Das Stehaufmännchen

Steve Breitkreuz vom FC Erzgebirge Aue gab in Hamburg nach anderthalb Jahren Leidenszeit ein Comeback. Es war nicht seine erste Rückkehr nach einer Verletzung. Steht er am Sonntag in Bochum wieder in der Startelf?

Aue.

Steve Breitkreuz wusste, dass seine Stimmung nach dem Spiel beim Hamburger SV nicht so richtig zum Ergebnis passte. "Ich bin stolz, dankbar und freue mich extrem - trotz der Niederlage", sagte der Innenverteidiger des FC Erzgebirge Aue am Mittwochabend nach dem 0:3 gegen den HSV. Verübeln konnte ihm das niemand. Schließlich endete für den 28-Jährigen im Nachholspiel eine anderthalbjährige Verletzungspause.

"Ein unbeschreibliches Gefühl. Ich kann es gar nicht so richtig fassen", freute sich Breitkreuz. "Es hätten mir nur fünf Minuten gereicht um einfach wieder dabei zu sein, um das Feeling aufzusaugen." Es wurden am Ende volle 90 Minuten plus Nachspielzeit. FCE-Trainer Dirk Schuster hatte den gebürtigen Berliner in die Startelf geworfen - nach zuvor 535 Tagen ohne eine einzige Pflichtspielminute gegen die wahrscheinlich beste Offensive der 2. Fußball-Bundesliga. "Steve hat seine Aufgabe zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt und im Defensivverbund Ruhe ausgestrahlt", analysierte der Auer Coach nüchtern den Auftritt seines Abwehrspielers. "Dass nach langer Pause nicht alles zu hundert Prozent passt, dass er nicht zum Matchwinner wird, das war uns klar." Vergleicht man Breitkreuz' Leistung in Hamburg mit der seiner Nebenleute, dann gehörte er noch zu den stabileren Akteuren einer deutlich unterlegenen Mannschaft. Zudem spulte er 10,75 Kilometer ab, nur vier andere FCE-Profis liefen mehr. Kurzum: Breitkreuz spielte angesichts der Vorzeichen bemerkenswert gut.

So überraschend sein Einsatz kam - dass er die Qualitäten eines Stehaufmännchens besitzt, sollte niemanden mehr erstaunen. Verletzungen pflastern seine bisherige Laufbahn. In der entscheidenden Entwicklungsphase vom Nachwuchs- zum Profifußballer warfen zwei Kreuzbandrisse das Talent von Hertha BSC zurück. Den Durchbruch feierte er dennoch: In der Saison 2015/16 als er mit Aue von der Dritten in die Zweite Liga aufstieg. Zwei komplette Spielzeiten blieb er insgesamt fit. Als er danach zu Eintracht Braunschweig wechselte, war damit Schluss: Auf eine Schambeinentzündung folgte eine Verletzung am Knie, das fortan seine Problemzone blieb. Auch, nachdem er 2018 ins Erzgebirge zurückkehrte. Immer wieder kämpfte er sich ins Team, glänzte mit starken Zweikampfwerten, gutem Spielaufbau und wenig Fehlern, um erneut mit Kniebeschwerden wochenlang auszufallen. Nach dem 3:1-Sieg gegen Jahn Regensburg im Mai 2019, bei dem Breitkreuz das 1:0 vorbereitete, wurden aus Wochen Monate. Erst im September dieses Jahres tauchte er wieder im Mannschaftstraining auf. Nicht wenige im Erzgebirge hatten selbst damit nicht mehr gerechnet.

Für Schuster ist Breitkreuz im Grunde ein Neuzugang. "Nicht nur für mich", warf der Trainer am Freitag ein. "Auch für seine Mitspieler, nachdem er anderthalb Jahre pausiert hat." Was die Abstimmung mit seinen Kollegen betrifft, besteht für den Abwehrrecken da naturgemäß noch Luft nach oben .

Die Partie am Sonntag (13 Uhr) beim VfL Bochum könnte der nächste Bewährungstest werden. "Ich muss aus der Erfahrung der vergangenen Jahre sagen, dass das ein schwieriges Spiel wird, weil Bochum spielerisch immer sehr gute Mannschaften hat", sagte Breitkreuz. Auch Schuster warnte vor der Offensive um Angreifer Silvere Ganvoula: "Sie spielen im Mittelfeld sehr flexibel und haben in der ersten Sturmreihe eine hohe individuelle Qualität." Bei der Herausforderung diese zu stoppen, fehlen dem Coach die Langzeitverletzten Verteidiger Fabian Kalig und Gaetan Bussmann. Zudem sind die Einsätze der gesundheitlich angeschlagenen Florian Ballas und Dimitrij Nazarov offen.

Bei Breitkreuz ist die Frage, wie gut er die Partie in Hamburg körperlich weggesteckt hat. "Es ist mir nichts von Problemen bekannt, er hat einen fitten Eindruck gemacht", sagte Schuster am Freitag. Er verwies aber auch auf die Reisestrapazen zwischen dem Nachholspiel im Norden und der Begegnung im Ruhrgebiet: "Die vielen Stunden im Bus sind nicht gerade förderlich für eine gute Regeneration." Das gilt zwar nicht nur für Breitkreuz, aber insbesondere für den Rückkehrer. Ein Einsatz in der Startelf ist daher eher unwahrscheinlich. Die Reise nach Bochum wird das Stehaufmännchen aber definitiv antreten.

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