Deutsche Hallenmeisterschaften in Dortmund: Marvin Schlegel vom LAC Chemnitz gilt als Favorit

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Der 400-Meter-Läufer vom LAC Chemnitz hat seit letztem Sommer auf nationaler Ebene kein Rennen mehr verloren. Das soll auch bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund so bleiben.

Chemnitz.

Marvin Schlegel ist keiner, der seine Ziele forsch hinausposaunt. Lieber hält der Chemnitzer ein wenig hinter dem Berg. Vor den Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten am Wochenende in Dortmund kommt er an einer Tatsache trotzdem nicht vorbei: Der 23-Jährige, der im letzten Sommer und der aktuellen Hallensaison alle 400-Meter-Rennen auf nationaler Ebene gewonnen hat, ist in der Helmut-Körnig-Halle Sieganwärter Nummer eins. "Aufgrund der letzten Rennen und Zeiten kann ich mich um die Favoritenrolle schlecht drücken", gibt Marvin Schlegel zu.

Mit 46,58 Sekunden, gelaufen beim Meeting in Erfurt, führt der junge Mann vom LAC Erdgas die aktuelle deutsche Hallenbestenliste an. Marco Koch (Berlin) auf Platz zwei liegt mit 47,58 Sekunden deutlich dahinter. Natürlich kann in zwei Rennen (Vorlauf am Sonnabend/Finale am Sonntag) viel passieren, aber die Zeichen stehen günstig für den ersten Titel des deutschen Freiluftmeisters unter dem Hallendach. Am nötigen Ernst lässt es der gebürtige Frankenberger nicht fehlen: "Ich will auf jeden Fall zwei gute Vorstellungen abliefern und schauen, wo ich noch etwas verbessern kann. Es ist ja quasi die Generalprobe für die Hallen-EM." Getreu der erwähnten Zurückhaltung schiebt er schnell nach: "Wenn nichts groß schiefgeht und ich nominiert werde." Das dürfte aber nur eine Formsache sein. Die Norm (46,90 s) für die Europameisterschaft im polnischen Torun (4. bis 7. März) hat er bei allen seinen drei Hallen-Starts 2020 klar unterboten.

Mit seiner persönlichen Bestzeit von Erfurt ist Marvin Schlegel aktuell aber auch drittschnellster Europäer über 400 Meter. An der Spitze liegt der dreifache Hallenweltmeister Pavel Maslak, den der LAC-Athlet beim internationalen Meeting Ende Januar in Karlsruhe nach Zeitläufen klar hinter sich lassen konnte. Den Tschechen und auch den Spanier Oscar Husillos, den Hallenvizeeuropameister von 2019. "Das ist definitiv Ansporn und eine andere Hausnummer, solche erfolgreichen Athleten schlagen zu können", sagt Marvin Schlegel. Er ist zwar kein Lautsprecher, trotzdem sehr ehrgeizig: Deshalb sagt er mit Blick auf Karlsruhe: "Ich wollte auch zeigen, dass ein deutscher 400-Meter-Läufer international mithalten kann." Dafür hat er an Schwächen, wie etwa der Tempohärte auf den letzten 50 Metern, aber auch an der Psyche gearbeitet.

In (noch) jüngeren Jahren flatterten dem U23-Staffel-Europameister schon mal mit den Nerven, wenn große Namen neben ihm im Startblock hockten. "Ja, das stimmt. Mit Psychologin Grit Reimann habe ich daran viel gearbeitet. Zudem trainieren wir sehr wettkampfnah. Beides gibt Sicherheit. Ich bin handlungsfähiger und weiß in jedem Rennabschnitt genau, was ich machen muss. Da läuft wie ein Film ab", erklärt der Schützling von Trainer Jörg Möckel. Zu dessen Gruppe gehören Disziplinkollegin Corinna Schwab, Kurzsprinterin Rebekka Haase und seit dem letzten September auch die 400-Meter-Läufer Marco Koch, Patrick Schneider und Schlegels Vereinsgefährte Willy Stollhoff. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.

Unterstützt wird Möckel dabei von Christopher Montague und von Praktikant Melle Kreuder aus München, einst eines der größten deutschen Nachwuchstalente im American Football. "Er war ein Jahr in den USA, wo er in einer College-Mannschaft gespielt hat. Er inspiriert uns vor allem im Kraftraum, kitzelt ein, zwei Prozent mehr heraus", erzählt Marvin Schlegel, der wie seine Trainingsgefährten trotz aller Unwägbarkeiten voll auf die Olympischen Spiele fokussiert ist. Doch für Tokio müssen sich die deutschen Viertelmeiler erst einmal qualifizieren. Die erste und beste Möglichkeit dazu besteht bei der inoffiziellen Staffel-Weltmeisterschaft am 1. Mai im polnischen Chorzów. "Dort möchte ich mithelfen, dass die Mixedstaffel und die 4x-400-Meter-Staffel der Männer einen sicheren Startplatz für Tokio holen", blickt er voraus.

Von der Olympia-Qualifikation als Einzelstarter spricht Marvin Schlegel nicht. "Der Fokus liegt auf den Staffeln, dann schaun wir mal", meint der Polizeimeisteranwärter bei der Landespolizei. Ganz aus den Augen und aus dem Sinn ist das Thema jedoch nicht. "Die Norm von 44,90 Sekunden ist vielleicht unrealistisch, die Qualifikation über die Weltrangliste wahrscheinlicher", sagt der schnelle Sachse, dessen Bestleistung im Freien bei 45,80 Sekunden liegt. Gelaufen ist er sie bei seinem Sieg bei den Deutschen Meisterschaften 2020 in Braunschweig. Danach sagte Bundestrainer Edgar Eisenkolb, ein gebürtiger Dresdner, bei leichtathletik.de über den deutschen Hoffnungsträger auf der Stadionrunde: "Charakterlich ist Marvin eher ein ruhiger Typ, der sich seinen Aufgaben stellt, trainingsfleißig ist und versucht, alles auf den Punkt umzusetzen." Was dabei herauskommt? "Abwarten", hält Marvin Schlegel den Ball natürlich flach.

Asse aus Region mit guten Chancen

Christina Schwanitz (Kugelstoßen), Max Heß (Dreisprung) und Titelverteidigerin Corinna Schwab (400 m) gehören zu den Athleten aus der Region, die wie Marvin Schlegel die aktuelle deutsche Hallenbestenliste anführen. Chancen auf Edelmetall besitzen auch Anne Weigold (60 m Hürden, Maria Purtsa, Vincent Vogel (beide Dreisprung), Katharina Maisch (Kugel), Rebekka Haase (60 m) und Kristina Hendel (3000 m). Schwanitz könnte den sechsten DM-Titel in der Halle gewinnen, Heß den fünften.

Aufgrund der Pandemie finden die Titelkämpfe in Dortmund unter strengen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen statt. Zuschauer sind nicht zugelassen. Auf leichtathletik.de können die Wettkämpfe in Livestreams verfolgt werden. Am Sonntag sendet das ZDF eine Zusammenfassung ab ca. 16.30 Uhr in "Sport extra". (tt)

Das könnte Sie auch interessieren

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.