Ein Thüringer triumphiert beim Jubiläum

Vor stimmungsvoller Kulisse vor allem bei den Bergwertungen und im Zielbereich sicherte sich der Erfurter John Mandrysch den Sieg bei der 40. Erzgebirgsrundfahrt. Der neue Kurs kam gut an.

Chemnitz.

Das Wetter zeigte sich wenig einladend, als am Sonntagmorgen die Teamwagen vor dem Brauhaus in Chemnitz-Einsiedel vorfuhren. Über dem Erzgebirge hingen dunkle Wolken, im Start-Ziel-Bereich waren die Pfützen nicht zu übersehen. Das Thermometer brachte es gerade einmal auf fünf Grad. Doch Lars Wackernagel, der Chef des Teams P & S Metalltechnik, versprühte dennoch schon vor dem Start Optimismus. "Mal sehen, was heute geht", meinte "Wacker" mit einem Lächeln im Gesicht.

Unmittelbar nach dem Zieleinlauf der 40. Erzgebirgsrundfahrt hatte sich der Himmel längst aufgezogen, die Sonne schien. Doch es lag nicht etwa an der Witterung, dass die Laune des 43- Jährigen, der in seiner aktiven Laufbahn unter anderem eine Etappe der Friedensfahrt gewann und danach drei Tage im Gelben Trikot fuhr, nun Höchstwerte erreichte. Vielmehr hatten seine Jungs dem Radklassiker, der auch in diesem Jahr wieder als Bundesligarennen der Altersklasse U 23 ausgetragen wurde, den Stempel aufgedrückt. Nach 172 Kilometern fuhr John Mandrysch mit einem lauten Jubelschrei als Erster über die Ziellinie, ihm folgte nur sein Teamkollege Dominik Röber. Es vergingen viele Sekunden, bevor der Tagesdritte Jonas Rutsch (Team Lotto Kern Haus) das Rennen beendete.

Am Start waren insgesamt 137Pedaleure aus ganz Deutschland. "Die ersten beiden Runden wollte einfach kein richtiges Radrennen in Schwung kommen", berichtete der Tagessieger. In dieser Phase bestimmte lange eine vierköpfige Ausreißergruppe das Geschehen, die maximal drei Minuten Vorsprung herausfuhr. Doch kurz nach der Hälfte der Distanz machte die Truppe von P & S Metalltechnik, deren Sponsor ein Unternehmen aus Oederan ist, richtig Dampf und bewirkte, dass die Führenden eingeholt und das Feld immer mehr dezimiert wurde. "Den finalen Angriff haben wir dann als Mannschaft am allerletzten Anstieg gestartet", erzählte Mandrysch überglücklich. Denn nach seiner Triumphfahrt sicherte er sich auch die Gesamtführung in der Bundesliga. Zum Auftakt in Düren hatte er Platz zwei belegt.

"Ich fühle mich in unserem Team absolut wohl, deswegen funktioniert es auch sportlich sehr gut. Das war bei mir vorher nicht immer der Fall", meinte der Mandrysch, der in diesem Jahr die erste Saison für P & S fährt und nach Aussagen seines sportlichen Leiters jetzt seinen richtigen Weg gefunden hat. Der Thüringer hat mit seinem Team, das 2019 von einer reinen Amateurmannschaft in die unterste Profikategorie aufgerückt ist, noch viel vor. "Ende August findet die Deutschlandtour statt. Und wir wollen uns auf jeden Fall mit unseren Leistungen für einen Startplatz empfehlen", sagte der Pedaleur aus Erfurt.

Jonas Härtig schafft es zwar nicht, unter die besten Drei zu fahren. Doch zur Siegerehrung wurde der Fahrer vom Team Sauerland nicht nur einmal gerufen. Denn ihm gelang es, sein Bergtrikot zu verteidigen, er holte sich die Sprintwertung der Erzgebirgsrundfahrt und bleibt damit auch in der Sprintgesamtwertung der Bundesliga vorn. "Für mich war es die dritte Rundfahrt im Erzgebirge, obwohl ich im Vorjahr nicht dabei war. Die Runde empfand ich als abwechslungsreich und hatte keine Probleme mit dem Profil. Allerdings wurde bei den drei Sprintwertungen auch nicht voll reingehalten", meinte der Student für Wirtschaftsingenieurwesen aus Düsseldorf. Zudem lobte der 22-Jährige die Organisation des Eintagesrennens. "Die Absperrung hat funktioniert, es lief alles super", fügte der junge Mann, der immerhin schon ein Jahrzehnt aktiv im Sattel sitzt.

Lob gab es auch von den Verantwortlichen des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). "Es war eine anspruchsvolle Runde. Die Rennfahrer sind die ersten beiden Runden etwas verhalten gefahren, weil sie wussten, was auf sie zukommt", sagte Günter Schabel, Vizepräsident Leistungssport im BDR. "Von der Zuschauerresonanz hat es sich ausgezahlt, dass die Runde viermal gefahren wurde. In unserem Verband hat die Erzgebirgsrundfahrt einen sehr hohen Stellenwert", ergänzte er.

"Die Erzgebirgsrundfahrt ist eine echte Herausforderung" 

Ex-Profi Eric Baumann ist sportlicher Leiter des Teams Schnelle Stelle Ur-Krostitzer (Sitz in Leipzig). Knut Berger sprach mit dem 39-Jährigen. 

Freie Presse: Sie haben 2002 die Erzgebirgsrundfahrt gewonnen. Können Sie sich noch erinnern?

Eric Baumann: Aber natürlich! Solche Siege feiert man nicht jeden Tag, zumal das Profil der großen Runde, die wir damals absolvieren mussten, meinem Fahrertyp nicht gerade entgegen kam. Es war für mich ein schönes Rennen.

In diesem Jahr wurde eine ganz andere Schleife gefahren. Wie würden Sie die sportlichen Anforderungen einschätzen?

Natürlich war die kleine Runde auch schwer. Man muss nur in die Gesichter der Fahrer schauen, die das Rennen beendet haben. Die sind alle kaputt. Meine Jungs hatten am Ende sogar ein paar Krämpfe. Ob große oder kleine Runde, die Erzgebirgsrundfahrt ist eine echte Herausforderung.

Wie hat Ihr Team abgeschnitten?

Wir hatten mit Mathias Wiele bis zum letzten Anstieg einen Fahrer in der ersten großen Gruppe dabei. Doch am letzten Berg hatte er keine Kraft mehr. So konnten wir leider keinen Fahrer unter die besten zehn bringen.

Wie geht es für Ihr Team weiter?

Wir sind nächste Woche schon wieder hier, denn wir gehen bei den Radsporttagen des RSV Chemnitz an den Start. Unsere Mannschaft dient dazu, dass Nachwuchsfahrer, die aus den Junioren aufrücken, in Sachsen eine Zukunft haben.

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