Die deutschen Titelverteidiger bei der Leichtathletik-EM in Berlin

Gesa Felicitas Krause will bei der EM wieder angreifen

Gesa Felicitas Krause (Trier/3000 m Hindernis/Finale am 12. August, 20.55 Uhr): Bisher lief es in dieser Saison noch nicht ganz rund für die 25-Jährige, die sich mit dem EM-Titel vor zwei Jahren und ihrem dramatischen WM-Auftritt 2017 nach einem Sturz in die Herzen der deutschen Sportfans lief.

Zwar gewann sie bei den deutschen Meisterschaften ihren insgesamt vierten Titel in Serie - so richtig zufrieden war Krause danach nicht. "Ich wäre gern ein bisschen schneller gelaufen. Bis zur EM wird jetzt noch an der Zeit gearbeitet", sagte sie und fuhr direkt wieder ins Trainingslager in die Schweizer Alpen.

Mit ihrer Saisonbestleistung von 9:34,59 Minuten liegt Krause in diesem Jahr nicht auf Platz eins in Deutschland. Elena Burkard (LG Nordschwarzwald/9:34,51) war ein bisschen schneller als Krause, und auch die internationale Konkurrenz schläft nicht. Die Norwegerin Karoline Bjerkeli Grövdal wird die Frau sein, die es zu schlagen gilt - sie war in dieser Saison bereits mehr als 15 Sekunden schneller als Krause.

Max Heß (Chemnitz/Dreisprung/12. August, 19.55 Uhr): 2016 holte Heß im Alter von nur 19 Jahren EM-Gold, doch auch für ihn gestaltete sich diese Saison schwierig. Vorsichtshalber stieg er bei den deutschen Meisterschaften nach vier Sprüngen aus, Probleme mit dem Beuger behindern ihn.

Bei der EM werde er wieder "Vollgas" geben, kündigte Heß an. Das wird er wohl auch tun müssen, bisher konnte er die 17-Meter-Marke noch nicht knacken. Sollte der Neu-Portugiese Pedro Pablo Pichardo sein Potenzial abrufen, wird es aber ohnehin schwer mit der Wiederholung seines Erfolges. Pichardo, gebürtiger Kubaner, kratzte mit 17,95 m in diesem Jahr sogar an den 18 Metern.

Cindy Roleder (Halle/100 m Hürden/9. August, 21.50 Uhr)): Immer, wenn es bei Meisterschaften um die Medaillen geht, ist Cindy Roleder auf den Punkt da. WM-Silber 2015, Europameisterin 2016, Hallen-Europameisterin 2017: Roleder liebt die direkten Duelle um die Medaillen, da können die Konkurrentinnen im Vorfeld noch so gute Zeiten vorweisen.

Und so ist es auch in diesem Jahr. Dauerkonkurrentin Alina Talaj (Weißrussland) setzte mit ihren 12,41 Sekunden eine Weltklassezeit auf die Bahn, gleich mehrere Läuferinnen können um die Medaillen mitlaufen. Auch Pamela Dutkiewicz. Die Wattenscheiderin liegt auf Platz drei der europäischen Bestenliste und hat mit WM-Bronze im vergangenen Jahr gezeigt, dass auch sie mit dem Druck bei internationalen Meisterschaften umgehen kann.

Christina Schwanitz (LV Erzgebirge/Kugelstoßen/Mittwoch, 20.09 Uhr): Christina Schwanitz ist zurück. Nach der Geburt ihrer Zwillinge und der anschließenden Babypause überraschte sie sich in dieser Saison selbst. Sieg bei der Diamond League in Rabat, Stoß über 20 Meter bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg, unangefochtener Platz eins in der europäischen Bestenliste: Die Zeichen stehen auf Gold.

Eigentlich. Denn offen ist, ob und wie sehr sie ihr Autounfall auf dem Weg zum Aktuellen Sportstudio vor zwei Wochen beeinträchtigt. Wenn sie allerdings ihre Leistung abrufen kann, ist ihr der dritte EM-Titel in Folge kaum zu nehmen.

David Storl (Leipzig/Kugelstoßen/7. August, 20.33): Nach zwei verkorksten Jahren ist der 28-Jährige wieder auf dem Weg zu alter Form. Mit neuem Trainer und der Rückkehr zur "alten" Umsprungtechnik geht der zweimalige Weltmeister und dreimalige Europameister nach langen Verletzungssorgen als Mitfavorit auf eine Medaille in die EM.

"Es wird schwierig, das Kugelstoßen bei den Männern ist kein Selbstläufer", sagt Storl selbst. Denn nicht nur weltweit, auch in Europa ist die Konkurrenz groß - und kann über 22 Meter stoßen. Der Pole Michal Haratyk (22,08) geht als Saisonbester in die EM, dahinter folgt Storl (21,62), der als 19-Jähriger bereits bei der WM in Berlin 2009 die Atmosphäre im Olympiastadion erleben durfte.

"Ich glaube, mich erdrückt diese Kulisse nicht mehr, so wie es damals war", betonte er. Die Zuschauer sollen ihn beflügeln - dann kann es wieder weit gehen.

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