Der Weltmeister schaut zu, der Teufel rast davon

Fabio Quartararo gewinnt in Abwesenheit von Titelverteidiger Marc Marquez auch das zweite Saisonrennen der MotoGP- Saison. Kann der 21 Jahre alte Franzose sogar Weltmeister werden?

Jerez.

Nur ein Pilot in der Geschichte der Motorrad-WM war jünger als Fabio Quartararo, als er zwei aufeinanderfolgende Grands Prix in der Königsklasse gewinnen konnte: Marc Marquez. Als Letztgenannter am gestrigen Sonntag verletzt zuschauen musste, gelang Erstgenannten mit 21 Jahren das Kunststück, innerhalb von sieben Tagen zwei WM-Läufe in der MotoGP-Klasse zu gewinnen. Wie im ersten Rennen von Jerez hatte Quartararo auch beim zweiten in der andalusischen Hitze im Ziel einen komfortablen Vorsprung auf den zweitplatzierten Maverick Viñales (Spanien/Yamaha).

"Ich habe Fehler gemacht, aber nur kleine", grinste "El Diablo" ("Der Teufel"). "25 Runden in Führung liegend zu fahren, bei diesen hohen Temperaturen - das war das härteste Rennen meines Lebens. Es war so heiß, es gab kaum Luft zum Atmen, sogar meine Hände und Füße waren heiß. Es war extrem schwierig, aber ich fühlte mich sehr gut auf dem Motorrad." Wirklich gefährdet war der insgesamt dritte Grand-Prix-Sieg seiner Karriere nur zu Beginn. Viñales machte Druck, attackierte Quartararo und übertrieb es. Durch das verpatzte Manöver fiel der 25-Jährige hinter Teamkollege Valentino Rossi (Italien) auf Platz drei zurück. Die beiden Yamaha-Werkspiloten rieben sich im Positionskampf auf, Quartararo raste davon.

Viñales holte sich Platz zwei zwar noch vom Altmeister zurück, im Ziel machte Rossi den zufriedeneren Eindruck. "Ich bin sehr, sehr glücklich, weil das letzte Mal auf dem Podium so lange her ist", meinte er. Der neunfache Weltmeister stand zuletzt im April 2019 auf dem Podest. "Es ist nicht wie ein Sieg, aber nah dran", strahlte der 41-Jährige.

Wenig Grund zur Freude hatte der amtierende Weltmeister. Nach seinem schweren Sturz in der Vorwoche versuchte sich Marc Marquez (Spanien/Honda) trotz gebrochenem Oberarm an einem Blitz-Comeback. Am Dienstag war der 27-Jährige operiert worden. Am Donnerstag hatte er offiziell Grünes Licht bekommen. Am Sonnabend musste er sich eingestehen, dass es keinen Sinn macht. "Vormittags habe ich mich noch gut gefühlt, konnte eine gute Zeit fahren. Im Nachmittagstraining verlor ich aber an Kraft im Arm und es wäre gefährlich geworden", begründete der Spanier seinen Verzicht. "Ich habe nach der OP eine kleine Möglichkeit gesehen, deswegen musste ich es probieren. Ich werde gut schlafen, weil ich es zumindest versucht habe."

In zwei Wochen, wenn es im tschechischen Brünn weitergeht, will Marquez wieder angreifen. 50 Punkte Rückstand hat er auf Doppelsieger Quartararo. Das klingt insbesondere mit Blick auf die coronabedingt verkürzten Saison nach einem ordentlichen Polster. Doch der Franzose konnte in seiner bisherigen WM-Karriere zwar seine Schnelligkeit, aber nicht seine Konstanz unter Beweis stellen. In den jeweils zwei Jahren in den beiden kleineren Klassen wurde er in der Gesamtabrechnung zweimal Zehnter und zweimal 13.. Die vergangene Saison als Königsklassen-Neuling beendete er als Fünfter. Quartararo muss also noch beweisen, dass er Weltmeister werden kann. Er ist erstmals der Gejagte, Marquez gehört nach langer Zeit wieder zu den Jägern. Für Spannung im Titelrennen der Königsklasse ist gesorgt.

Italienisches Podium in Moto2 

Marcel Schrötter hatte beim Grand Prix von Andalusien im spanischen Jerez mit dem Kampf um die Podestplätze in der Moto2-Klasse nichts zu tun. Der 27 Jahre alte Bayer landete am Sonntag im dritten WM-Lauf der Saison mit über 20 Sekunden Rückstand auf Sieger Enea Bastianini aus Italien auf dem zehnten Rang. Schrötter war eine Woche zuvor an gleicher Stelle beim Re-Start der WM nach monatelanger Zwangspause wegen der Corona-Pandemie gestürzt und ausgeschieden. Das Podium war fest in italienischer Hand: Bastianini verwies seine Landsleute Luca Marini und Marco Bezzecchi auf die Plätze zwei und drei. Die WM-Führung behauptete der Japaner Tetsuta Nagashima.

Barry Baltus hat in der Moto3-Klasse die Punkteränge nur knapp verpasst. Der 16 Jahre alte Belgier vom sächsischen PrüstelGP-Team wurde 17. im zweiten Rennen von Jerez, das von zahlreichen Stürzen geprägt war. Sein Teamkollege Jason Dupasquier (Schweiz) reihte sich auf Platz 19 ein. Tatsuki Suzuki aus Japan entschied das Rennen in der kleinsten WM-Klasse für sich. Auf dem Podium standen zudem der Schotte John McPhee und Celestino Vietti aus Italien. Der Spanier Albert Arenas, der die beiden ersten WM-Läufe gewonnen hatte, stürzte, liegt in der Gesamtwertung dennoch weiterhin vorn. (dpa/sesi)

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.