Das muss man über die Europaspiele in Minsk wissen

Der sportliche Wert ist gering, der Gastgeber mehr als umstritten - am heutigen Freitag beginnen im weißrussischen Minsk die 2. Europaspiele. Das deutsche Team reist mit einigen prominenten Athleten an.

Minsk (dpa) - Noch haben sich die Europaspiele nicht durchgesetzt. Nach 2015 beginnt heute die zweite Auflage: wieder in einer ehemaligen Sowjetrepublik. Nach Baku in Aserbaidschan ist nun die weißrussische Hauptstadt Minsk der Gastgeber.

Was sind die Europaspiele?

Sie sind vor allem nicht die European Championships. Dieser Zusammenschluss von Europameisterschaften unter anderem in der Leichtathletik, im Schwimmen und im Turnen fand im vergangenen Jahr in Glasgow und Berlin statt. Die Europaspiele - auch oft auf Englisch als European Games bezeichnet - finden in ihrer zweiten Auflage vom 21. Juni an in Minsk statt. Sie sind eine Veranstaltung des Europäischen Olympischen Komitees, das damit ein Pendant zu anderen Kontinentalwettkämpfen wie Asienspiele oder Panamerikaspiele geschaffen hat. Als «internationales Sportgroßereignis, das sich im Wettbewerb mit der Konkurrenz der European Championships noch am Markt beweisen muss», bezeichnet der Deutsche Olympische Sportbund die Europaspiele.

Welche Sportarten sind bei den Europaspielen vertreten?

15 Sportarten gehören zu dem zehntägigen Programm: Badminton, 3x3-Basketball, Bogenschießen, Boxen, Leichtathletik, Judo, Kanu, Karate, Radsport, Ringen, Sambo (russische Kampfsportart), Schießen, Tischtennis, Beach Soccer, Bahnradsport, Turnen. 4000 Athleten treten an. Zum Vergleich: Die Teilnehmerzahl bei Olympischen Spielen liegt bei 10 500.

Wie sieht das deutsche Team aus?

Die Mannschaft besteht aus 149 Athleten. Prominenteste Teilnehmer sind die Tischtennisspieler Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov, die Kanuten Sebastian Brendel und Max Hoff sowie Bogenschützin Lisa Unruh. Die Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro wird die deutsche Mannschaft bei der Eröffnungsfeier an diesem Freitag im Dinamo-Stadion als Fahnenträgerin anführen.

Welche sportliche Bedeutung haben die Europaspiele?

Die deutsche Delegationsleiterin Uschi Schmitz hatte zuletzt noch kein Medaillenziel für die Spiele in Minsk ausgegeben. Sie betont, dass es für ihr Team vornehmlich darum geht, die Qualifikationsmöglichkeiten für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio zu nutzen, etwa im Tischtennis, Boxen, Bogenschießen und Schießen. Für die Kanuten sind die Europaspiele gleichzeitig die Europameisterschaften und damit neben der WM ein Saisonhöhepunkt.

Welche Kritik gibt es an den Spielen?

Zum einen ist der Gastgeber umstritten. Weißrussland ist das einzige europäische Land, in dem die Todesstrafe noch vollstreckt wird. Das Land wird von Alexander Lukaschenko autoritär geführt. Es ist zudem bettelarm und hängt wirtschaftlich am Tropf des großen Nachbarn Russland. Deutschland nimmt dennoch teil, «weil ein Boykott im Sport noch nie etwas gebracht hat» (Uschi Schmitz). Sie bezeichnete die Teilnahme im Sinne der Athleten als «alternativlos». Ein anderer Kritikpunkt ist der geringe sportliche Wert der Veranstaltung. Sie hat sich mit der Erstauflage 2015 im aserbaidschanischen Baku nicht etablieren können.

Wie hoch sind die Kosten?

Der Kosten für das zehntägige Spektakel werden von den Gastgebern mit 100 Millionen Euro beziffert, ursprünglich waren 35 Millionen vorgesehen. Aus Kostengründen hatten die Niederlande, die ursprünglich die 2. Europaspiele übernehmen wollten, wieder abgesagt. Für 2023 wurde im polnischen Krakau mit Mühe und Not noch ein Bewerber gefunden, der am Samstag offiziell den Zuschlag bekommen soll. Der Bundestag hat im November 2018 Entsendungskosten für das deutsche Team von 300 000 Euro bewilligt.

Wie kann man die Spiele verfolgen?

Wie schon vor vier Jahren hat sich Sport1 die Senderechte gesichert. Geplant sind fast 100 Stunden Übertragung in den kommenden zehn Tagen. Außerdem zeigt der Olympic Channel des Internationalen Olympischen Komitees die Wettkämpfe im Internet.

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