"Das ist eine Ehre für mich"

Eishockey-Profi André Schietzold steht vor seinem 500. Einsatz für die Eispiraten Crimmitschau

Crimmitschau.

André Schietzold freut sich auf ein Jubiläumsspiel. Der Verteidiger wird am Sonntag zum 500. Mal für die Eispiraten Crimmitschau in der DEL 2 auflaufen. Das haben zuvor nur zwei andere Profis der Westsachsen geschafft. Holger Frenzel sprach mit dem 32-Jährigen über besondere Momente, den Verlust des Kapitänsamtes und Zukunftspläne.

Freie Presse: Sie knacken als dritter Spieler in Crimmitschau die Marke von 500 Pflichtspielen. Das haben zuvor nur Michael Maaß mit 511 Einsätzen und Torsten Heine mit 637 Einsätzen geschafft. Welche Bedeutung hat die magische Zahl für Sie?

André Schietzold: So etwas schaffen heutzutage nicht mehr viele Eishockeyprofis, vor allem für ein Team. Das macht mich stolz. Im Kunsteisstadion trägt eine Fankurve den Namen von Torsten Heine. Michael Maaß hat ein Jahrzehnt für den ETC die Knochen hingehalten. Ganz ehrlich: Es ist eine Ehre für mich, in einem Atemzug mit den beiden Spielern genannt zu werden.

Sie standen bisher 498-mal für die Eispiraten auf dem Eis. Welche drei Partien haben sich bei Ihnen besonders eingeprägt?

Das erste Heimspiel mit den beiden NHL-Stars Wayne Simmonds und Chris Stewart in der Saison 2012/13. Wir haben mit 2:1 nach Verlängerung gegen Weißwasser gewonnen. Das Stadion war - zumindest gefühlt - schon in der Aufwärmphase ausverkauft. 4700 Zuschauer sorgten für eine tolle Atmosphäre. Dazu fallen mir spontan zwei Partien aus der Saison 2018/19 ein: Der 11:4-Kantersieg im Sachsenderby gegen Dresden und der 2:1-Erfolg in den Pre-Play-offs in Kassel.

Warum haben Sie vor allem Erinnerungen aus der jüngeren Vergangenheit aufgezählt?

Das ist einfach noch frischer im Gedächtnis. Wenn man fast 500 Partien absolviert hat, kann man sich nicht mehr an alle Kleinigkeiten erinnern. Zu meinem ersten Spiel für Crimmitschau fällt mir doch noch etwas ein: Das war im Januar 2010. Damals bin ich von Heilbronn nach Crimmitschau gewechselt. Ich erhielt am Nachmittag auf der Autobahn einen Anruf, dass der Spielerpass vorliegt und ich abends schon gegen Schwenningen spielen soll.

Sie tragen seit zehn Jahren das Eispiratentrikot. Überwiegt der Stolz, so lange einem Team die Treue zu halten, oder die Enttäuschung, nicht für eine Topmannschaft aufgelaufen zu sein?

Die Anfragen von anderen Vereinen gab es. Ich habe mich aber immer zu Crimmitschau bekannt - vor allem in schweren Zeiten, als es nicht lief und der Abstiegskampf eine extreme Belastung für die Psyche darstellte. In der jüngsten Vergangenheit musste ich nicht mehr über einen Wechsel nachdenken. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens: Man spürt die positive Entwicklung bei den Eispiraten. Zweitens: Wir schätzen als Familie, zu der zwei kleine Kinder gehören, auch die Nähe zu den Großeltern, die uns unterstützen.

Welche Bedeutung hat die Zahl 13 auf Ihrem Trikot?

Das ist meine Rückennummer, die ich schon im Nachwuchs getragen habe. Ich verbinde damit weder Glück noch Pech.

Wird Ihr Trikot irgendwann auch einmal - neben der Spielkleidung von Torsten Heine, Stefan Steinbock und Ralf Kösling - unter dem Hallendach hängen?

Die Frage müssen andere Leute beantworten. Mein Vertrag läuft noch bis Frühjahr 2021. Dann bin ich 34 Jahre alt. Die Laufbahn soll, wenn die Knochen halten und die Leistung stimmt, dann noch fortgesetzt werden. Es kommen also bestimmt noch einige Spiele zusammen.

Haben Sie schon berufliche Pläne nach der Profikarriere?

Ja. Details kann ich momentan aber nicht sagen. Die Frage darf gern am Ende der Saison 2019/20 noch einmal gestellt werden.

Wollen Sie dem Eishockey die Treue halten?

Erst einmal handelt es sich um eine Aufgabe ohne Bezug zum Sport.

In Crimmitschau wird momentan über die Schaffung einer zweiten Eisfläche und den Bau einer neuen Eisarena gesprochen. Wie verfolgen Sie die Debatte?

Die Sanierung des Kunsteisstadions wird mindestens genauso teuer wie ein Neubau sein. Crimmitschau braucht - über kurz oder lang - eine neue Eishalle. Ich will mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Die Beispiele aus Weißwasser und Kaufbeuren zeigen aber: Bei Mannschaften, die oft um den zehnten Platz mitgespielt haben, ging es durch die neuen Eishallen nach oben. Das sorgt für Impulse und steigende Zuschauerzahlen. Bei uns bleiben dagegen, sobald es richtig kalt wird, locker 200 bis 300 Besucher zu Hause.

Ihr Team ist mit drei Siegen und sechs Niederlagen in die Saison gestartet. Warum läuft der Eispiraten-Motor noch nicht rund?

Das ist nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir wären gern besser gestartet. Aber: In den letzten drei Spielen sind wir stabiler geworden. Dadurch konnten wir in Bayreuth und gegen Bad Tölz gewinnen. Der Blick auf die Statistiken zeigt, dass wir defensiv nun stabiler stehen und nicht mehr so viele Schüsse aus der gefährlichen Zone zulassen. Trotzdem sind wir noch nicht dort, wo wir sein wollen. Wir haben eine gute und stimmige Mannschaft. Der Charakter passt, die Trainer bereiten uns gut vor. Den Erfolg müssen wir uns nun erarbeiten.

Schon am Freitag in Kaufbeuren und am Sonntag gegen Bietigheim-Bissingen?

Die Ergebnisse zeigen: Jeder kann jeder schlagen. Wir müssen mit Selbstvertrauen in die Spiele gehen. In Kaufbeuren ist es immer ein schwieriges Pflaster. Ein Sieg gegen Bietigheim-Bissingen wäre natürlich ein i-Tüpfelchen bei meinem Jubiläumsspiel.

Sie waren in den vergangenen drei Jahren Kapitän. Nach einer Abstimmung in der Kabine übernahm Adrian Grygiel das "C". Wie gehen Sie mit der Entscheidung der Kollegen um?

Ich schätze Adrian Grygiel als Menschen und als Sportler, komme mit ihm klar. Die Entscheidungen werden trotzdem gemeinsam gefällt. Ich trage weiter Verantwortung, auch wenn sich das "C" nicht mehr auf der Brust befindet. Es gibt natürlich im ersten Moment eine gewisse Enttäuschung. So viel kann ich nicht verkehrt gemacht haben. Mit mir als Kapitän haben die Eispiraten schließlich zuletzt zweimal in Folge die Playoffs geschafft.

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