gegen Hamilton und hätte mit einiger Sicherheit auch im Rennen keine gehabt. Zudem leistete er sich im Qualifying einen Patzer von der Art, wie man sie bei Hamilton eher selten sieht.

SID-Note: 3+

SEBASTIAN VETTEL: Der Mann ist viermal Weltmeister geworden und hat in den vergangenen Jahren mehr als einmal bewiesen, dass er zu den Besten seiner Zunft gehört. Was er sich allerdings gedacht hat, als er auf dem Anflug zur ersten Kurve Max Verstappen mitten im Pulk erst außen und dann innen überholen wollte, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Er habe den Windschatten verloren, ließ Vettel wissen, und außerdem habe Nico Rosberg viel früher gebremst als alle anderen. Hätte Vettel vielleicht auch besser getan, dann wäre sein Arbeitstag möglicherweise nicht so früh beendet gewesen.

SID-Note: 6

DANIEL RICCIARDO: Er macht jeden Spaß mit, hat ein festgetackertes Dauergrinsen im Gesicht und ist außerdem ein ziemlich guter Fahrer. Daniel Ricciardo ist keine ferngesteuerte Marionette seines Teams, keiner, der vorgestanzte Sätze brav nachplappert. Daniel Ricciardo ist Emotion pur, ein Sinnbild der lockeren und unkomplizierten Lebensfreude, die man den Menschen in seiner australischen Heimat grundsätzlich nachsagt. Ob er es auf Dauer schaffen kann, den erfolgsbesessenen und oft rücksichtslosen Max Verstappen im teaminternen Duell auf Distanz zu halten, wird sich frühestens im nächsten Jahr zeigen.

SID-Note: 2

RED BULL: Die Bullen sind nach einer längeren Durststrecke wieder voll auf der Höhe des Geschehens und haben Ferrari die Rolle als Mercedes-Verfolger Nummer eins längst abgejagt. Das Team-Management mit Helmut Marko und Christian Horner führt den Rennstall sachlich und unaufgeregt und hat es geschafft, dem jungen Wilden Max Verstappen zumindest ein bisschen Disziplin beizubringen. Tatsache ist jedoch: Die Fahrerpaarung Verstappen/Ricciardo birgt einigen Zündstoff, und erst, wenn die beiden sich nach einem Rennen nicht mehr umarmen, zeigt sich die wahre Qualität der Teamleitung.

SID-Note: 2

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