Das Motto: Nachhaltig und revolutionär

Die Olympischen Jugendspiele erleben im Oktober in Buenos Aires ihre dritte Auflage. Als Einstimmung startet in elf Tagen ein Staffellauf quer durch Argentinien. "Freie Presse" hat sich mal in der Ausrichterstadt umgeschaut.

Buenos Aires.

Das Riesentransparent auf der Avenida Alicia Moreau de Justo ist nicht zu übersehen. In großen Lettern nennt es die wichtigsten Zahlen zu den 3. Olympischen Jugendspielen: 3998 Athleten, 206 Länder, 32 Sportarten. Die Autofahrer, die im Stop-and-Go-Verkehr entlang der Dauerbaustelle festhängen, hätten genügend Muße, einen Blick darauf zu werfen. Doch das sportliche Großereignis ist noch nicht ins Bewusstsein der Einwohner von Buenos Aires vorgedrungen. "Viele wissen gar nicht, was da vom 6. bis 18. Oktober auf sie zukommt", gesteht Juan Manuel Durruty, Berater des Organisationskomitees der Olympischen Jugendspiele 2018. "Die große Werbekampagne für die Spiele sollte nach der Fußball-WM gestartet werden." Das Achtelfinal-Aus für Argentinien in Russland bot den Organisatoren die Gelegenheit, ihr Anliegen schon etwas eher in den Brennpunkt zu rücken.

Knapp 100 Tage vor Beginn der Spiele wurde im Olympischen Jugenddorf ein Olympischer Tag veranstaltet, der mit Sport aus 27 Verbänden, Live-Musik und Freizeitaktivitäten einen Vorgeschmack auf Oktober bot. "Wir hatten einen schönen Nachmittag. Es ist ein besonderes Jahr für uns, weil die Spiele näher rücken", sagte Gerardo Werthein, Präsident des Organisationskomitees von Buenos Aires 2018. "Wir wollten den Olympischen Tag im Dorf mit den Nachbarn teilen, die Menschen kennenlernen und alle Sportarten ausprobieren."

Seit der Premiere 2010 in Singapur sind die Jugendspiele eine Plattform für Innovation. Für Buenos Aires wurden mehrere neue Medaillenwettbewerbe wie Kiteboarden, Beach-Handball, BMX-Freestyle, Breakdance und Sportklettern ins Programm aufgenommen. Die Info-Stände waren über das Gelände verteilt und informierten über die jeweiligen Sportarten. Immer mittendrin: Maskottchen "Pandi", das einen Jaguar darstellt - die vom Aussterben bedrohte größte Wildkatze Amerikas, deren Lebensraum im Nordosten Argentiniens ist.

Das Olympische Jugenddorf liegt im Viertel Villa Soldati im Süden der Hauptstadt. Der Einlass ist noch provisorisch, aber gut bewacht. Der Besucher muss seinen Pass hinterlegen und bekommt einen Umhängeausweis. Die Anlage besteht aus mehreren sechs- bzw. neunstöckigen Gebäuden, die rund 7500 Personen Platz bieten sollen. Der erste Grundstein war am 6. Mai 2016 gelegt worden. Im Dezember 2017 erfolgte die Fertigstellung. Rosaibina Adrian, eine Venezolanerin vom Org.-stab, und ihr argentinischer Kollege, der in Erlangen studiert hat, führen den Gast herum. Beide zählen zu den 8300 Freiwilligen, die unter 36.000 Bewerbern aus mehr als 130 Ländern ausgewählt worden sind. Die 1440 Apartments haben einen unterschiedlichen Zuschnitt der Räume: mal drei Betten nebeneinander, mal zwei Doppelstockbetten, jeweils mit kleinen Reihen offener Kleiderschränke, auch Einzelzimmer mit Schreibtisch für die Betreuer. Stolz präsentiert der Begleittross, dass es sogar extra große Betten für die Basketballer gibt. Zwischen den miteinander verbundenen Gebäuden und auf den Dachterrassen findet man begrünte Stellen zum gemeinsamen Verweilen oder Grillen. Die Wohneinheiten und die hübsch gestalteten Plätze darum sind fertig, nur am Speise- und Küchentrakt auf der Fläche hinter dem Parkplatz wird noch intensiv gewerkelt.

Gleich um die Ecke, im Parque Roca, befindet sich ein Teil der olympischen Sportstätten: eine Leichtathletikanlage und mehrere Hallen - für Schwimmen und Wasserspringen, Futsal, Turnen, Hockey, Gewichtheben, Boxen, Karate und Ringen. Das internationale Medienzentrum wird im bereits existierenden Roca Park Tennisstadion eingerichtet. Das gesamte Gelände wird später das Nationale Leistungssportzentrum beheimaten - als Teil des Vermächtnisses der Spiele. "Diese Einrichtung sollen genutzt werden, um die nächste Generation argentinischer Spitzensportler zu entwickeln", erklärte Werthein.

Neben dem Olympic Park gibt es noch drei weitere Cluster in Gebieten, wo sich normalerweise junge Leute versammeln: den Green Park im Stadtviertel Palermo (für Triathlon, Radsport, Beachvolleyball, Reiten, Tennis), den Urban Park in Puerto Madero (Rudern, Kanu, Basketball 3x3, BMX, Sportklettern, Tanzsport) und den Tecnópolis Park (Tischtennis, Badminton, Sportschiessen, Bogensport, Beachhandball). Besucher können einen Youth Olympic Pass in Form eines Armbands mit einem digitalen Chip erwerben, mit dem sie kostenlosen Zugang zu allen Sportwettbewerben erhalten.

Zur Eröffnungsfeier rund um das Obelisk-Denkmal, das Wahrzeichen von Buenos Aires, werden Hunderttausende Zuschauer erwartet, die in der argentinischen Hauptstadt die Avenida 9 de Julio säumen. "Es wird eine ganz neue Art der Zeremonie", verspricht Gerardo Werthein. "Unser Konzept lautet: Wir gehen dahin, wo die Menschen sind, anstatt zu versuchen, sie in die Stadien zu bekommen. Es wird eine besondere Feier, erschwinglich, nachhaltig, revolutionär, so wie wir eben sind - ein Fest für die Menschen."

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