Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Silverstone

SEBASTIAN VETTEL: Als der Heppenheimer auf das Siegerpodest in Silverstone tanzte, stellte er sich vielleicht auch selbst mal diese Frage: Wann soll es mit seinem fünften WM-Titel klappen, wenn nicht in diesem Jahr. Wenn ein Ferrari-Fahrer auch in England zum Sieg rast, was spricht dann überhaupt noch gegen den Triumph am Jahresende? Ganz anders als in der vergangenen Saison hat die Scuderia bislang stets eine Antwort auf die Aufgaben, die Mercedes ihr stellt. Nach dem Grand Prix in Österreich wirkte es, als seien die Silberpfeile mit dem Aerodynamik-Upgrade und dem neuen Motor bereit, endlich wieder davonzuziehen - und eine Woche später geht Ferrari auf der "Mercedes-Strecke" Silverstone plötzlich das Tempo mit. Vettel selbst war am Sonntag bärenstark, holte sich zweimal aus eigener Kraft Rang eins: Anfangs mit einem Blitzstart gegen Hamilton, nach den Boxenstopps dann mit einem richtig starken Manöver gegen Valtteri Bottas. Vettel präsentiert sich in WM-Form.

MERCEDES: Schuld war wohl die Hitze des Gefechts. Sowohl Lewis Hamilton als auch Toto Wolff deuteten nach dem Rennen zumindest an, dass Ferrari absichtlich Unfälle herbeiführe, um den Titelkampf zu beeinflussen. Das entbehrt, gerade beim genaueren Blick auf die Vorfälle in Frankreich und England, jeder Grundlage und ist schlechter Stil. Je mehr Zeit nach der Zieldurchfahrt verging, desto entspannter wurden die Kommentare der Mercedes-Vertreter allerdings. Und die Wut ist ja grundsätzlich verständlich: In drei Rennen verursachte Ferrari nun zwei Crashs - und dazwischen lag das Mercedes-Debakel mit dem Doppel-Ausfall in Österreich. Da können die Nerven schon mal strapaziert sein.

LEWIS HAMILTON: Für den Weltmeister muss es sich angefühlt haben, als spanne ihm da gerade jemand die Freundin aus. Und lässt ihn noch dabei zusehen. Vor Hamiltons Augen gab Sebastian Vettel dem Siegerpokal von Silverstone einen dicken, innigen Kuss. Der Trophäe also, auf die seit 2014 stets der Name des Engländers graviert worden war. Das schmerzte sichtlich. Eigentlich wäre Hamiltons fünfter Heimsieg in Folge verdient gewesen, denn er war auch an diesem Wochenende schnellster Mann auf "seiner" Strecke. Das half zumindest dabei, nach der frühen Kollision noch auf den zweiten Rang vorzufahren. Vielleicht kann Hamilton sich ja in zwei Wochen revanchieren - dann nämlich steht Vettels Heimspiel in Hockenheim an. Und auch dort gibt es einen schönen Pokal.

SILVERSTONE: Die vergangenen Tage waren gute Tage für die Formel 1. Schon in Spielberg durften sich die Macher über 180.000 Zuschauer auf den vollen Tribünen freuen - in Silverstone mussten sie bei der Auswertung dann vielleicht ein zweites Mal hinschauen. 340.000 Fans strömten von Donnerstag bis Sonntag an die Strecke, allein 140.000 sahen das Rennen. Das war mal wieder ein Beleg für die Ausnahmestellung des "Home Of British Motor Racing". Und den Formel-1-Besitzern sollte spätestens jetzt klar sein, wie wichtig es ist, diese Strecke im Kalender zu halten. Die Verhandlungen um eine Verlängerung des 2019 endenden Vertrages gestalten sich schwierig.

SPRUCH DES WOCHENENDES: "Das ist eine interessante Taktik." (Lewis Hamilton über den von Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen verursachten Unfall, der den Mercedes-Star ans Ende des Feldes zurückwarf)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...