Ein neuer Seriensieger im Anflug?

Der Pole Maciej Kot hat im Sommer den Überflieger des Vorwinters abgelöst. Weltmeister Severin Freund feierte in der Vogtland-Arena, wo Skisprung-Weltcups künftig alle zwei Jahre stattfinden sollen, ein gelungenes Comeback.

Klingenthal.

Polnisch "Kot" heißt ins Deutsche übersetzt "Katze". Dabei müsste es doch Adler heißen. Maciej Kot jedenfalls versetzt die Skisprungwelt momentan mit seinen Flugkünsten in Erstaunen. So auch am Sonntag, wo der 25-Jährige vom AZS Zakopane seine Sommersaison mit dem Finalsieg in der Vogtland-Arena krönte. Für den Gesamttriumph der Serie hatte Kot schon am Vortag mit seinem Sieg in Hinzenbach (Oberösterreich) gesorgt. Auf der kleinen Anlage deklassierte er mit 15 Punkten Vorsprung die komplette Weltelite. In der Vogtland-Arena segelte Maciej Kot dann jeweils rund zehn Meter weiter als der Rest und kam mit 30 Zählern Vorsprung zu seinem fünften Sieg bei sechs Starts (Zweiter in Hinterzarten) in diesem Sommer.

"Natürlich hat der neue Trainer seinen Anteil. Ich habe meine Technik umgestellt. Und der Teamspirit in unserer Mannschaft ist super", schwärmte der Skispringer nach blitzsaubren Flügen auf 140 und 143,5 Meter. Der ebenso seit Sommer verbesserte Olympiasieger Kamil Stoch (2.) sowie der Überflieger des Vorwinters, Peter Prevc (3.), besaßen im Vogtland nicht die Spur einer Chance. Selbst der kurz vor Maciej Kot einsetzende Starkregen am Schwarzberg vermochte ihn im finalen Sprung nicht zu stoppen. "Sommer ist zwar nicht gleich Winter, da springen noch nicht alle Athleten mit dem Körpergewicht am Limit. Aber dieser Vorsprung ist schon der Wahnsinn. Das gab es lange nicht. Da haben alle zu tun, um das bis zum Winter wieder aufzuholen", sagte Bundestrainer Werner Schuster, der seit 2008 für die deutschen Ski-Adler verantwortlich ist.

Dass sein bisheriger Assistent Stefan Horngacher maßgeblich am polnischen Auftrieb beteiligt ist, ergibt sich von selbst. Seit Frühjahr übernahm der Österreicher das Nationaltraineramt von Lukasz Kruczek (jetzt Italien). Selbst wenn Kot, Stoch und Co. wie schon oft ihre starke Sommerform nicht ganz in den Winter bringen sollten, gehören sie mit ihren Leistungen auch in der Breite (David Kubacky 7. in Klingenthal) zu den Goldkandidaten im Team. "Mit Stefan Horngacher ist uns ein Fachmann, der auch im Materialsektor einiges bewegt hat, verlorengegangen. Dass er seine Erfahrungen ins neue Team einbringt, ist ja klar", sagte Schuster. Seinen Landsmann ziehen zu lassen, hält der Bundestrainer nicht für ein Versäumnis. Schließlich habe Horngacher "über viele Jahre tolle Arbeit" für das deutsche Skispringen geleistet: "Da sollte man ihm diese Herausforderung auf einer höheren Stufe nicht verwehren."

Was seine Mannschaft betraf, erlebten die Fans im stimmungsvollen Rund der Arena einen Auftritt mit Licht und Schatten. Positiv setzte sich Markus Eisenbichler als bester Deutscher in Szene. Seine Sprünge reichten zu Rang fünf. Der nicht zum Nationalteam gehörende Siegsdorfer hat sich nach langer Durststrecke im Sommer wieder in den Dunstkreis der Weltelite gekämpft, wäre in Klingenthal mit bestmöglicher Leistung sogar podestfähig gewesen. Dies konnte Severin Freund noch nicht sein. Nach einer Hüft-OP im Frühjahr, fünf Monaten Schanzenabstinenz und nur 90 Trainingssprüngen feierte der Weltmeister mit den Rängen elf und zwölf ein gelungenes Wettkampfcomeback. "Mir fehlt noch die Spritzigkeit beim Absprung und damit ein halber Meter Flughöhe. Das erschwert auch den Rest des Sprunges. Aber nach der langen Pause ist das nicht unnormal", schätzte 28-Jährige ein.

Zu den nicht so erfreulichen Ereignissen gehörte, dass Andreas Wellinger nach zwei starken Trainingsflügen (137,5 m/136,5 m) im Wettkampf (15. Platz) abfiel und Andreas Wank sogar in der Qualifikation scheiterte. Schuster bemängelte anschließend, dass seine Athleten im Finale "nur bedingt handlungsfähig" waren. Dazu zählte der Coach auch Richard Freitag. Sachsens bester Ski-Adler präsentierte sich zumindest im Ergebnis (9. Hinzenbach/21. beim Heimspiel) verbessert, wobei seine Ansprüche natürlich andere sind. Nach außen versprühte der Erzgebirger Zuversicht. Die Videoanalyse hatte in Klingenthal ergeben, dass er untypischerweise zweimal zu früh abgesprungen war: "Das sagt mir mit Blick auf den Winter, dass der Hunger da ist."

Tepes siegt beim COC-Finale

Zum Abschluss der Continentalcupserie gab es einen slowenischen Triumph in der Arena. Jurij Tepes verwies Joacim Oedegaard Bjøring (Norwegen), Jan Ziobro (Polen) und Stephan Leyhe (Willingen) auf die Plätze.

Dirk Thiele, gemeinsam mit dem ehemaligen Klingenthaler Skispringer Gerd Siegmund jahrelang TV-Kommentator bei Eurosport, wird offenbar unfreiwillig in Rente geschickt. Der 70-jährige Potsdamer erfuhr die geplante Ablösung durch Matthias Bieliek und Sven Hannawald aus der Zeitung. Thiele erhielt in Klingenthal von Bürgermeister Thomas Hennig einen Ehrenpreis für seine Verdienste.

Die Springer müssen bis zum Weltcupauftakt noch eine Regeländerung beachten. Das in diesem Sommer eingeführte nicht dehnbare Hüftband im Sprunganzug (Gürtel), das ein Nachuntenziehen und damit eine Flächenvergrößerung im Schritt verhindern soll, darf nur noch eine maximale Toleranz von zwei Zentimetern (bisher drei) zum Körper aufweisen. (tp)

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