"Die Rückkehr in meine Heimat wird ein Kulturschock"

Basketballtrainerin Amanda Davidson verabschiedet sich nach sechs Jahren von Bundesligist Chem-Cats.

Chemnitz.

2005 wagte Basketballerin Amanda Davidson den Sprung aus den USA nach Deutschland über den Atlantik. Nun kehrt die 35-Jährige zurück nach Indiana, wo sie aufgewachsen ist. Bei den Chem-Cats war die Flügelspielerin zwei Jahre lang Kapitänin, wechselte nach ihrem Karriereende nahtlos auf den Trainerposten bei dem Bundesligisten. Sebastian Siebertz sprach mit der US-Amerikanerin über ihren Abschied, die zurückliegende Saison und ihre Pläne für die Zukunft.

Freie Presse: Warum verlassen Sie die Chem-Cats?

Amanda Davidson: Wegen meiner Familie. Ich bin seit 14 Jahren in Deutschland. Meine Nichten und Neffen werden immer älter, meine Großeltern auch. Ich konnte in den vergangenen Jahren nicht so viel Zeit mit ihnen verbringen, wie ich das wollte. Das soll sich jetzt ändern.

Die vergangene Saison war durchwachsen. Bis zum letzten Spiel mussten Sie um den Klassenerhalt zittern. Hat das eine Rolle beim Entschluss gespielt?

Nein. Seit einigen Jahren ist der Wunsch da, wieder zurückzukehren. Speziell in der Sommerpause, wenn ich bei der Familie war, wurden diese Gedanken stärker. Ehrlich gesagt, habe ich diese Saison sehr genossen. Wir hatten Probleme, aber wir haben gekämpft und sind zusammengewachsen. Ich habe mich bereits Ende Januar entschieden, wieder in den USA leben zu wollen. Die einzige Person, der ich es bis zum Saisonende erzählt habe, war Vereinspräsident Andreas Wagner. Nicht einmal meine Familie wusste davon. Ich wollte, dass sich die Mannschaft und auch ich voll auf das Sportliche konzentrieren. Andreas habe ich Bescheid gesagt, damit er planen kann.

Arbeiten Sie in den USA weiter als Basketballtrainerin?

Ja. Ich habe einen Job bei einer privaten Trainingsakademie. Als ich noch Spielerin war, habe ich dort in der Sommerpause als Coach ausgeholfen. Gleichzeitig bewerbe ich mich bei Collegeteams. Basketball ist und bleibt meine Leidenschaft.

Was werden Sie vermissen?

Alles. Die Entscheidung, die Chem-Cats und Chemnitz zu verlassen, war die schwerste meines Lebens. Ich hätte mir nicht vorstellen können, zu einem anderen Club in Deutschland zu wechseln. Ich habe es genossen, mit den Leuten hier zusammenzuarbeiten. Hier habe ich eine zweite Familie gefunden. Aber ich werde auch das Essen, die Kultur, das ganze Leben hier vermissen. Die Rückkehr in meine Heimat wird ein Kulturschock. Es gibt so viele kleine Unterschiede im Alltäglichen zwischen Deutschland und den USA.

Genauso wie vor 14 Jahren, als Sie als junge Spielerin nach Deutschland kamen?

Richtig. Vielleicht wird es noch schlimmer als damals, weil ich mich sehr daran gewöhnt habe, hier zu leben. Ich will auch gar nicht ausschließen, dass ich irgendwann wieder in Deutschland lebe.

Was nehmen Sie aus der Zeit in Deutschland mit in die USA?

Ich bin hier als Person gewachsen. Es ist schwer, das genau zu beschreiben. Ich habe als Trainerin extrem viel gelernt. Aber das betrifft nicht nur den Basketball. Ich habe mit Schwedinnen, Französinnen, Tschechinnen und US-Amerikanerinnen zusammengearbeitet. Du lernst einfach extrem viel, wenn du Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kennenlernst.

Die zurückliegende Saison war geprägt von Rückschlägen, aber auch von starken Auftritten wie beim Kantersieg gegen das Spitzenteam aus Wasserburg.

Dieses Spiel war fantastisch. Unterm Strich müssen wir jedoch konstatieren, dass wir diese Saison eine sehr unerfahrenes Team hatten. Uns ist eine Führungsspielerin auf dem Parkett komplett abgegangen. Wenn du so viele junge Spielerinnen im Kader hast, ist es umso wichtiger, dass es mindestens einen Routinier gibt, damit sich die Jüngeren an ihm orientieren können. Allerdings darf die Unerfahrenheit auch nicht als Ausrede für alles herhalten. Spätestens nach der Winterpause muss eine Entwicklung zu sehen sein. Offensiv hatten wir aber die gesamte Saison große Probleme.

Wie erleichtert sind Sie, dass Sie die Chem-Cats mit dem Klassenerhalt verlassen?

Extrem. Ich weiß nicht, ob ich Chemnitz bei einem Abstieg verlassen hätte. Das hätte mir das Herz gebrochen.

Vor der Saison war das Ziel, die Playoffs zu erreichen.

Klar bin ich insgesamt enttäuscht. Aber wir sind als Schlusslicht in die letzten vier Partien gegangen. Viele haben uns nicht mehr zugetraut, dass wir es schaffen. Wir haben uns da wieder herausgekämpft.

Was muss der Club künftig machen, um sich wieder dauerhaft nach oben zu orientieren?

Das Problem ist, dass wir zuletzt vor jeder Saison neue Teams aufbauen mussten. Nach der Saison sind die meisten Leistungsträgerinnen zu größeren Clubs gewechselt. Spielerinnen, die uns weiterhelfen, finanzierbar sind und länger hierbleiben wollen, sind schwer zu finden. Aber genau das muss das Ziel sein.

Werden Sie den Chem-Cats helfen, wenn der Verein einen Rat zu einer Spielerin aus den USA braucht?

Auf jeden Fall. Andreas und Co. können mich immer anrufen. Ich werde auch erst Ende Mai zurückfliegen. Die Zeit werde ich brauchen, um mich ordentlich von allen Bekannten zu verabschieden. Bis dahin werde ich auch im Nachwuchs in der Schloßteichhalle aushelfen.

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