Denise Herrmann gelingt Befreiungsschlag

Die Biathletin vom WSC Oberwiesenthal beendet beim Weltcup in Oberhof eine deutsche Durst- strecke. Dabei meistert sie auch eine kribbelige Situation am Schießstand.

Oberhof.

"Mut zur Lücke". Diese Devise hatte Denise Herrmann über die Weihnachtsfeiertage, die sie im schweizerischen Davos verbrachte, ausgegeben und das Kleinkalibergewehr dabei keines Blickes gewürdigt. "Es war wichtig für mich, komplett mit dem Schießen rauszugehen. Denn du bist ein bisschen übersteuert, willst immer mehr, und das funktioniert einfach nicht", verriet die 31-Jährige am Donnerstag in Oberhof. Dabei saß die Skijägerin auf dem Podest, welches den drei Erstplatzierten des Sprintrennenns über 7,5 Kilometer bei der Pressekonferenz vorbehalten war. Diese hießen Marte Olsbu Röiseland, Denise Herrmann und Julia Simon. 33,1 Sekunden lag die fehlerfrei schießende Norwegerin vor der besten Deutschen (1 Schießfehler), die wiederum die Französin (1) in Schach gehalten hatte.

"Ich bin sehr zufrieden, dass ich beim Heimrennen meine bisher beste Vorstellung zeigen konnte", strahlte Herrmann, die sichtlich erleichtert eine Durststrecke beendete. Im vierten Biathlon-Weltcup der Saison 2019/20 gelang ihr der erste deutsche Podestplatz. Dass die Wahl-Bayerin, die seit 2011 in Ruhpolding lebt und trainiert, immer eine Anwärterin dafür ist, steht außer Frage. Allerdings muss die ehemalige Langläuferin dafür möglichst viele Scheiben abräumen, was ihr vor dem Jahreswechsel eher weniger als mehr gelang. Vor allem die Trefferleistung von 70 Prozent im Stehendanschlag verbaute Denise Herrmann immer wieder bessere Platzierungen. "Die innere Anspannung ist das Grundproblem", erklärte die Verfolgungsweltmeisterin, die deshalb nach Weihnachten noch einmal akribisch an den Grundtechniken des Schießens arbeitete. "Wenn du die Fehler abstellen kannst, dann holst du dir Selbstvertrauen zurück", sagte sie.

Offenbar so viel, dass sie in der nebelverhangenen Oberhofer Arena eine äußerst kribbelige Situation meisterte. Denn um den letzten Treffer im Stehendanschlag musste sie schwer kämpfen. Tausende Gedanken schossen ihr dabei durch den Kopf. "Da gehen schon Rädchen an, weil du weißt, eine zweiten darfst du dir nicht erlauben", erzählte sie. Zum Glück fiel die Scheibe. Ein Befreiungsschlag? "Doch, schon", gab Denise Herrmann lächelnd zu. Den Podestplatz ins Ziel zu bringen, fiel ihr dann nicht mehr allzu schwer. "Ich war heute heiß darauf. Die Strecken liegen mir extrem, sie verlangen einem alles ab. Aber ich weiß mittlerweile auch, wie man sie sich einteilt", sagte die klare deutsche Nummer eins.

Während Herrmann diesen Status untermauerte, zeigte der Sprint vor 7300 Zuschauern auch, dass hinter ihr ein Leistungsloch im Kader klafft. Franziska Preuß, die am ehesten gut für Topplatzierungen ist, fehlt in Thüringen. Zwar hat die 25-jährige Bayerin ihre Nasennebenhöhlenentzündung auskuriert, dennoch steigt sie erst nächste Woche in Ruhpolding wieder in den Weltcupzirkus ein.

Bleiben Vanessa Hinz und Franziska Hildebrand. Die Bayerin kam mit einem Schießfehler auf dem 15. Rang ein und erfüllte die halbe WM-Norm. Hildebrand (4 Fehler), die den letzten Weltcup vor Weihnachten in Frankreich weggelassen und über die Feiertage zu Hause in Köthen bei ihrem Vater trainiert hatte, erscheint dagegen von der Rolle. Da Mareen Hammerschmidt nach langer Verletzungspause noch nicht wiedererstarkt ist und die "Weltcupfrischlinge" Janina Hettich und Marion Deigentesch noch nicht soweit sein können, schaut aktuell alles auf Denise Herrmann, von der am Donnerstag einiges an Ballast abfiel. "Bei Sonne in Hochfilzen kann jeder", verabschiedete sie sich lachend aus der Presserunde - während draußen der Nebel immer dichter wurde.


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