Dynamo diesmal eine Nummer zu groß

Der FSV Zwickau verliert das Sachsenderby in der 3. Fußball-Liga gegen Dresden mit 0:2. Auch wenn die Gegentore unglücklich fielen, gab es keine zwei Meinungen über den verdienten Sieg.

Zwickau.

Bis ins letzte Detail hatte sich Zwickaus gut informierter Trainer Joe Enochs diesmal nicht auf den Gegner vorbereitet. Bei der virtuellen Pressekonferenz nach dem Sachsenderby zeigte sich der Coach überrascht vom 51. Geburtstag seines Gegenübers Markus Kauczinski an diesem Samstag. Enochs holte den Glückwunsch mit einer Umarmung schnell nach und sagte nach der Einschätzung des Kollegen verschmitzt: "Weil er heute Geburtstag hat, lasse ich das mal so stehen."

Die Szene passte ins Bild einer Partie zwischen zwei befreundeten Vereinen, die nach dem 2:1-Hinspielsieg des FSV in Dresden nun im Punktekonto des internen Duells ausgeglichen dastehen. Was die Zähler letztlich für die unterschiedlichen Ziele der Teams am Saisonende Wert sind, lässt sich noch nicht beurteilen. Den Anschein hat es, dass sich die Dynamos nicht vom Kurs 2. Liga abbringen lassen und aus Enttäuschungen gelernt haben: "Das 1:2 war das einzige Heimspiel der Hinrunde, das wir verloren haben. Das hat uns schon gewurmt", sagte Kauczinski und attestierte seiner Elf "eine reife Leistung".

Auch wenn die Tore der SGD-Profis etwas glücklich zustande kamen, dem von Christoph Daferner verwandelten Handelfmeter sogar eine Fehlentscheidung zugrunde lag, gab es letztlich am Sieg der Gäste nichts zu rütteln. Das sah auch Zwickaus Torjäger Ronny König, der zähneknirschend nach 61 Minuten ohne Torerfolg ausgewechselt wurde, so: "Wir dürfen diese Niederlage nicht am Schiri festmachen. Ein Sieg wäre unverdient gewesen. Dynamo hat die Bälle besser festgemacht. Sie haben auch einfach gespielt, waren aber galliger als wir", zählte der 37-Jährige die Stärken des Gegners auf und legte damit gleichzeitig die Reserven seiner Mannschaft offen.

Dresden brachte auf den meisten Positionen mehr Tempo auf den Platz, verfügte über mehr Ballsicherheit und individuelle Klasse. Dass all diese Fähigkeiten nichts zwangsläufig am Tag x zum Erfolg führen, zeigte das Hinspiel. Doch diesmal war Dynamo schlichtweg eine Nummer zu groß für den fußballerisch unterlegenen FSV. Erstaunlich in diesem Zusammenhang: Leon Jensen, fußballerisch einer der besten im FSV-Trikot, fand sich aus Leistungsgründen zugunsten des etwas defensiveren Maurice Hehne nicht mal im Aufgebot. Zwickau nutzte in der Anfangsoffensive jedenfalls seine Standards nicht. Knackpunkt der Partie war allerdings der Handelfmeter in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Dynamo-Stürmer Pascal Sohm hatte FSV-Verteidiger Steffen Nkansah den Ball aus einem Meter Entfernung an den angelegten Arm geschossen. Selbst Kauczinski äußerte seine Zweifel an der Entscheidung, merkte aber auch an, selbst schon zwei derartige Elfmeter gegen sich bekommen zu haben. Unglücksrabe Nkansah nannte den Elfer "einen Witz". Schiedsrichter Patrick Kessel aus dem Weindorf Norheim in Rheinland-Pfalz hatte schon bei der kniffligen Situation zum 0:1 zuungunsten der Zwickauer entschieden. Dass Sohms Kopfball vom Innenpfosten vollumfänglich hinter der Linie den Weg an Brinkies Hand fand, ist aber anzunehmen. Der Keeper stand beim Abwehrversuch mit beiden Füßen hinter der Linie. Mit dem 0:2-Genickschlag zur Pause wurde die ohnehin schwere Aufgabe gegen den Spitzenreiter zu einer elefantösen Herausforderung. Der eingewechselte Maximilian Wolfram hätte zwar die Nervenstärke der stabil wirkenden Gäste in der 85. Minute mit dem möglichen Anschlusstor noch einmal auf den Prüfstand stellen können. Doch aus guter Position schoss der Stürmer neben das Tor.

Unabhängig davon wäre es spannend gewesen zu beobachten, ob der Referee bei einem vollen Stadion und den entsprechenden Reaktionen auf den Rängen in den entscheidenden Szenen auch so gepfiffen hätte. Dass die GGZ-Arena ohne den coronabedingten Zuschauerausschluss aus allen Nähten geplatzt wäre, darüber gibt es keine Zweifel. Denn das Sachsenderby hatte für die Zwickauer trotz der Niederlage und dem Ausfall von Mittelfeldspieler Yannik Möker (Bänderverletzung rechtes Sprunggelenk) auch etwas Gutes. An der Geisterticket-Aktion des FSV, an der sich auch die Dynamo-Anhänger beteiligten, gingen 16.825 virtuelle Eintrittskarten zu je 5,10 Euro über den Ladentisch. Zehn Cent pro Ticket werden an kulturelle beziehungsweise soziale Einrichtungen in Zwickau und Dresden gespendet. Die SG Dynamo erhält 10 Prozent der rund 84.000 Euro Einnahmen aus der Aktion. Davon benötigte Markus Kauczinski übrigens keinen Cent für den gebührenden Ausklang seines 51. Ehrentages. "Meine Frau ist da. Wir werden nett zu Abend essen", sagte der Coach. Vielleicht gibt es ja Ende Mai am 38. Spieltag richtig was zu feiern.

StatistikFSV: Brinkies - Godinho, Stanic, Nkansah, Schikora - Könnecke, Möker (18. Hehne) - Schröter, Miatke (46. Drinkuth) - König (61. Lokotsch), Starke (73. Wolfram). SGD: Broll - Ehlers (V), Knipping, Kwadwo, Meier - Königsdörffer, Kade, Mörschel (90.+1 Stefaniak), Will - Daferner (81. Hosiner), Sohm. SR.: Kessel (Nordheim); Tore: 0:1 Sohm (38.), 0:2 Daferner (45.+1/Handelfmeter).

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