"Der Ehrgeiz bekommt eine andere Form"

Bobpilotin Stephanie Schneider über die Herausforderungen der neuen Saison mit der Heim-WM in Altenberg als Höhepunkt

Altenberg.

Im Februar werden die Bobfahrer in Altenberg ihre neuen Weltmeister ermitteln, am kommenden Wochenende finden an gleicher Stelle die Deutschen Meisterschaften statt. Zweier-Pilotin Stephanie Schneider vom BSC Sachsen Oberbärenburg geht als eine der Favoritinnen an den Start. Thomas Scholze sprach mit der 29-jährigen Erzgebirgerin.

Freie Presse: Die Weltmeisterschaft wartet als Saisonhöhepunkt auf der Heimbahn. Wird das für Sie eine besondere Saison?

Stephanie Schneider: Definitiv. Ich war schon in Winterberg und Königssee bei Weltmeisterschaften am Start, nun endlich auch in Altenberg. Das ist eine sehr schöne Sache, die größte nach Olympia.

Und dabei soll nach Silber im letzten Winter im kanadischen Whistler auf jeden Fall wieder eine Medaille herausspringen?

Ja. Wir wollen diesen Erfolg gern wiederholen, wissen aber auch, was dafür nötig ist - athletisch und fahrerisch. Wir haben in den nächsten Monaten noch viel zu tun.

Sie sind auf dieser Bahn nicht immer heil ins Ziel gekommen - ein Problem, das Sie abstellen können?

Ich denke schon. Ich gehe jetzt in meine fünfte Saison als Pilotin. Vor allem durch die Erfolge im letzten Jahr habe ich viel Selbstvertrauen hinzugewonnen. Ich bin fahrerisch besser geworden. Gerade auf der schweren Bahn in Whistler habe ich gemerkt, dass ich in dieser Hinsicht einen großen Schritt vorangekommen bin.

Hatten Sie nach einem Sturz schon einmal den Gedanken: Das war's jetzt, ich steige aus?

Nein. Nach schlechten Ergebnissen - vor allem bei Olympischen Spielen - schwirrte so etwas durch meinen Kopf, aber nach einem Sturz noch nie.

Ihr Team für die Saison steht?

Wir sind zu dritt: Ann-Christin Strack, Lisette Thöne und ich, wobei sich Lisette demnächst an ihrer lädierten Schulter wird operieren lassen müssen.

Wird der Bundestrainer - wie in der Vergangenheit geschehen - die Teams während der Saison noch einmal ändern?

Nein, das wird es so erst einmal nicht mehr geben. Wir bleiben definitiv zusammen.

Die Männer bekommen neue Schlitten. Die Damen auch?

Ja, auch für uns werden neue Schlitten getestet. Die Materialentwicklung geht immer weiter voran.

Wenn man mit Mariama Jamanka die Olympiasiegerin und Weltmeisterin in der eigenen Mannschaft hat - ist das ein Vorteil, weil man in Ruhe arbeiten kann? Oder ein Nachteil, weil man gern selbst die Nummer 1 wäre?

Ich finde es sehr gut. Ich komme mit Mariama sehr gut klar, an und abseits der Bahn. Wir haben viel Spaß. Mir nimmt es ein bisschen den Druck. Der liegt vor allem bei Mariama, sie wird immer an ihrem Olympiasieg gemessen, ist im Fokus. Das war bei der WM in Whistler ganz deutlich zu merken, mir hat es sehr geholfen.

Die härteste Konkurrenz kommt auch in diesem Winter aus dem eigenen Land. Wen muss man sonst noch auf dem Zettel haben?

Bestimmt Kylie Humphries. Aber auch alle anderen arbeiten stetig daran, sich zu verbessern. Ich bin selbst gespannt, wer sonst noch ganz oben anklopfen kann.

Gibt es mit Blick auf die WM in diesem Winter noch mehr Trainingsfahrten als sonst in Altenberg?

Das werden wir auf jeden Fall versuchen. Aber der Zeitplan ist eng, so viel Spielraum gibt es nicht.

Der ursprünglich für 2019 geplante Umbau der Bahn verzögert sich, wird nun erst nach der WM beginnen. Das kommt Ihnen entgegen?

Ja. Es bleibt erst einmal die gewohnte Bahn, das ist super. Beim Umbau geht es um die Kurven 11 bis 13, dieser Streckenabschnitt war noch ein Problem für mich. Mein Knackpunkt ist der Kreisel. Und da stand ja nie ein Umbau zur Debatte.

Schauen wir über den kommenden Winter hinaus: Sie planen Ihre Karriere bis Olympia 2022?

Nach den ganzen Verletzungsproblemen freue ich mich über jedes Jahr, das zu meiner Sportkarriere noch hinzukommt. Momentan geht es mir richtig gut, da ist Peking ein realistisches Ziel. Falls ich mich qualifiziere, wären es meine dritten Olympischen Spiele und noch mal ein echtes Highlight. Für die Zeit danach habe ich schon viele Ideen im Kopf, welche ich dann weiter verfolge, wird sich zeigen.

2022 soll der Monobob erstmals zum olympischen Programm gehören. Ist das für Sie ein Thema?

Das wird es über kurz oder lang werden, wir werden uns auch dieser Aufgabe stellen. Aber ganz ehrlich: Ich fahre viel lieber Zweierbob: Das ist schneller, macht viel mehr Spaß, ein Unterschied wie Porsche und VW up. Für die Pilotenausbildung ist der Monobob sicher eine gute Geschichte, zu diesem Zweck bin ich das auch gefahren. Jetzt reizt es mich nicht: Man ist immer allein, hat kein Team. Bobfahren ist eigentlich ein Mannschaftssport.

Lässt mit dem Alter der Ehrgeiz nach?

Der Ehrgeiz bleibt, aber er bekommt eine etwas andere Form: Als junger Athlet ist man wild und aggressiv, als älterer schlauer und kontrollierter. Ein Nachteil muss das nicht sein.

Für die Deutsche Meisterschaft sind Sie fit und motiviert?

Etwas Trainingsrückstand habe ich noch, weil ich im Sommer viel gearbeitet habe. Ich bin bei der Landespolizei Sachsen in Dresden stationiert, war im Schichtdienst bei vielen Einsätzen unterwegs. Das war eine tolle Abwechslung und hat viel Spaß gemacht, vor allem dank der tollen Kollegen. Da musste ich beim Training ein paar Abstriche machen. Aber das hole ich auf.

Wie lauten Ihre Ziele für das Wochenende?

Ich will mich mit einer souveränen Leistung für das Weltcupteam empfehlen, erst gar keine Zweifel aufkommen lassen, wer da hinein gehört.

Olympiasieger sind gesetzt

Für die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften, zugleich erster Qualifkationswettkampf für den Weltcup, sind acht Zweierbobs bei den Frauen, zwölf Zweierbobs und zehn Viererbobs bei den Männern gemeldet. Nico Walther muss wegen Verletzungen nach einem Trainingssturz passen.

Die Medaillen bei den Herren werden im großen wie im kleinen Schlitten nach je zwei Läufen vergeben, die Damen gehen mit ihren Zweierbobs viermal an den Start.

Die Olympiasieger Francesco Friedrich und Mariama Jamanka sind für den Weltcup gesetzt, können sich ohne Druck auf die WM-Bahn 2020 einstellen. Im Weltcup hat Deutschland pro Disziplin drei Startplätze.

Zuschauer sind zu den Deutschen Meisterschaften herzlich willkommen. Der Eintritt kostet 5 Euro (ermäßigt 3 Euro). Tickets gibt es an der Tageskasse (Haupteingang Bornweg).

Zeitplan: Samstag, 9 bis 12 Uhr: 1. und 2. Rennlauf Zweierbob Frauen, 1. und 2. Rennlauf Zweierbob Herren; Sonntag, 9 bis 12 Uhr: 3. und 4. Rennlauf Zweierbob Frauen, 1. und 2. Rennlauf Viererbob Herren, danach Siegerehrungen für alle Disziplinen.

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