Ein Titel für die Ewigkeit

Das Phänomen hat wieder zugeschlagen. Eric Frenzel holte zum fünften Mal in Folge den Gesamtweltcup in der Nordischen Kombination. Beim Finale in Schonach demoralisierte der Sachse Teamkollege Johannes Rydzek - und das mit einem Trick.

Schonach.

Um 16.44 Uhr entlud sich am Sonntag die ganze Anspannung in einem Urschrei, mit dem Eric Frenzel im Land der Kuckucksuhren über die Ziellinie fuhr. Tosenden Applaus gab es für den Mann des Wochenendes im Schwarzwald - und Minuten später den Kuss von Ehefrau Laura über die Zuschauerbande zur Belohnung. "Ich weiß nicht so recht, wie ich diese historische Sache werten soll. In jedem Fall war es der am schwersten erkämpfte Sieg im Gesamtweltcup", sagte er zu seinem fünften Streich in Folge für den besten Kombinierer der Saison. Bisher hatte sich der 28-Jährige vom WSC Oberwiesenthal die Bestmarke mit dem Finnen Hannu Manninen geteilt. "Aber Rekorde sind ja nicht für die Ewigkeit, sondern dazu da, dass sie gebrochen werden", meinte Eric Frenzel und presste die große Kristallkugel an seine stolze Brust.

Dass diese famose Leistung so schnell kein Winterzweikämpfer übertreffen wird, liegt auf der Hand. Höchstens Eric Frenzel selbst. Was ist das schon jetzt für eine Karriere. Die eines Frühberufenen in jeder Hinsicht: Mit 18 wurde er Vater, mit 22 das erste Mal Weltmeister, mit 25 Olympiasieger. Nun mit 28 der Titel für die Ewigkeit, denn der erste fünfmalige Weltcupgesamtsieger wird er immer bleiben. Wie er das schafft? Mit einer besonderen Gabe, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können. Mit reichlich Talent, was seinen Körperbau (lange Beinhebel) und seine Ausdauerfähigkeit betrifft. Und mit einem Motto, das für seine stete Entwicklung den Grundstein legt: "Wenn ich denke, ich bin wer, habe ich aufgehört, was zu werden."

Wie detailversessen Eric Frenzel arbeitet, verrät auch eine kleine Episode. Vor der Hochzeit mit Laura hat er einen dreistündigen Tanzkurs belegt, um auch da eine gute Figur abzugeben. So tickt er, der Eric Frenzel. Bundestrainer Hermann Weinbuch beschrieb das Besondere an seinem Musterathleten einmal so: "Eric ist ehrgeizig, aber nicht verbissen. Und er ist cool, aber nicht arrogant." Dass ihm seine Familie die innere Ruhe gibt, liegt nahe. Was hinter dieser historischen Leistung steckt, weiß auch Frank Erlbeck. Der Heimtrainer erinnert sich an so manches Lauftraining am Fichtelberg. Das begann 6 Uhr morgens. Denn anders ist das Pensum des bald dreifachen Vaters nicht zu schaffen: Seine Familie, sein Studium zum Wirtschaftsingenieur in Mittweida, Sponsoren- und Pressetermine - das alles bekommt Frenzel gut unter einen Hut. "Es ist beeindruckend, wie er Prioritäten setzt. Der Tag hat nur 24 Stunden. Aber Eric nutzt eben auch die Wartezeit auf dem Flughafen und schaut in die Bücher fürs Studium", berichtet Erlbeck.

Nicht nur Fleiß zeichnet seinen Schützling aus. Vor allem, dass er von sich selbst und von seinen Betreuern immer wieder Qualität einfordert, macht den Unterschied aus. "Ein 08-15-Training gibt es nicht", schätzt Erlbeck sich glücklich, so einen Athleten betreuen zu dürfen: "Der Junge ist ein Geschenk."

Der 40. und 41. Weltcupsieg kamen in Schonach, insgesamt zehn in dieser Saison, hinzu. Nur bei der WM in Lahti (zweimal Gold, einmal Silber) lief ihm Vierfach-Weltmeister Johannes Rydzek den Rang ab. Der Allgäuer hat Eric Frenzel in gewisser Weise zur historischen Tat getrieben, vor allem, was Taktik und Technik im Endspurt betreffen. Frenzel: "Auf den letzten 100 Metern entscheidet der Kopf, ob dein Köper diese schnellen Bewegungen machen will."

Mit Kopf und Körper im Einklang - so hat Eric Frenzel seine Karriere forciert. Nur gestern nutzte er einen Trick. "Der Körper kann am Ende doch nochmal mehr leisten, als man denkt. Deshalb habe ich meinen Kopf ausgeschalten und bin gelaufen, was geht." Und es ging noch viel im Vergleich zu Rydzek, der in der letzten Runde einbrach. Weinbuch sieht im harten Duell seiner Topathleten eine riesige Herausforderung. Kann er das positive Klima im Team aufrechthalten? Oder schlägt der Konkurrenzkampf in eine zerstörerische Stimmung um? Dass Rydzek am Sonnabend in seiner Enttäuschung wie ein schlechter Verlierer reagierte, zunächst Frenzel Unfairness unterstellte, verdeutlicht die Gefahr. Gestern nannte Rydzek seinen Sturz eingangs der Zielgeraden einen Rennunfall: "Der Beste hat sich am Ende durchgesetzt", sagte der Bayer. Doch Weinbuch weiß, was in der Olympiasaison auf ihn zukommt: "Wir haben nun mal zwei Kampfhähne, die alles wollen." Nur eines nicht: Verlieren.

Eric Frenzel, wie ihn seine Frau Laura kennt

So tickt der fünfmalige Weltcupsieger: Gute Steaks, kein Windelwechsler und Fan des FC Bayern - Familie erwartet im Juni ihr drittes Kind

Eric Frenzels Ehefrau Laura, die früher in Oberwiesenthal Skilangläuferin war und dort im Internat den Kombinierer lieben lernte, müsste ihren Mann am besten kennen. Die Familie, zu der die Söhne Philipp (10 Jahre) und Leopold (1) gehören, lebt in Flossenbürg (Oberpfalz) in einem Holzhaus. Im Juni erwarten sie ihr drittes Kind. "Freie Presse" bat Laura Frenzel, folgende Satzanfänge zu vervollständigen.

Mein Mann kocht am liebsten ...

... sehr abwechslungsreich. Am besten sind seine Steaks, welche er über Jahre verfeinert und für die er immer neue Techniken entwickelt hat.

Mein Mann hat sich beim Windelnwechseln ...

... meistens verdrückt!

Mein Mann unternimmt am liebsten mit der Familie ...

... einen schönen und erholsamen Urlaub.

Mein Mann kann besser Skispringen und Laufen als ...

... sich um die Wäsche zu kümmern.

Mein Mann hat schlechte Laune, ...

... wenn ich mich nicht an abgemachte Sachen halte, aber er hat sehr selten schlechte Laune.

Mein Mann hat gute Laune, ...

... wenn er genügend Zeit mit seinen Kindern verbringen kann und wenn der FC Bayern gewinnt.

Eric Frenzel

Geboren: 21. November 1988 in Annaberg-Buchholz. Aufgewachsen in Geyer, wo die Nachwuchsschanzen nach ihm benannt wurden. Erste Übungsleiter waren sein Vater Uwe und Steffen Küchler. Heimtrainer in Oberwiesenthal sind aktuell Jens Einsiedel und Frank Erlbeck.

Erfolge: Erster Weltcupsieg 2008 in Klingenthal, 41 Weltcupsiege, Gesamtweltcupsieger 2013- 2017. Olympiasieger 2014, Olympiasilber 2014 (Team), -bronze 2010 (Team), Weltmeisterschaften: Gold: Einzel (2011, 2013), Team (2015, 2017), Teamsprint (2017); Silber: Einzel (2017), Team (2-mal 2011), Teamsprint (2015), Bronze: Einzel (2011), Teamsprint (2013).

Kircheisen nach Supersaison nicht mehr das "Gelbe vom Ei"

Björn Kircheisen erlebte keinen krönenden, aber einen versöhnlichen Abschluss einer erfolgreichen Saison, in der er sein erstes Gold bei einem Großereignis holte. Nachdem ihm am Freitag eine Niete aus dem Sprungschuh riss, ging der Wettkampfsprung am Samstag mit den Ersatzstiefeln völlig in die Hose. Als 46. trat er zum Lauf nicht mehr an.

Beim letzten Weltcup gelang dem 33-Jährigen vom WSV Johanngeorgenstadt mit Platz 21, seinen fünften Rang im Gesamtweltcup gegenüber Mario Seidl (12./Österreich) zu verteidigen. "Das war in Schonach nicht mehr das Gelbe vom Ei, aber über die Saison kann ich mich ja nicht beschweren", so Kircheisen. 748 Zähler brachte der Sachse in die WeltcupNationenwertung, die Deutschland mit sagenhaften 3316 Punkten Vorsprung auf Österreich gewann, ein.

Terence Weber vom SSV Geyer fiel nach soliden Sprüngen in der Loipe auf die Plätze 32 und 34 zurück. Der 20-Jährige muss kommende Saison sein Trainingskonzept verändern, um die Laufleistung zu verbessern.

Der 19-jährige Martin Hahn vom VSC Klingenthal belegte beim dritten und vierten Weltcup seiner jungen Laufbahn die Ränge 40 und 44. (tp)

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