Duo aus Region kämpft um Olympia

Bei der Turn-WM in Stuttgart, die am Freitag beginnt, gehören die Chemnitzerin Sophie Scheder und der Rodewischer Nick Klessing zum deutschen Aufgebot. Die ursprünglichen Hoffnungen sahen anders aus.

Chemnitz.

Auf dem Weg zu den Trainingshallen im Chemnitzer Sportforum prangt an einer Mauer ein Riesenplakat mit den fünf Turn-Assen des Bundesstützpunktes. Unter dem Slogan "Unser Heimspiel" werben sie für die Heim-WM, die am Freitag beginnt und bis zum 13. Oktober dauert. Das Quintett wird nach Stuttgart reisen, doch einzig Sophie Scheder um Meriten kämpfen. Für die anderen bleibt ein Trainingscamp und die Zuschauerrolle. Nur bei Lisa Zimmermann war die Teilnahme langfristig eigentlich kaum realistisch. Aber die 16-Jährige hatte enorme Leistungssprünge vollzogen und auch bei der EM im April eine Chance bekommen. Dass sie es bis zur zweiten Ersatzstarterin schaffte, war für sie bereits ein Riesenerfolg.

Ivan Rittschik musste seine Hoffnungen schon im Juli begraben, als er sich am rechten Knie verletzte und eine weitere Operation notwendig war. Indes kam das vorzeitige Aus von Andreas Bretschneider, unerwartet. Nach einer Fußverletzung (Riss der Achillessehne) hatte er sich mit enormen Willen über harte Monate hinweg wieder herangekämpft. Doch bei der Deutschen Meisterschaft Anfang August, die bei den Herren gleichzeitig als erster Nominierungswettkampf galt, erwischte der 30-Jährige einen rabenschwarzen Tag. Daraufhin flog der Olympiastarter von 2016 sowie mehrfache WM- und EM-Teilnehmer sofort aus dem Kader. "Wir haben zwar einen Antrag gestellt, dass Andreas wegen seiner Vorgeschichte mit der Verletzung bei der zweiten Qualifikation eine weitere Chance erhält. Doch dieser wurde leider abgelehnt", berichtete Bundesstützpunktleiter Hans Müller. Einen Bonus gab es für den Reckspezialisten trotz der Umstände nicht.

Bei den Damen ist zwar Pauline Schäfer weiter mittendrin im Geschehen. Doch die Schwebebalken-Weltmeisterin von 2017, die sich lange Zeit wegen hartnäckiger Fußprobleme keineswegs optimal vorbereiten konnte, kam im internen Ranking nur auf den sechsten Platz und damit in die Rolle der Ersatzfrau.

Bei Sophie Scheder hing die Nominierung gleichfalls bis zuletzt am seidenen Faden, da sie Mitte August von einer Oberschenkelverletzung ausgebremst wurde und deshalb bei der ersten Qualifikation fehlte. Bei der zweiten zeigte sie dann einen fehlerfreien Vierkampf. "Auch in der schwierigen Phase hatte ich immer dieses Ziel vor Augen. Jetzt bin ich stolz und happy, dass ich es geschafft habe", sagte die 22-Jährige, die schon eine stärkere Anspannung spürt. "Die Nächte werden unruhiger", gab die Gerätkünstlerin zu.

Ein gelungenes Podiumstraining am Montag in der Stuttgarter Arena gab dabei weitere Zuversicht. Nach diesem gab Bundestrainerin Ulla Koch die genaue Einteilung für die Qualifikation am Freitag bekannt. Sophie Scheder wird wie erwartet am Schwebebalken und am Stufenbarren zum Einsatz kommen. "Ich musste meine Erwartungen etwas herunterschrauben", meinte die Olympiadritte 2016 (Barren) in Bezug auf die Inhalte ihrer Programme. Vor allem an ihrem Paradegerät hatte sie ursprünglich einen höheren Schwierigkeitsgrad anvisiert. Dafür fehlte wegen verschiedener gesundheitlicher Widrigkeiten aber schlichtweg die Zeit. Deshalb wäre ein Finaleinzug eine Riesenüberraschung. Dabei liegt der Fokus bei dieser WM zuallererst auf dem Team. Denn es gibt nur diese eine Qualifizierungschance für die Sommerspiele 2020, bei denen 12 Mannschaften starten dürfen.

Für die Herren scheint dies nach dem Ausfall von Spitzenturner Marcel Nguyen (u. a. zweimal Olympiasilber 2012) ein noch schwierigeres Unterfangen zu sein. "Wir haben uns intensiv vorbereitet und gut als Team gefunden. Und vor dem eigenen Publikum zu turnen, wird einfach geil", zeigte sich Nick Klessing im "Freie-Presse"-Gespräch optimistisch. Der 21-Jährige, der aus Rodewisch stammt, beim TV Falkenstein begann und inzwischen für den SV Halle startet, erlebt in Stuttgart seine zweite WM. Dabei gehört er wie der jüngste Mannschaftsgefährte, Karim Rida (19) aus Berlin, zu den wenigen Athleten, denen auf Anhieb der Übergang vom Nachwuchs zu den Männern gelang. Nach seinem Titel bei der Junioren-EM 2016 an den Ringen, war er bereits 2017 einer der WM-Kandidaten. Doch wegen einer Fußverletzung konnte er damals in der zweiten Qualifikation seine Chance nicht wahrnehmen. Er wird am Sprung, am Boden und an den Ringen turnen.


Service zur Turn-WM 

Deutsches Team

Damen: Sophie Scheder (TuS Chemnitz-Altendorf), Elisabeth Seitz, Kim Bui (beide KTV Stuttgart), Sarah Voss (DSHS Köln), Emelie Petz (TSG Backnang).

Herren: Andreas Toba (TK Hannover), Nick Klessing (SV Halle), Lukas Dauser (TSV Unterhaching), Karim Rida, Philipp Herder (beide SC Berlin).

Zeitplan

Qualifikation: Damen: Freitag: Qualifikation Damen: 9 Uhr; 11 Uhr, 13.30 Uhr: mit Deutschland; 15.30; 18 Uhr, 20 Uhr. Sonnabend: 9 Uhr, 11 Uhr, 13.30 Uhr, 15.30 Uhr, 18 Uhr, 20 Uhr. Herren: Sonntag: 10 Uhr, 13 Uhr,

16:30 Uhr, 19.30 Uhr: mit Deutschland; Montag: 10 Uhr, 13 Uhr, 16.30 Uhr, 19.30 Uhr.

Dienstag (8.10.): 14.30 Uhr: Teamfinale Damen. Mittwoch (9.10.): 14.30 Uhr: Teamfinale Herren; Donnerstag (10.10.): 16.30 Uhr: Mehrkampffinale Damen. Freitag (11.10.): 16 Uhr: Mehrkampffinale Herren. Sonnabend (12.10.): 16 Uhr: Gerätfinals (Herren: Boden, Pauschenpferd, Ringe; Damen: Sprung Stufenbarren). Sonntag (13.10.): 13 Gerätfinals (Herren: Sprung , Barren Reck; Damen: Schwebebalken, Boden).

Fernsehen: 4.10.: 13.30 Uhr: SWR, 5.10.: 20 Uhr: SWR (Livestream); 6.10.: 16.30 Uhr: SWR (LS); 22.50 Uhr; 6.10.: 16.30 Uhr: SWR (L); 22.50 Uhr; 7.10.: 20 Uhr SW (LS); 8.10.: 14.30 Uhr: SWR; 16 Uhr: ARD; 23 Uhr: SWR; 9.10.: 13.30 Uhr: SWR; 16 Uhr: ARD; 23.30 Uhr: SWR; 10.10.: 16 Uhr: SWR (LS); 22.45: SWR; 11.10.: 16 Uhr: ZDF (LS), 23.30 Uhr: SWR; 12.10: 16 Uhr: SWR (LS); 18.30 Uhr: ARD; 13.10.: 13 Uhr: ZDF.

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