David Storl bereit für vierten Streich

Der Titelverteidiger ist souverän in das Kugelstoßfinale bei der Leichtathletik-EM eingezogen - an einem besonderen Ort in der Berliner City.

David Storl bei seinem einzigen Stoß in der Qualifikation, mit dem er diegeforderte Weite souverän übertraf.
Jürgen Kessing - DLV-Präsident

Für Sie berichtet: Thomas Treptow

David Storl machte kurzen Prozess in der City West und erntete langen Beifall. 3000 begeisterte Zuschauer auf den Tribünen der temporären Arena am Berliner Breitscheidplatz feierten den Sachsen gestern Abend, aber auch seine Gegner. Die "schweren Jungs" ließen zu Füßen der Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirche die Kugeln fliegen, um sich für das morgige Finale bei der Leichtathletik-EM 2018 zu qualifizieren. Dem Leipziger gelang das souverän, mit 20,63 Metern übertraf David Storl die geforderte Weite von 20,40 Metern im ersten Versuch. "Das ist das Ziel in der Qualifikation, sie mit so wenig Aufwand wie möglich zu überstehen. Aber ein bisschen weiter hätte ich gern gestoßen. Das kommt dann morgen", sagte der gebürtige Rochlitzer.

Als Fingerzeig für den Showdown im Olympiastadion, wo Storl seinen vierten Titel in Folge gewinnen möchte, sieht der 27-Jährige den gestrigen Tag aber nicht. "Quali und Finale sind zwei verschiedene Paar Schuhe, morgen geht es anders zur Sache. Dabei werde ich versuchen, den Heimvorteil zu nutzen", meint er und lobte die Atmosphäre in der City West. "Es ist super für die Leute, die viel näher am Geschehen sind und die Gefühle der Athleten viel besser mitbekommen. Von daher kann ich das nur befürworten."

Der Breitscheidplatz ist auch ein besonderer Ort, erlangte er doch am 19. Dezember 2016 traurige Bekanntheit. Der tunesische Attentäter Anis Amri war an diesem Tag mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt gerast. Bei dem Terroranschlag kamen zwölf Menschen ums Leben, über 70 wurden verletzt. "Dagegen setzen wir jetzt ein Zeichen der Völkerverständigung und für die europäische Einheit. Der Breitscheidplatz soll ein Ort des friedlichen Miteinanders sein", hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller im Vorfeld der EM geäußert. "Das macht Sinn, um auch zu zeigen: Hier geht es nicht nur um den Sport, sondern auch um Freiheit, um Frieden und ein Stück Demokratie. Wir wollen unser öffentliches Leben selber bestimmen", meinte Jürgen Kessing, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), zu dem Thema.

Das bereits gestern gut besuchte Areal, die sogenannte Europäische Meile, ist in den EM-Tagen auch Start und Ziel für die Geher und Marathonläufer. Zudem gehen hier 39 Siegerehrungen über die Bühne. Bei einer möchte Kugelstoßerin Christina Schwanitz ganz oben stehen - zum dritten Mal bei einer EM. "Das wäre irgendwie typisch für mich: erst Zwillingsmama, dann Drillingseuropameisterin", sagte die 32-Jährige, die gestern einen gelösten Eindruck machte. Fit ist die Chemnitzerin obendrein, dank Neuroathletiktrainer Lars Lienhard und Psychologin Grit Reimann. Diese kümmerten sich neben Coach Sven Lang zuletzt intensiv um die Athletin vom LV 90 Erzgebirge, die bei einem Autounfall u. a. ein Schleudertrauma erlitten hatte. Die daraus resultierenden Probleme mit dem Gleichgewichtssinn sind behoben. "Ich komme wieder gut rückwärts durch den Ring, und die Kugel fliegt", meinte Christina Schwanitz, die ihre Wettkämpfe im Olympiastadion bestreitet.

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